Erst seit März ist Daniel Stadtimker in München, aber seitdem muss er alles aufgesogen haben, was man über Bienen so lesen kann. Und er gibt sein Wissen gerne weiter. Zum Beispiel an die Umwelt AG von Achim Happel, dessen Eco Kids Daniel an diesem Mittwochnachmittag kräftig mit Fragen löchern. – Wissen Bienen, dass Sie sterben wenn Sie stechen? – Und ganz schön staunen, über das, was Daniel ihnen alles zu erzählen hat.
Männliche Bienen – ganz schön faul
Und nicht nur die Kinder staunen. Ich lerne: Männliche Bienen, also Drohnen, stechen nicht, machen aber auch sonst nicht viel außer zu fressen und die Königin zu begatten. Die wiederum hat nur eine Aufgabe, sie legt bis zu 2.000 Eier am Tag, auf Menschen umgerechnet, wären das 5-7 Babys (!). Eine weibliche Arbeitsbiene dagegen durchläuft in ihrem Leben mehrere Jobs, ist erst Putz-, dann Wächterbiene und stirbt, sollte sie es soweit bringen, im Alter von sieben Wochen schließlich als Honigsammlerin, der anstrengendsten Position im Bienenstaat. Zustechen tun Bienen sehr ungern. Aber sollte man von einer Biene gestochen werden, tut das nicht nur mehr weh, als ein Wespenstich, da der mit Widerhaken versehene Stachel in der Haut verbleibt und fleißig weiter Gift in die Wunde pumpt. Die stechenden Bienen verströmen außerdem einen Gefahrenduft, der andere Bienen zur Verteidigung anlockt. Ergo, schnell weg vom Ort des Geschehens.
Stadtbienen haben's leichter
Neben Interessantem und Kuriosem aus dem Alltag der gestreiften Sechsfüßler hat Daniel noch ganz andere spannende Bienenfakten zu berichten. Auf die Frage, was am Stadtimkern so besonders sei, legt er los. So eine Landbiene, die müsse ja mittlerweile praktisch mit dem Überleben kämpfen, nur Monokultur weit und breit. Da blüht so ein Rapsfeld zwei Wochen und danach ist wieder Ebbe angesagt. Gesund sei so eine einseitige Ernährung für die Bienen nicht. Das sei in der Stadt ganz anders, dort herrsche, auch wenn das erstmal verwundere, noch Artenvielfalt, außerdem gebe es praktisch keine Pestizide. Diese Vorteile lockten mittlerweile sogar Landimker in die Städte. Stadtbienen kämpften ihrerseits dagegen mit Abgasen und Elektrosmog, welcher ersten Studienergebnissen zufolge zu Orientierungsverlust führe.
Der achtfüßige Feind
Aber sowohl in der Stadt als auch auf dem Land kann die Biene der Varroamilbe nicht entkommen. Die Varroamilbe wurde 1977 von deutschen Wissenschaftlern aus Asien mitgebracht. Sie entkam aus dem Labor und hat sich seitdem so stark ausgebreitet, dass sich in ganz Deutschland kein Bienenvolk findet, das nicht mit ihr zu kämpfen hat. Während asiatische Bienen mit dem Spinnentier umzugehen wissen, sie beißen ihm ganz einfach die Beinchen ab, kommen Honigbienen hierzulande mit dem Parasiten nicht gut zurecht. Die Milbe bohrt ein Loch in den Panzer der Biene und saugt und saugt und saugt. Schlimmer noch als die Milbe selbst sind die Infektionen, die sich die Biene mit der permanenten Wunde einfängt. Ohne einen Imker, der die Milbenpopulation im Bienenvolk regelmäßig reduziert, sind Honigbienen nicht mehr überlebensfähig.
Warum wir Bienen brauchen
Also alles nicht so rosig für unsere Willis und Majas und auch für uns, wenn man bedenkt, dass 80 Prozent der Obst- und Gemüsesorten von der Insektenbestäubung, zum Großteil der durch Bienen, abhängig sind. „Der ökologische Wert der Bienen ist nicht ihr Honig, sondern die Bestäubungsleistung.“, sagt Stadtimker Daniel und macht damit auch den Wert des Imkerns deutlich. Denn ohne Imker keine Honigbienen.
Imker kann übrigens jeder werden, der Herz und Händchen für die kleinen Summer mitbringt. Jungimker Daniel macht sich keine Sorgen um die nächste Honigernte: „Die machen das schon!“, sagt er.
Gute Links
Der Stadtimker: "Für hoffnungslose Honigjunkies und manische Bienenstreichler"
Bienenkiste: Für alle, die Hobby-Imker werden wollen
Melifera: Verein für wesensgemäße Bienenhaltung
Netzwerk blühende Landschaft: Für eine blühende Kulturlandschaft
BeeGood: Patenschaften für Bienen
Eco Kids Germany: Für kleine Umweltaktivisten


Kommentare (5)
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Wen das Thema sticht, dem möchte ich noch ein Buch meines Lieblingsautors Douglas Coupland ans Herz legen: "Generation A", erschienen im Tropen Verlag/Klett-Cotta:
http://www.klett-cotta.de/buch/Gegenwartsliteratur/Generation_A/12544
Hier beschreibt Coupland das Leben von mehreren Youngsters in einer Welt, aus der die Bienen verschwunden sind.
Abgesehen vom immer genialen Stil des Autors habe ich hier mal einen konkreteren Vorgeschmack darauf bekommen, wie extrem anders eine Welt ohne frisches Obst und andere mit Bienenbestäubung zusammenhängenden Dingen aussieht. Schön ist das nicht, aber als "Green Fiction" unterhaltsam und lesenswert – wegen gewissem Schrägheitsfaktor allerdings nichts für Leute, die sonst nur Sachbücher lesen.
Umwelt und Gesellschaft gestalten.
http://bienenstaat.net/Bluetentraeume.html
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Lieber Daniel Überall, das ist ein wichtiges Engagement. Vorbildlich!
vielen Dank für Eure Kommentare :-)
Liebe Grüße & bee happy
Daniel
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