Von Daniel Kruse
Im Café „Ben-Uschi & der Pabst“ gibt es Sojamilch, Ziegenmilch und laktosefreie Milch. Nebenan feiert Berlins erster Modeladen für ökologisch und fair hergestellte Kleidung sein Sommerfest. „Wertvoll“ heißt der, es gibt Crepés und Bionade. Robert Echtermeyer telefoniert mit seiner Kollegin Lydia, die am Stadtrand von Berlin eine Kaffeeverköstigung im Bio-Markt organisiert. Wenn der strategische Konsum sich als Ort manifestieren müsste - hier wäre wohl ein geeigneter Platz dafür.
Echtermeyer arbeitet für Tres Cabezas, ein Berliner Händler für Biokaffee aus Costa Rica. In seinem früheren Leben war er Geschäftsführer einer Berliner Szenebar, dann versuchte er es noch eine Weile bei einem Immobilieninvestor. Wenn man den kompakt gebauten Ex-Leistungssportler heute über Wirtschaft und Werte reden hört, dann sieht man einen Geläuterten vor sich, der der Berliner Partywelt den Rücken gekehrt hat. „Das kann's nicht sein, dachte ich mir. Globale Bedrohungen wie den Klimawandel kann man nicht einfach wegtanzen und da langt es auch nicht, nur noch einmal im Jahr nach Thailand zu fliegen und am Strand in die Holzhütte zu pupsen“. Kompromisse liegen ihm nicht und mit seiner direkten Art ist Echtermeyer schon so manchem Weltverbesserer auf die Füße getreten, der doch eigentlich nur auf der Lohas-Welle mitschwimmen wollte.
Es gab eine Zeit, da tranken die grünen Hardliner den Kaffee wie zum Trotz – Geschmack egal, Hauptsache bio. Die Tres Cabezas-Gründer Sascha Spittel und Robert Stock fanden jedoch einen Weg, um hochwertigen Rohkaffe und Langzeitröstung so zu kombinieren, dass ihre Sorten heute zu den wenigen Spezialitätenkaffees in Bio-Qualität zählen. Die Bohnen der Marke „Tierra Madre“ etwa wachsen im Schatten der Tropenbäume heran, ohne Pflanzenschutz- oder Düngemittel und im Einklang mit der Natur. So gibt es weder Monokulturen noch Massenproduktion, beim Anbau werden Abstände von anderthalb Metern zwischen den Pflanzen eingehalten – das entspricht der Sprungweite der Schädlinge. „Die Geschichte vom Bio-Kaffee beginnt damit, dass sich die Bauern schlicht kein Düngemittel leisten konnten“, erklärt Echtermeyer. Deswegen halten sie bei Tres Cabezas auch nicht viel von Siegeln. „Viele können sich den komplizierten Zertifizierungsprozess gar nicht leisten, obwohl sie schon lange vor dem Bio-Hype traditionell ökologisch anbauten“. Gründer Spittel, ein ausgebildeter Bauingenieur, genügte ein langer Blick auf das Meer vor Costa Rica für den Sinneswandel. Zurzeit weilt er gerade wieder für ein paar Monate im Land zwischen den Kontinenten. Es sind seine Flitterwochen mit einer Costa Ricanerin.
Bei aller Romantik sind Spittel, Stock und Echtermeyer natürlich auch ganz normale Unternehmer, die ihr Produkt unter die Leute bringen wollen. Zunächst waren Designshops, Clubs und Trendbars das Ziel, jetzt versuchen sie es im ausgesuchten Einzelhandel. 15 Bio-Märkte im Raum Berlin haben die verschiedenen Sorten von Tres Cabezas in ihre Regale aufgenommen. Jetzt liegt es an Lydia und den Konsumenten, ob der Kaffee aus Costa Rica auch angenommen wird. Nicht zuletzt ein Bildungsauftrag: „Bei Starbucks zahlen die Leute viel Geld für alles Mögliche, nur nicht für einen guten Espresso im ursprünglichen Sinne“, erklärt Echtermeyer. Richtig dosiert sei ein hochwertiger Espresso schließlich „die pureste Form des Energy-Drinks“. Die großen Firmen können oder wollen sich nicht mehr auf nachhaltige Prozesse umstellen, glaubt Echtermeyer, und so werden es die Kleinen richten müssen.
„Erst wenn innovative Firmen zeigen, dass faires Wirtschaften auch Rendite bringt, ziehen die Konzerne nach. Tres Cabezas gehört zu diesen Mosaiksteinen einer ökosozialen Wende. Und die Zeichen aus einer öko-unverdächtigen Branche wie der Kulturindustrie geben Echtermeyer Anlass zur Hoffnung. Da hört man von einer „Green Music Initiative“ und Partygänger feiern in den ersten „Sustainable Dance Clubs“. Berliner Modemessen richten „Green Areas“ ein und mit der „thekey.to“ war erstmals auch ein Format dabei, das ausschließlich ökologisch hergestellte Mode präsentierte. Die Kleinen kommen. Und sie machen sich in den verschiedensten Feldern breit.
Fotos: Daniel Kruse
Im Portrait


Kommentare (7)
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Man sollte lieber die Verteilungskette des monetären Mehrwertes offen legen bzw. transparent gestalten und eine vorher (Fairtrade) nachher Betrachtung machen, dann weiß man, ob es Gewissens- Management ist, oder wirklich was bewirkt.
Siegel sind das eine, seine Produktions- und Verteilungskette so zu gestalten, dass sie was anderes bewirkt, Neue Standards erzeugt, was Anderes.
Robert mehr weniger
die Produkte gibt es in 6 Filialen der BioCompany und in 7 Filialen des ViV- Biofrischemarktes.
Außerdem bei Kompledo dem Joachimsthaler Bio- Frische Markt, sowie diverse kleine
unabhängige Bio- Märkte.
Sie können mich gern anschreiben unter re@trescabezas.de um eine aktuelle Liste zu bekommen.
Was neu daran ist, da kann ich einiges aufzählen.
Aber am wichtigsten ist der Fakt, dass wir teilweise den Kaffee direkt von Plantagen beziehen, die wir selbst besucht haben und die Verhältnisse der Erzeuger auch einschätzen können. Deshalb können wir neben dem ganzen Siegelwahn auch mit wohl tun behaupten, dass die Grundidee von FairTrade auch zum tragen kommt.
Und by the way es geht nicht um Werbung, deshalb sind die Läden, wo es die Produkte gibt auch nicht aufgezählt.
Und noch was zu FairTride. Es gibt auch im „Bio LEH Segment“ bereits ein Preisdumping, an dem sich auch so genannte Fair gehandelte Produkte bzw. Erzeuger beteiligen. An diesem Wettbewerb beteiligen wir uns nicht, damit wir unsere Produktionskette auch fair bedienen können.
Und wir sind nun mal aus Berlin, was sollen wir machen??
Gruß Robert mehr weniger