Utopia: In deinem Utopia-Profil steht eine interessante Selbstbeschreibung. Du sagst, du bist „verliebt in die Natur“. Wie und wo hat diese Liebesgeschichte denn begonnen?
earthling.: Ich bin in einem kleinen Dorf aufgewachsen. Meine Eltern, mein Bruder und ich wohnten in einem schönen Haus mit großem Garten. Ringsherum waren einzelne Bauernhöfe verteilt, bunte Felder und Wiesen, Kuhherden, Schafe und viele Katzen, die am Nachmittag quer durch den Garten spazierten, gehörten zur gewohnten Umgebung. Nur etwas störte die Idylle: die benachbarte Autobahn und der große Sendemast, der vor wenigen Jahren gebaut wurde. Das ist auch der Grund, weshalb ich heute leider nicht mehr in diesem trotzdem schönen Dorf lebe. Als ich 5 Jahre alt wurde, bekam ich mein erstes eigenes Beet, auf dem ich voller Stolz meine eigenen Kräuter und Möhren für meine Kaninchen und mich anbauen konnte. Es kam die Zeit der Grundschule und schließlich wurde ich auf ein Gymnasium versetzt, das in den naturwissenschaftlichen Fächern eine vertiefende Ausbildung anbietet. Ich hatte mich schon immer für die versteckten Kleinigkeiten der Natur interessiert, aber erst als ich dann endlich in der Biologie unterrichtet wurde, erklärten sich mir nach und nach die Zusammenhänge zwischen Umwelt und Mensch, die Natur um mich herum wurde immer wichtiger.
Utopia: Wie fanden das deine Mitschüler?
earthling.: Häufig stieß ich auf die Missgunst meiner Mitschüler, die nicht verstehen konnten, wieso ich lieber Fahrrad fuhr, als mit dem riesengroßen strahlenden Auto der Eltern kutschiert zu werden, wieso ich im NABU war und mit Herz und Seele die Krötenwanderung unterstützte oder wieso ich das Greenpeace-Magazin las anstatt der Bravo, oder den Urlaub lieber an der Kreideküste verbrachte, als schnell mal mit dem Flieger in die Türkei zu düsen... Ich weiß nicht, wann ich mich in die Natur „verliebt“ habe. Meine Eltern haben einen großen Teil dazu beigetragen, dass ich die Welt immer ein bisschen anders sehe, dass ich tolerant bin und dass mir die Natur, meine Umwelt, nicht egal sind, denn eigentlich bin ich ein kleiner Teil von ihr.
Utopia: Hat diese Liebe zur Natur auch dazu geführt, dass du vegan lebst?
earthling.: Früher gab‘s bei uns Biofleisch vom Bauern und den Fisch aus dem Forellenteich von nebenan, aber ich mochte Fleisch und Fisch noch nie. Irgendwann begann ich, Filme wie „Earthlings“ oder „Taste the Waste“ zu sehen und das verstärkte nur noch die Aversion gegen diesen übertriebenen und verrückten Massenkonsum. Wieso tötet man Tiere, um sie danach in den Müll zu werfen? Das war eine Sache, die mir einfach nicht in den Kopf wollte. Schließlich habe ich mich entschieden, vegan zu leben, denn Tiere sind keine Maschinen, die „auf Knopfdruck“ Milch geben und Eier legen sollten. Sie leben nicht dafür, um uns in wenigen Sekunden zu einem Geschmackskick zu verhelfen, oder? Genauso wie wir versuchen, ein wunderschönes und glückliches Leben zu verbringen, sollten das Tiere auch dürfen....
Utopia: Ist es schwer, komplett vegan zu leben?
eartlling.: Bei mir war das so wie mit dem altbekannten Beispiel „Schokolade“ - lass es einfach ein paar Wochen weg, danach willst du es gar nicht mehr essen. Eine Sache der Gewöhnung. Vielleicht klingt das ein bisschen banal, aber ich habe Eier und Quark bisher genauso wenig vermisst, wie den Biss in eine Riesenroster.


Kommentare (14)
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Wünsche mir und Dir, dass Du Dir Deinen einzigartigen Blick für die Details und Deinen eigenen Kopf bewahrst!
Sonnige Grüsse
Stephan mehr weniger
Wer nicht mit, sondern gegen den Strom schwimmt, bekommt Kraft für andere Dinge.
Alles Gute für Dich.