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Unternehmen im Dialog

H&M beantwortet offene Fragen aus dem Live-Chat Teil 1


Baumwolle

emil: Wieso wird nicht viel mehr aus Bio-Baumwolle produziert? Gibt es Hilfe für Bauern, die auf Bio wechseln möchten?

raphael: Würden nicht viele Landwirte auf Bio Anbau umsteigen, wenn sie dadurch besser entlohnt würden?

H&M: Das sind zwei sehr gute Anmerkungen. Der Umstieg auf einen nachhaltigeren oder Bio-Baumwollanbau kann viel neues Wissen und langfristige Verträge nötig machen, damit Bauern den Umstieg wagen. Auch wenn H&M selbst keine Baumwolle kauft, finanzieren wir Organisationen wie Textile Exchange und die Better Cotton Initiative um den Baumwollanbau weltweit nachhaltiger zu machen und eben auch die Bauern durch die entsprechenden Schulungen zu einem Umstieg zu motivieren. Bis jetzt haben wir durch die Better Cotton Initiative allein mehr als 120.000 Bauern erreicht und im vergangenen Jahr 600.000 Euro investiert. Der Gewinn der Bauern ist dabei ein wichtiger Faktor, er konnte durch die BCI signifikant gesteigert werden.

Sammie: Die Produktion von Bio-Baumwolle ist deutlich gesunken. Wie wollen Sie künftig die Mengen sicherstellen, die Sie brauchen?

maria28: 7,6% klingt sehr wenig. Innerhalb von 8 Jahren auf 100% aufzustocken klingt löblich aber ambitioniert. Steht denn so viel Bio-Baumwolle überhaupt zur Verfügung?

chris: Ruhen sie sich auf der Aussage aus, dass es weltweit nicht genug Bio-Baumwolle gibt, oder versuchen Sie die Produktion von Biobaumwolle zu fördern?

H&M: Danke auch für die Nachfragen. Wir sind aktuell schon der größte Baumwollabnehmer der Welt und sind durchaus stolz auf die 7,6 %, die wir aktuell verwenden. Aber Sie sprechen ein sehr wichtiges Thema an: In absehbarer Zeit wird weltweit nicht genug Bio-Baumwolle verfügbar sein, um unsere gesamte Baumwolle biologisch zu beziehen. Darum haben wir eben das Ziel, bis zum Jahr 2020 nur noch nachhaltigere Baumwolle zu verwenden. Dazu zählt für uns neben der Bio-Baumwolle eben auch recycelte Baumwolle und die Mengen aus der Better Cotton Initiative. Für 2012 planen wir einen Anteil der BCI Baumwolle von 5 %, langfristig wird diese aber wohl den größten Anteil der Baumwolle bei H&M ausmachen. Wir fördern sowohl den Umstieg auf biologische Baumwolle mit Textile Exchange und den nachhaltigeren Anbau mit der Better Cotton Initiative (2011 mit 600.000 Euro, bis jetzt haben wir damit 120.000 Bauern erreicht).

Katharina: Wie rechtfertigen Sie die Verwendung von Pestiziden und künstlichem Dünger und der Vertreibung unter dem Namen Better Cotton? Wie kommt es zu diesem Namen?

bestchoice: ...das hört sich gut an (Bio-Baumwolle), aber ist die Baumwolle dann nicht genmanipuliert?

Katharina: Welche sozialen und ökonomischen Aspekte werden denn genau beachtet bei der Initiative Better Cotton?

H&M: Better Cotton ist nicht gedacht, um Bio-Baumwolle zu ersetzen, im Gegenteil: Sie ist eine wertvolle Ergänzung zu unserem Ziel, bis 2020 nur noch Baumwolle aus nachhaltigeren Quellen zu verwenden. Nicht überall auf der Welt ist der Umstieg auf biologischen Anbau möglich. Einige Bauern sind beispielsweise nicht zu motivieren auf einige wenige Pestizide (etwa gegen eine jährliche Heuschreckenplage) zu verzichten. Dennoch kann der Anbau mit weniger Pestiziden, weniger Wasser und weniger Dünger sehr viel besser, nachhaltiger werden. Better Cotton vereint auch soziale Aspekte wie Arbeitsbedingungen und Mindestalter auf der einen und einen höheren Gewinn für die Bauern auf der anderen Seite. Durch den reduzierten Einsatz von Dünger, Wasser und Pestiziden kann der Anbau für die Bauern signifikant lukrativer werden. Bei der biologischen Baumwolle ist die Verwendung von genmanipuliertem Saatgut nicht gestattet.

maria28: Wieviel Prozent der Baumwolle kommt derzeit aus nachhaltigem Anbau?

katt: Wieviel Prozent Ihrer Gesamtabnahme an Baumwolle ist "Bio-Baumwolle"?

H&M: H&M verwendet aktuell 7,6 % Bio-Baumwolle. Der Anteil für „Better Cotton“, als Teil der nachhaltigeren Baumwolle insgesamt, wird für 2012 mit 5 % geplant.

zauberfeeling: Warum werden keine offiziellen Zertifikate für die Bio-Baumwolle verwendet? Irgendwelche Bio-Baumwolle ist doch oft geschummelt und wenig glaubhaft.

H&M: Da kann ich Sie beruhigen. Die international renommierten Institute IMO und Control Union zertifizieren die gesamte biologische Baumwolle bei H&M.

Kaktus: Nach welchen Kriterien und Standards werden diese nachhaltigen Rohstoffe und Produkte nachgewiesen?

H&M: Die biologisch angebaute Baumwolle darf nicht mit künstlichen Pestiziden, künstlichem Dünger und genmanipulierten Samen angebaut werden. Dies kontrollieren und zertifizieren die IMO und Control Union. Die unabhängige „Better Cotton Initiative“ hat eigene Maßstäbe, die überprüft werden: http://www.bettercotton.org/index/7/about_bci.html

raphael: Wo wird die Baumwolle angebaut? Was bekommen die Landwirte für das Kg Baumwolle? Lassen sich diese Betriebe auch besuchen, und gibt es eine transparente, nachvollziehbare Produktionsbeschreibung vom Anbau über die Verarbeitung bis in den Endverkauf?

H&M: Ja. Einer der vielen Vorteile von biologischer Baumwolle ist, dass sie bis zum Ursprungsfeld zurückverfolgt werden kann. Da H&M selbst keine Baumwolle kauft, kann ich leider so keinen Preis pro Kilo nennen, aber bestimmt kann „Textile Exchange“ da weiterhelfen: http://textileexchange.org/. Die biologische Baumwolle bei H&M kommt momentan vor Allem aus der Türkei, Indien und China.

Sammie: Geben Sie die höheren Preise für nachhaltige Baumwolle und Bio-Baumwolle an Ihre Kunden weiter? Wenn nein, wie können Sie das gewohnte Preisniveau halten?

H&M: Wir haben nicht vor, gestiegene Rohstoffpreise an die Kunden weiterzugeben.

Uschi 235: Wieviele Tonnen Baumwolle wird zur Herstellung von Kleidung weltweit produziert, und wie garantiert H&M, dass seine Produzenten biologisch rein arbeiten, und wie kann ich als Konsument wissen, dass Ihre Antwort zuverlässig ist?

H&M: Das sind gute Fragen. Die gesamte biologische Baumwolle bei H&M wird überprüft und zertifiziert von den renommierten Instituten IMO und Control Union. Darauf können sich alle unsere Kunden verlassen. Die jährliche Anzahl an produzierten Tonnen biologische Baumwolle ermittelt stets die Organisation „Textile Exchange“: http://textileexchange.org/.

einfach_ich: Der Umstieg auf Bio-Baumwolle ist toll. Aber auch Bio-Baumwolle verbraucht im Anbau noch viel Wasser. Ich fände es super, wenn H&M "alte" Stoffe wie Hanf, Flachs oder Brennesselfasern wiederentdecket und daraus coole, modische Kleidung herstellt. H&M kann "Öko" hipp machen!

H&M: Ein sehr guter Hinweis! Sie haben absolut recht und darum wird genau das auch bei H&M getan. Wir haben bereits Produkte aus Bio-Hanf im Angebot und werden bald auch Bio-Leinen verwenden. Diese beiden Fasern haben den großen Vorteil, kaum Wasser zu verbrauchen und fast überall zu wachsen. Neue Verarbeitungsmethoden erweitern die Möglichkeiten, diese Rohstoffe parallel zur Baumwolle einzusetzen. Wir freuen uns, dass wir mit der Conscious Collection schon erfolgreich zeigen konnten, dass nachhaltigere Rohstoffe und ein aufregendes Design sich absolut ergänzen können.

raphael: Weshalb verkauft H&M noch Kleidung aus nicht biologischer Baumwolle, wie können Sie es ökologisch und sozial verantworten, solche Missstände in heutiger Zeit noch zu unterstützen und zu fördern? Für mich ist Ihr Engagement im Bio und sozialen Berreich so nicht glaubhaft.

H&M: Ich hoffe sehr, dass ich Ihnen deutlich machen konnte wie viel wir für einen nachhaltigeren Anbau von Baumwolle tun. Wir sind überzeugt, dass wir auf Grund unserer Größe einen großen Einfluss auf die Umwelt haben und einen wichtigen Beitrag zu einer nachhaltigen Zukunft der Mode leisten können. Hinzu kommt für uns der Grund, dass Alternativen zu herkömmlicher Baumwolle noch nicht in ausreichender Menge verfügbar sind. Ein kompletter Umstieg auf biologische Baumwolle ist leider nicht ohne weiteres komplett möglich von heute auf morgen. Auch wenn H&M selbst keine Baumwolle einkauft, engagieren wir uns stark für einen nachhaltigeren Anbau und unterstützen Bauern beim Umstieg auf biologische Produktion mit „Textile Exchange“ und mittels der „Better Cotton Initiative“. Mehr als 120.000 Bauern haben wir damit bereits erreicht. Es bleibt bei unserem Ziel: Bis spätestens 2020 soll die gesamte Baumwolle aus nachhaltigeren Quellen stammen (Biologisch, recycelt, Better Cotton).

green1910: Ich finde es gut, dass es teilweise Bio-Baumwolle gibt bei H&M. Dennoch: Baumwolle braucht in der Produktion extrem viel Wasser. Woher kommt Ihre Baumwolle? Wird sie dort angeplanzt, wo eigentlich das Wasser als Trinkwasser benötigt werden würde?

H&M: Auch das ist ein sehr guter Hinweis. Die biologische Baumwolle kommt vor allem aus Indien, China und der Türkei. Das Label „biologisch“ sagt erst einmal nichts über den Wasserverbrauch aus. Dem Wasserproblem hat sich die „Better Cotton Initiative“ gewidmet. Mit besseren Anbaumethoden konnten die Bauern im letzten Jahr so mit bis zu 50 % weniger Wasser anbauen.

Stand: 05.07.2012 von

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    schrieb am 19.07.2012 um 09:36
    Hallo Brandungskieker,

    danke für die Erklärung. Es ist auf jeden Fall unser klarer Anspruch, dass 100 % der Arbeiter, die an der Produktion von H&M Produkten beschäftigt sind, Arbeitsplätze haben die sicher und sauber sind, die Gesundheit nicht gefährden und dass der Lohn fair ist. Das sind, neben vielen weiteren, die klaren Bedingungen in unserem Verhaltenskodex, den alle Lieferanten und Sub-Lieferanten unterschreiben und dessen Einhaltung wir kontrollieren.

    Sie fragen aber auch, ob wir es garantieren können, das diese Standards eingehalten werden - Es wäre unseriös, das zu behaupten. Wir sehen, dass einige Lieferanten nach wie vor bestimmte Bedingungen nicht erfüllen und das wir teil hart gemeinsam an einer Verbesserung arbeiten müssen. Die Probleme, die wir über das Jahr in unseren Kontrollen finden, listen wir auch transparent in unserem Nachhaltigkeitsbericht auf. Über 2.000 Kontrollen haben wir allein 2011 bei unseren Lieferanten durchgeführt, 78% davon unangekündigt.

    Was wir aber sehen ist, dass unsere Arbeit Früchte trägt. Weit über die Hälfte aller Produkte bei H&M kommen von Lieferanten, die einen Kontrollwert von über 81 % erhalten. Auch sieht man deutlich, dass die Werte der Fabriken steigen, wenn diese länger mit H&M zusammen arbeiten.

    Auch wenn man also keine perfekte Textilproduktion garantieren kann, so kann man doch alles tun um die Produktion so gut wie möglich zu machen, und das tun wir. Unser Ziel ist es, die 100 % zu erreichen. mehr weniger
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    schrieb am 18.07.2012 um 17:45
    Präzisierung zu meiner Frage "Können Sie zusichern, dass 100% der Beschäftigten in ihren Produktionsbetrieben durch ihre Arbeit nicht schlechter gestellt werden in Bezug auf Gesundheit, Entlohnung und Arbeitssicherheit?"

    Ich meinte, dass ein Arbeitnehmer bei der Herstellung der Produkte kein gesundheitliches Leid erfährt und außerdem einen Lohn erhält, der seiner geleisteten Arbeit entspricht. mehr weniger
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    schrieb am 16.07.2012 um 11:00
    Hallo Leona,

    das ist schade, dass du den Ausführungen von H&M hier nicht glaubst. Ich habe immer versucht, unsere Angaben zu belegen mit externen Quellen und bin auch weiterhin sehr gerne bereit dazu.

    Wenn wir also in einem Bereich der dir wichtig ist, noch Informationen nachreichen können, tun wir das gerne.

    Vielen Dank auf jeden Fall an dich und die zahlreichen anderen User, die Kommentare abgegeben haben.
    Wir freuen uns auf den weiteren Austausch und das Feedback aus der Community, auch zu den offenen Fragen, zu denen ja noch Antworten folgen. mehr weniger
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    schrieb am 16.07.2012 um 10:11
    Auch ich bedanke mich bei utopia für diesen LIveChat.

    Meiner Meinung ist das alles "Greenwashing", was H&M da sagt.

    Ich glaube keinem einzigen Unternehmen mehr irgendwas - außer vielleicht die Verkaufszahlen.

    Die Lösung liegt ganz woanders.Oder zumindest ein Teil der Lösung, denn natürlich habe auch ich keine(Lösung) in der Schublade zu liegen.

    Wir müssen aufhören zu glauben, wir müssten alle paar Tage oder Wochen eine neue Klamote kaufen. Wozu um alles in der Welt müssen wir alle so viele Klamotten haben, dass die Kleidrschränke aus allen Nähten platzen?

    Auch ein Hartz IV-Empfänger kann sich ein T-Shirt für 30 Euro von z.B. amedangels leisten und es dann tragen, bis es kaputt ist. Anstatt sich 6 Shirts von H&M für denselben Preis zu kaufen.

    Außerdem könnten wir alle wunderbar unsere Kleidung in SecondHand-Läden kaufen, wie ich es seit Jahren praktiziere. Ich werde immer wieder darauf angesprochen, was für tolle Klamotten ich habe und wo ich die denn her habe. Aber das nur am Rande.

    Leider bin auch ich selbst noch weit vom Konsumverzicht entfernt, aber zumindest verdient an mir kein Unternehmen wie H&M, Zara, C&A und wie sie alle heißen auch nur einen Cent.

    Und außerdem gehe ich sämtlichen Freundinnen und Bekannten unaufhörlich auf den Geist, indem ich ihnen von den Arbeitsbedingungen in Bangladesh erzähle, entsprechende links verschicke und auch jedes Mal einen Kommentar abgebe, wenn mir die neuesten Schnäppchen von H&M & Co. stolz präsentiert werden. Mir ist es egal, ob ich den Leuten damit auf den Geist gehe.

    Danke nochmal an Utopia, macht weiter so! mehr weniger
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    schrieb am 05.07.2012 um 19:55
    Danke für die Mühe, das alles zusammen zu tragen.
    Danke an die Fragensteller, immer wieder nachzuhaken.
    Danke an H&M, sich den Fragen zu stellen und danke an Utopia, den Austausch überhaupt möglich zu machen.

    Ein Aspekt möchte ich noch einbringen:

    Grasmücke fragt
    "Ist es also fair das sich nur die Reichen leisten können nachhaltig zu leben?"

    Lukita antwortet
    "Der Lebensstandard hier geht aktuell schlichtweg auf die Kosten von Mensch und Umwelt in anderen Ländern."

    Wir müssen uns darüber im Klaren sein, daß es nicht nur auf Kosten von Mensch und Umwelt in anderen Ländern geht, wenn wir die Billig-Klamotten von H&M kaufen.

    Es geht auch auf unsere eigenen Kosten.
    Wir leben in einer globalisierten Welt, wo dank ESL sogar die Frischmilch billig aus dem Osten importiert werden kann.
    Wenn wir Kleidung kaufen, die in Bangladesch zu einem 30€ Monatsgehalt produziert wurde, dann ist es auch unsere Zukunft, daß die Geringverdiener immer geringer verdienen.

    Deswegen lautet meine Antwort auf Grasmückes Frage:
    "Nein, es ist nicht fair, daß sich nur Reiche nachhaltige Sachen kaufen können.
    Und deswegen müssen wir aufhören, billige Sachen zu kaufen, die die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer machen".

    Wie man das mit wenig Geld in die Praxis umsetzt?
    Sicher nicht bei H&M, wo die T-Shirts nach 3x Waschen ausgeleiert sind.
    Mir ist auch noch keine andere Lösug eingefallen, als gute Marken-Klamotten im Second Hand Laden zu kaufen... mehr weniger
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