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Outdoorhersteller in der Kritik

"North Face": Daunen von Stopfleber-Gänsen


Die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN hat zusammen mit der britischen „Sunday Times“ enthüllt, dass das Outdoor-Label „The North Face“ Gänsedaunen aus tierquälerischer Produktion verwendet. Die US-amerikanische Firma soll mit Gänsedaunen aus der ungarischen Stopfmast produzieren.

„Jahrelang hat „The North Face“ behauptet, seine Daunen seien ethisch korrekt produziert. Nachdem VIER PFOTEN den Konzern nun mit Recherche-Material konfrontiert hat, gaben sie die schmutzige Wahrheit über ihre Daunen zu“, berichtet Kampagnenleiter Marcus Müller. Die Tierschutzorganisation wirft dem Konzern Profitgier vor. Denn Daunen aus der Stopflebermast sind billig: Eine gute Quelle um hohen Profit aus teurer Outdoor-Kleidung zu schlagen. „Mit dem Verkauf der Daunen erhöhen sich der Profit pro Tier um ca. 15 Prozent.“ Dass „The North Face“ seine Jacken mit einem „grünen“ Öko-Image bewirbt, ist vor diesem Hintergrund eindeutig als Verbrauchertäuschung zu sehen“, kritisiert Müller.

The North Face: Nicht tragbar

VIER PFOTEN ruft daher zum Boykott der "The North Face" Jacken auf. Bis der Konzern seine Daunen-Zulieferungen umstellt, könne man die Kleidung nicht ohne ethische Bedenken kaufen. Stopfmast-Gänse werden meist in engen Käfigen gehalten und mehrmals am Tag brutal gestopft, um aus ihren verfetteten Lebern „Foie Gras“ herzustellen.

Nicht die ersten Stopfleber-Daunen in der Outdoor-Branche

Erst kürzlich hatte der als vorbildlich geltende Outdoor-Hersteller „Patagonia“ zugegeben, für seine Produkte Gänsedaunen aus Stopfmast zu verwenden. Das Unternehmen mit dem sauberen Image betonte aber, dass ihm die tatsächliche Herkunft seiner Daunen nicht bekannt war und es nun seine Lieferkette besser in den Griff bekommen möchte.

Stand: 24.02.2012 von

Kommentare (10)   abonnieren

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    schrieb am 27.02.2012 um 10:52
    Gibt es überhaupt Produkte mit Daunen, die garantiert ohne Stopfleberhaltung auskommen? Ist ja nicht nur bei Jacken ein Thema, sondern zB auch bei Bettdecken oder Schlafsäcken. Dass es immer auch eine alternative zu Daunen gibt, ist klar, aber wenn man nun Daunen möchte?
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    schrieb am 01.03.2012 um 13:33
    Da sieht man mal wieder: Was gut begonnen hat... "Wikipedia: Douglas (Doug) Tompkins (* 1943 in New York, NY, USA) ist ein US-amerikanischer Umweltaktivist und Öko-Unternehmer sowie Gründer und ehemaliger Chef der Textilmarken The North Face und Esprit Holdings Limited."
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    schrieb am 01.03.2012 um 15:58
    Gefütterte 'Outdoor'Jacken finde ich davon abgesehen sowieso unpraktisch. Viel praktischer ist das 'Zwiebelprinzip', also unter eine ungefütterte Jacke lieber ein bio-hanf oder bio-baumwoll hemd etc. mehr, das sich leicht bei Bedarf ausziehen und im Rucksack verstauen lässt und zudem auch einfacher bei Bedarf waschbar ist (und schneller trocknet), als eine gefütterte Jacke
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    schrieb am 01.03.2012 um 16:25
    Für mich ist Daune absolut TABU! Schon nachdem vor einiger Zeit ein Skandal mit einer Bettwarenfirma, die genauso produzieren läßt an das Tagelicht kam.
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    schrieb am 03.03.2012 um 10:15
    Gab's nicht irgendwo eine Liste grüner Outdoorproduktehersteller wie z.B. Klättermusen...?
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    schrieb am 03.03.2012 um 12:01
    Immerhin gibt es noch Daunen, die NICHT aus Qualzucht stammen. Diese zu finden ist schwer, das ist klar. Mich würde mal interessieren, mit welchen Daunen die Jacken von Canada Goose produziert werden. Hat jemand Informationen?
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    schrieb am 04.03.2012 um 13:53
    Moment mal: Daune aus STOPFLEBER-Produktion? Also, wenn ich das genau lese, dann ist das Stopfen der Gänse hier das ethische Problem. Das eigentlich ethisch besch... Produkt ist ja dann die Gänseleberpastete, Foie Gras oder ähnliches. Dagegen sollten die Vier-Pfötler hier vorgehen! Die Daune ist in dieser Schiene dann wohl eher ein Abfallprodukt, auch wenn der "Lebensweg" zweifellos unschön ist.

    Eine andere Geschichte ist das mit dem "Lebendrupf", was vor einigen Jahren als berechtigtes Tierquäler-Thema der Daunenproduktion aufkam. Hier haben viele Hersteller, gerade aus der Outdoor-Branche meines Wissen nach reagiert, indem sie eine Nachverfolgbarkeit des Daunen-Ursprungs eingeführt haben oder einführen. Damit wollen sie sichergehen, dass die Daune auch vom Schlachthof kommt, und nicht lebenden Gänsen ausgerissen wurde.

    Wer also Kunden hat, die Daune brauchen (beim Winter-Bergsport gibt es für Wärme-Jacken und Schlafsäcke keine echte Alternative), sucht sich also erstmal Daune von Gänsen, die schon vor dem Rupfen geschlachtet wurden. Gänse zu züchten, um sie nur für die Daune zu schlachten, wäre aber ethisch und ökologisch ähnlich bedenklich und wirtschaftlich dumm. Es werden auch keine Kühe und Schweine nur für´s Leder geschlachtet.

    Es gibt sicher auch eine erhebliche Menge an artgerecht hergestelltem Gänsebraten, bei dem dann auch noch "korrekte" Daune abfällt. Dabei werden die Tiere nicht so zwangsgemästet, dass sie eine krankhafte Fettleber entwickeln. Merke: Es ist sicher nicht jede Daunenfeder von einer Stopfleber-Gans, nur kann man es den Daunen nicht ansehen.

    Da stellt sich die Frage: Warum zielt "Vier Pfoten" hier auf den Daunenverwender North Face, und nicht auf die Hersteller der Gänseleber-Pastete? Meine Vermutung: Sowohl Gänseleberpasteten-Herstellern wie -Verbrauchern (v.a. in Frankreich) ist das Tierschutzthema (noch?) ziemlich egal, und da kann man mit ein bisschen Kampagne wenig erreichen. Also sucht man sich eine grosse Marke mit Öko-Ambitionen, denen tut schon eine einzige solche Pressemeldung richtig weh, die werden´s dann schon richten. Das ist für mich der Ansatz "der Zweck heiligt die Mittel", und damit ethisch auch nicht astrein und schon gar nicht fair, auch wenn V.P. auf anderen Fronten zurecht gegen Gänsestopfen kämpft.

    Was wird passieren? Ich glaube, North-Face und andere eher verantwortungsbewusste Hersteller werden versuchen auch dieses Thema voranzubringen. Unfair finde ich in diesem Szenario, dass Utopia als neutrale (???) Plattform hier einen reisserisch-diffamierenden Untertitel einstellt, ohne auch nur ansatzweise auf die eigentlichen Verantwortlichen hinzuweisen. Beim Schnelllesen sieht es so aus, als würden die Gänse WEGEN der Daune gestopft...

    Ich glaube kaum, dass irgendein Markenhersteller (geschweige denn die No-Names) in der Daunenbeschaffung bisher tiefer einblicken als bis zum Schlachthof. Da wird es wahrscheinlich schwer, zwischen Daune aus Stopfleber- und artgerechter Produktion zu unterscheiden. Somit müsste man wohl fast jeden Daunenverwender als rabenschwarz bezeichnen. Oder ist es tatsächlich vielleicht nur ein Grauschleier auf der weissen Weste?

    Ob die Kampagne in Richtung Daunenjackenhersteller am Ende zielführend sein wird, wage ich sehr zu bezweifeln: Wahrscheinlich werden die Schlachthöfe die Daunen der Stopflebergänse nachvollziehbar wegwerfen (oder anderswohin verkaufen). Die Marken wie North Face werden ein "Lebendrupf- und stopfleberfrei"-Zertifikat von einer unabhängigen Organisation bekommen. Die zertifizierte Daune wird teurer für den Endverbraucher, der sich mit dem Ablasshandel ein bisschen besser fühlen darf. Vier Pfoten feiert einen heldenhaften PR-Erfolg. Die Feinschmecker futtern weiter ihre Gänseleberpastete (auch ein kleines bisschen teurer, aber egal...). Alle haben was verdient, viele fühlen sich besser. Nur die Gänse werden weiter brutal gestopft, solange Foie Gras nicht europaweit verboten ist. Das ist Tierschutz, wie ich ihn liebe.... Mahlzeit!
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    schrieb am 06.03.2012 um 13:01
    Die Daune ist keineswegs „nur“ ein Abfallprodukt, vielmehr ist ihre „Gewinnung“ eng mit dem Zweig der Fleischproduktion (sei es nun Fleisch oder Stopfleber) verbunden (ebenso wie die Industriezweige „Fleisch“ und „Leder“ nicht voneinander trennbar sind und viele der größten Produzenten ihre eigenen Ledergerbereien betreiben). Ca. 80% aller Daunen stammen von Qualfarmen, wo die gehaltenen Gänse während der Aufzucht bis zu 4x (lebend) gerupft werden. Die größten Daunenproduzenten sind Ungarn, Polen, Frankreich sowie China, wo es undurchsichtige Haltevorschriften oder gar überhaupt kein Tierschutzgesetz gibt. Von daher zielt die Kampagne sicher nicht in die falsche Richtung.
    Und dass (Marken-)Hersteller nicht wissen, woher die verwendeten Daunen stammen, ist mehr als skandalös und hat nichts mit ethisch-korrektem Unternehmertum zu tun, mit dem sich mittlerweile auch viele Outdoor-Kleidungs-Hersteller schmücken. Ein Hersteller sollte doch über die gesamte Lieferkette seiner Produkt(e) (-Bestandteile) Bescheid wissen.
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    schrieb am 06.03.2012 um 23:31
    Gita, je nachdem welche Zahlen man nimmt (4P oder Patagonia/North Face) machen die Daunen ab Schlachthof zwischen 5 und 15 Prozent des Verkaufserlöses aus. Ungegerbte Haut hat "ab Schlachthof" einen verschwindenden wirtschaftlichen Wert. Beides ist wirtschaftlich gesehen damit höchstens ein Nebenprodukt, und ist damit nie und nimmer Motor des Geschehens. Es steht und fällt mit der Fleisch(/Milch)produktion. Neben Lebendrupf gibt es dann auch noch zwei Mal im Jahr den gan(s)z natürliche Vorgang der Mauser... und keine Möglichkeit zwischen diesen Daunen zu unterscheiden.

    Worum es mir geht: Bei aller berechtigter Empörung BITTE die Kirche im Dorf lassen, und mit fairer Verhältnismässigkeit kommunizieren statt maximal zu skandalisieren. Mit anderen Worten: Ethisch korrektes Kampagnenverhalten. Nur wer eine ethisch korrekte (angemessen, faire) Kampagne betreibt erhält sich damit die Legitimität seines Tuns und seiner Absicht. Wer dieses Mass nicht kennt, oder selbstgerecht (um)definiert, sollte besser den Mund halten.

    Hersteller von Waren in unserer globalen Wirtschaft überblicken selten mehr als zwei, höchsten drei Stufen der Lieferkette. Viele kleine Modefirmen kaufen Bekleidung bei Agenten in Fernost, und haben NULL Transparenz. Beim heutigen Grad von Arbeitsteilung ist das (leider) die Normalität, besonders in unseren Geiz-ist-geil Märkten. Das liegt auch daran, dass durch die gestiegene Arbeitsteilung in den Lieferketten die einzelne Markenhersteller oft nur noch verschwindenden Umsatzanteil beim einzelnen Vor-vor-vorlieferanten hat.

    Natürlich bieten sich da allerhand Ansatzpunkte, Undurchsichtigkeiten zu skandalisieren. Aber Vorsicht: Nachhaltigkeit entsteht nicht mit dem ausgestreckten Zeigefinger, sondern mit hochgekrempelten Ärmeln. Und wir müssen alle zusammen da anpacken, wo es am dringendsten ist. Nicht bei hochstilisierten Nischenthemen. Das kostet unnötig Kraft und Aufmerksamkeit. Beides sind überaus begrenzte Ressourcen.

    In unserer globalisierten Wirklichkeit ist in meiner Sicht ethisch korrektes Unternehmentum schon darin zu sehen, die Transparenz schrittweise und konsequent zu verbessern und sinnvolle Massnahmen aus dem Gelernten abzuleiten. Die Patagonia Footprint-Chronicles sind da wirklich wegweisend. Und es ist auch verständlich, dass die Hersteller da erstmal mit ihren gewichtigsten Lieferketten und den schwerwiegendsten Problemen anfangen. Schau mal in die Kataloge von North Face oder Patagonia. Der Gewichtsanteil von Daune liegt wahrscheinlich bei unter 0,01%... und sie haben (siehe ihre Stellungnahmen) sogar trotzdem wesentliches gegen Lebendrupf getan. Wenn 4P jetzt dann plötzlich die Stopfgans zum Skandal der Outdoorbekleidung erklärt, halte ich dass für unfair, übertrieben und in Sachen Nachhaltigkeits für irreführend.
  • gelöscht am 16.08.2012 um 23:12 von Pfotentier
    Dieser Kommentar wurde gelöscht..
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