Dem Wandel vom innovationsblinden zum zukunftsorientierten Automobilkonzern hat BMW in dieser Woche Nachdruck verliehen. Wie der Börsennachrichtendienst "Dow Jones Newswires" berichtet, hat sich BMW für das Elektrofahrzeugprojekt "Megacity Vehicle" gegen die Schaffung einer vierten Marke entschieden. Stattdessen sollen Elektrofahrzeuge, deren Serienreife BMW für Mitte des kommenden Jahrzehnts plant, ähnlich der M-Reihe als Untermarke des bayerischen Herstellers geführt werden. Zudem wurde die kritische Frage nach einem geeigneten Lieferanten für Fahrzeug-Akkus beantwortet: Bosch und Samsung sollen die Batterien für die Megastadt-Vehikel gemeinsam produzieren.
Damit versucht BMW, ein Profil zu schärfen, das von Läuterung zeugt. Zu lange habe das mittlere Management die Innovationsfront zugunsten von fehlgeleiteten Prestigevorstellungen vernachlässigt, eine strategische Neuausrichtung des Konzerns werde nun angestrebt. Hauptaugenmerk liege auf Nachhaltigkeit und neuen Antriebstechnologien, wie Vorstandschef Norbert Reithofer bei einer Pressekonferenz in der vergangenen Woche erklärt hatte. Anlass war die veritable Vollbremsung, die BMW seinem Formel-1-Team mehr oder weniger überraschend verordnet hatte. Die Formel 1 ohne das BMW-Sauber-Team? Ohne Nick Heidfeld und Robert Kubica? Für viele schien das unvorstellbar, auch wenn die Performance des Teams in der Saison 2009 bisher stark zu wünschen übrig ließ.
Dabei sind beide Maßnahmen, die Entwicklung neuer Antriebskonzepte sowie der Ausstieg aus der Formel 1, nahe liegend für einen Automobilkonzern, dessen Mitarbeiter sich zu tausenden in Kurzarbeit befinden. Die zuletzt viel beschworene Chance, die sich aus der Wirtschaftskrise ergibt, muss Reithofer zur Unternehmenssicherung nutzen. Angesichts massiver Absatzeinbrüche ist ein kluges Kostenmanagement gefragt, und ein Formel-1-Team ist teuer.
Auf rund 210 Millionen Euro wird der Jahresetat des BMW-Sauber-Teams für die Formel-1-Saison 2009 geschätzt – der fünfthöchste der zehn Rennställe. Gleichzeitig bescheinigt das Businessmagazin "Formulamoney" BMW-Sauber in einer aktuellen Statistik, das ineffizienteste Team von allen zu sein.
Wenn zudem durch Regierung und Verbraucher zunehmend ein umweltfreundliches Image von Automobilherstellern gefragt ist, wird es schwierig mit der Freude am Fahren, besonders auf der Rennstrecke: Tatsächlich verbraucht ein Formel-1-Auto rund 200.000 Liter Sprit pro Saison. Treibstoff, dessen Verbrauch Autofahrer angehalten sind, zu reduzieren. Eine knifflige Ausgangslage, wenn man durch Prestigemarketingprodukte wie einen Rennstall seinen Markennamen bei einer ohnehin schon verunsicherten Zielgruppe stärken will.
BMW


Kommentare (2)
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welcher art innovation wird denn bei den rennwagen nachgejagt?
wenn experten feststellen, dass 80% an den mittelklasse- und premiumwagen dem prestige- oder statusverlangen der fahrzeughalter/innen geschuldet sind, dann ist die fahrt doch wohl in die falsche richtung unterwegs. allein das gewicht der modelle der letzten jahre hat dermaßen zugelegt, dass die parallele zur entwicklung des körpergewichts der fahrer/innen frappierend ist. man will sich dicke tun. aber in der hinsicht dürfte der höhepunkt allmählich überschritten sein. die neuere nachfrage, die fahrzeuge auf halde und auch die meldungen von bmw deuten alle in die richtung. das ist gesund fürs fahrzeug und für die fahrer/innen.
Die Autobranche braucht mehr Frauen in Ingenieurspositionen. Unsere Autos sind so schwer und übermotorisiert, weil sie von Männern entwickelt und vermarktet werden. Mit dieser Denke von vorgestern können wir aber nicht die Probleme von übermorgen lösen.
Das sage ich als Mann.