"Die größten Katastrophenrisiken liegen in den Megacitys"
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Al Gore, ehemaliger Vizepräsident der gerade nicht besonders angesehenen Vereinigten Staaten von Amerika, umarmt unter dem Gekreische zehntausender Groupies Leonardo DiCaprio und Julia Roberts, sein Name steht genauso häufig im Politik- wie im Klatschteil der Zeitungen und Magazine, ihm wird nicht weniger zugetraut als die Rettung der Menschheit. Und wie nebenbei staubt er auch noch die beiden vermutlich höchsten Preise ab, die die Menschheit zu vergeben hat: Den Oscar und den Friedensnobelpreis.
Al Gore: Ein geborener Verlierer?
Vielleicht sind es gerade die Widersprüche, die Al Gore so beliebt machen. Ein geborener Gewinner, zum Beispiel, ist er nicht gerade. Im November 2000 brachte er das Kunststück fertig, als haushoher Favorit gegen George W. Bush die Präsidentschaftswahl zu verlieren. „Ich hatte plötzlich viel Zeit“, erinnert sich Gore später. Er schloss sich in seinem Arbeitszimmer ein, ließ sich einen Bart wachsen und dachte über die Zukunft nach, seine Zukunft. In den nächsten Jahrzehnten könnte er Talkshowgast in der Endlosschleife werden, Alkoholiker oder depressiv, aber das wäre zu einfach. Gore entscheidet sich für die ultimative Herausforderung: In Amerika, dem Land, das Ozonloch und Treibhauseffekt für eine Erfindung wehleidiger Alteuropäer hält, will er endlich so richtig für Umweltschutz kämpfen. Ehe er das Klima retten konnte, hat das Klima erst einmal ihn selber gerettet.
Al Gore: Ein ganz normaler Aufklärer?
In den nächsten Jahren zieht er mit einer selbst zusammengeschusterten Dia-Show durch Gemeindesäle, Uni-Aulen, irgendwann dann auch Stadien. Mit einem Retro-Medium warnt er vor der Zukunft. Etwa 1200 mal hält er die gleiche Vorlesung, spricht erst vor zehn, dann vor hundert, dann vor zehntausend Zuhörern. Sein Dokumentationsfilm „Eine unbequeme Wahrheit“ bekommt zwei Oscars und spielt weltweit 49 Millionen Dollar ein, seine „Live Earth“-Konzerte verfolgen auf der ganzen Welt über eine Milliarde Menschen. In seinen zwei Amtszeiten als ganz normaler Bürger ist Gore womöglich erfolgreicher, als er das als Präsident je hätte sein können. Er ist von keiner Partei und keiner Lobbygruppe abhängig, beugt sich nicht der öffentlichen Meinung, sondern dreht sie ganz einfach um: Mittlerweile geben 40 Prozent aller Amerikaner an, dass sie angesichts der globalen Erwärmung „sehr besorgt“ seien – vor zwei Jahren waren das erst 25 Prozent. 76 Prozent verlangen, dass umgehend etwas für den Klimaschutz getan werden muss.
Al Gore: Ein Jet-Set-Umweltschützer?
Gores Wahrheiten sind einerseits unbequem, andererseits sehr simpel. Um das Klima zu retten, fehle bisher lediglich der politische Wille, so sagt er, aber der sei ja glücklicherweise „ein erneuerbarer Rohstoff“. Für den Anfang reiche es schon, ein Hybrid-Auto zu kaufen, wenn das Monatseinkommen hoch genug ist, oder einfach mal öfter Fahrrad zu fahren. Und auch hier verschweigt er nicht die eigenen Unstimmigkeiten. Al Gore hat einen Privatjet, der Stromverbrauch seiner Villa ist gigantisch, er lebt auf großem Fuß, hinterlässt aber trotzdem keinen Kohlendioxid-Fußabdruck, weil er als Ausgleich in den Tropen neue Bäume pflanzen lässt und nur Öko-Strom nutzt. Gore predigt nicht Konsumverzicht, sondern will mit seinem eigenen Lebensstil zeigen, dass es Spaß machen kann, die Welt zu retten.
Al Gore: Ein Starker mit Schwächen?
Kein Tag vergeht, ohne dass ihn seine Hollywood-Bekanntschaften zur Kandidatur um die Präsidentschaft auffordern. Die Initiative „Draft Gore“, die bereits 136 000 Unterstützer zählt, schaltete eine ganzseitige Anzeige in der New York Times, in der sie Gore zur Kandidatur aufforderte: „Amerika und die Welt braucht einen Helden“, hieß es da. Al Gore würde vermutlich nicht widersprechen, er ist sich nur noch nicht sicher, ob die Rollen von Held und Präsident überhaupt zusammen passen. Immer wieder erklärt er: „Als ganz normaler Bürger kann ich mehr erreichen.“ Seine Zögerlichkeit ist Al Gore immer wieder vorgehalten worden, jetzt scheint er aus dieser Schwäche eine Stärke zu machen: Je länger er sich erklärt, desto lauter wird der Ruf nach ihm. Gleichzeitig zwingt er so die anderen aussichtsreichen Kandidaten der Demokraten, Hillary Clinton und Barack Obama, das Thema Klimaschutz stärker zu berücksichtigen.
Ob als Präsident oder als normaler Bürger - in jedem Fall gilt, dass Al Gore nur ungern als Wahlverlierer und Versager in Erinnerung bleiben würde. Dabei gibt er allerdings zu bedenken: „Es ist völlig gleichgültig, wie man in den Geschichtsbüchern steht, wenn es keine Geschichtsbücher mehr gibt – und niemanden, der sie liest.“

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Kommentare
Bedros Istepan
talentierter Chaot
Bedros Istepan
schrieb am 06.02.2008 um 14:04Support Goro!!!!! und der neue Film ist auch der hit!!!
martin_p
martin_p
schrieb am 08.01.2008 um 13:55Auch seine Niederlage bei den Präsidentschaftswahlen hat ihn für mich zwischendurch sympatisch gemacht, außerdem beschäftigt er sich schon seit mehreren Jahrzehnten mit Klimaschutz.
Und obwohl die meisten seiner Aussagen gut und richtig sind, hat mich bei seinen Film total irritiert, wie er sich selbst darstellt- Seine ironischen Fragen und überschwenglichen Reden, alles weist darauf hin, dass er von sich selbst meint, die Weisheit mit dem Löffel gegessen zu haben.
Vielleicht ist das in den USA notwendig, aber ich halte recht wenig davon.