Vom unterdrückten Konsumenten zum selbstversorgenden Haushalt
Selbstversorgung meint für Hodgkinson aber mehr als in naiver Autarkie sein eigenes Obst und Gemüse zu essen. Sie gehört zur konsumkritischen Philosophie des Müßiggangs: „In der alten Welt war die kultivierte Muße der wichtigste Teil des Lebens. In der neuen hat der Beruf den Vorrang. (...) Die Kunst seine eigenen Lebensmittel zu erzeugen, wurde ersetzt durch den Gang zum Supermarkt, wo alles, was man braucht, zu kaufen ist. Dadurch sind wir ärmer, nicht reicher geworden. Wir gehen lieber in den Supermarkt und trinken vor dem Fernseher Bier aus der Dose, als die Scholle in unserem Kleingarten mit der unerbittlichen Hacke aufzubrechen. (...) Wir importieren von anderswo die Dinge, die wir selbst anfertigen oder anbauen könnten und folgen wie hilflose Kinder einem nutzlosen, teuren, vergnügungssüchtigem Lebensweg und tauschen innere Leere gegen Ablenkung ein. Wer sich dagegen selbst versorgt koppelt sich von den extrem niedrigen Preise und der extrem niedrigen Qualität der Welt der Supermärkte ab.“
Eigenes Brot backen, statt im Schnellbackverfahren hergestelltes Gummibrot aus dem Supermarkt zu kaufen. Obst und Gemüse mit reichlichen Erträgen, aber harter Arbeit und viel Geduld anbauen. Eigenes untrinkbares Bier brauen und ernüchternd feststellen, dass man das lieber sein lässt. Die Tragödie vom Schlachten des eigenen Schweins (Tierfreunde werden an manchen Stellen von „Schöne neue Welt“ keine Freude haben). Die Verunglimpfung der viel zu pflegebedürftigen Erdbeere als überbewertetes Obst. Der Stolz auf die erste eigene Sense, anstatt mit einem von Treibstoff abhängigen Rasenmäher zu mähen – all diese Versuche unternimmt Tom Hodgkinson, um die schöne alte Welt wieder aufleben zu lassen, unabhängiger zu werden und ein besseres Leben zu führen.
Selbstversorgung bedeutet: „dass man den eigenen Haushalt von einem beliebigen Ort, an dem man nach der Arbeit vor einem riesigen Fernsehschirm sitzt, in eine kreative und produktive Einheit verwandelt.“
Tom Hodgkinson – ein undogmatischer Müßiggänger
Trotz all der Feindschaft zur modernen Welt des Konsums und subversiver Ansichten bleibt Hodgkinson lebensnah und undogmatisch: „Doch es ist weder möglich noch erstrebenswert, komplett zum Selbstversorger zu werden. (...) Man muss seine Grenzen akzeptieren. Es ist schlicht unmöglich, seinen Lebensunterhalt zu verdienen und über Nacht ein akzeptabler Gemüsegärtner, Koch, Schlachter, Geflügelhalter, Schweinehirt, Waldarbeiter, Hausbauer, Bäcker, Konfitürenmacher, Heumacher, Imker, Brauer Senser und Schreiner zu werden. (...) Beginne klein und erwarte wenig.“
Fazit: Tom Hodgkinson ist eine Inspirationsquelle für alle Menschen, die – wie man im hässlichen Neudeutsch so schön sagt – ihre Work-Life-Balance anders gewichten wollen, als den Großteil Ihrer Lebenszeit in einem Job zu verbringen, der sie unzifrieden macht. Es gleicht einer Zeitdiagnose, dass seine „Anleitung zum Müßiggang“ leider vergriffen und am besten in Leih-Bibliotheken zu bekommen ist. Als Alternative eignet sich „Die Kunst frei zu sein“. Allen gestressten Müttern und Vätern sei der „Leitfaden für faule Eltern“ empfohlen. „Schöne alte Welt“ können Sie jetzt bei uns gewinnen.


Kommentare (132)
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ich habe eins der Bücher gewonnen und gelesen!
Für alle die es interessiert ein kleine Inhaltsangabe.
Erst mal vorab, Neues erfährt derjenige, der sich mit Garten, Selbstversorgung etc.beschäftigt, nicht.
Wer einen Ratgeber sucht wird wohl eher enttäuscht sein
Tom führt den Leser durch die einzelnen Monate, anfallende Arbeiten in Haus und Garten, Feste und Feiertage. Gespickt mit Zitaten aktueller und historischer Schriften und Ratgebern zum jeweiligen Thema.
Alles nett recherchiert und zusammengetragen. Zwischendrin gespickt mit amüsanten Anekdoten, vom Gelingen oder Scheitern, aus seinem bisherigen "Selbstversorgerdasein"
Sein Augenmerk liegt eher darauf Alternativen zu unserem modernen, schnellen, Konsumorientierten und in vielerlei Hinsicht abhängigem Alltag aufzuzeigen.
Alles in allem ein locker dahin plätscherndes Büchlein das sich kurzweilig lesen lässt.
ich würde mein Exemplar gerne an jemanden weitergeben gelesen habe ich es ja nun. Einfach eine Nachricht schicken, bei mehreren verlose ich halt auch! mehr weniger
Veggy Susan
Als Konsum und Leistungsverweigerer lebe ich bereits ein Leben wie in der Zukunft und an den verschiedensten Orten der Welt.
Damit bald jeder so frei leben kann, bin ich Mitglied der Piratenpartei geworden und setzte mich da für die Einführung des BGE ein.
Hierzu ein schöner Spiegel Artikel wie bald alle leben können, werden:
http://www.spiegel.de/reise/aktuell/familienreise-blog-vorbereitungen-und-darf-man-in-der-elternzeit-reisen-a-864415.html
Die Faulheit ist die Triebkraft des Menschen, er war zu faul zu laufen, also erfand man das Auto, zu faul schwere Lasten zu heben, also erfand man den Motorkran, zu faul zu arbeiten also nahm man sich Sklaven, in der Antike war Arbeit total verpönt, nur den Sklaven vorbehalten, heute werden Roboter uns alle Malocharbeit abnehmen!
Fazit ohne Faulheit kein Fortschritt!
"Laßt uns faul in allen Sachen,
Nur nicht faul zu Lieb' und Wein,
Nur nicht faul zur Faulheit sein."
Lessing mehr weniger