Herr Dürr, welche Rolle spielt die Sprache bei einem Fragebogens?
Ich muss versuchen, die Sprache der Leute zu sprechen, die ich erreichen will. Und das kann - je nach Empfängerkreis - zum Beispiel auch mal eine kindliche Sprache sein. Wenn ich eine wissenschaftliche Untersuchung mit Kindern machen will, dann muss ich ihre Sprache wählen. Wenn ich meine wissenschaftliche Sprache verwende, dann werden sie aus lauter Angst die Frage ankreuzen, wo Sie am stärksten Ihre Zustimmung und Ihr Lächeln spielen lassen.
... und was bestimmt die Wissenschaftlichkeit?
Der Antwortraum muss so gegliedert sein, dass die Antworten den gesamten Raum abdecken, das nennt sich dann erschöpfend. Wichtig ist auch, dass die verschiedenen Antworten überlappungsfrei sind. Wir sprechen hier von 'disjunkt'. Das heißt, dem wissenschaftlichen Anspruch wird dann genügt, wenn ich die Antworten so formuliere, dass die Teilnehmer zwischen klaren Alternativen unterscheiden können.
Die Antwortmöglichkeiten in unserem Fragebogen sind oft ziemlich lang - ist das problematisch?
Die Studenten haben jeweils mehrere Teile in eine Frage eingebaut. Ich halte das für sinnvoll, weil sie sonst zu viele Einzelfragen stellen müssten. Eigentlich handelt es sich immer um eine Frage und dann um Pakete von Antworten, wo sich jeder ganz automatisch für das Paket entscheidet, was am ehesten der eigenen Sichtweise entspricht.
Welche Vorteile hat denn diese Vorgehensweise gegenüber einer skalierten Antwort, bei der die Studenten Noten von 1 bis 6 vergeben können?
Da gibt es zwei Vorteile. Zum einen: Wenn Sie Standardskalen verwenden wie ‘ich stimme zu', oder 'ich stimme eher nicht zu', wird es irgendwann sehr ermüdend. Spätestens nach der dritten Frage sagt sich der Teilnehmer: Okay, im Schnitt glaube ich, liege ich hier auf einem mittleren Antwortfeld. Und dann geht er einmal runter und spart sich eine halbe Stunde Lebenszeit, aber schadet der Auswertung. Zum Anderen ist genau das oft auch nicht die Kategorie, nach der man sich positioniert zu einem Thema. Ich will eigentlich vor klare Alternativen gestellt werden. Das ist dann auch ein emotionaler Effekt. Der Teilnehmer denkt dann: das ist ganz klar das, was mir am meisten entspricht.
Wenn Sie Ihr eigenes Verhalten beim Ausfüllen eines Fragebogens reflektieren, dann ist es sehr häufig so, dass Sie feststellen: Das ist nicht die richtige Frage. Oder Sie fragen sich, was heißt das jetzt, 'eher zustimmen'? Da haben Sie dann statt vier Sätzen nur einen und müssen quasi den Grad der Zugehörigkeit zu diesem Statement definieren. Das ist eine viel komplexere Aufgabe, und dem eigentlichen Zweck so nicht dienlich.
Foto: hfr
+++
Zurück zur Übersicht


Kommentare (2)
abonnieren
Somit ist es nur ein weiterer Beitrag zu methodisch sehr zweifelhaften Befragungen, die jeder gerne liest, die aber außer dem blinden anhäufen von Daten keinerlei Bedeutung haben. Schade!
Lukas
tut mir leid, dass du dich in den Antworten nicht wieder finden konntest. Ich finde es auch gut Kritik zu bekommen, denn dadurch sieht man, dass sich jemand Gedanken macht.
Hast du konkrete Vorschläge?
LG Jaenna