Fashionweek Berlin 2010

Mode: Tendenz zu grünem Luxus


Von Romy Uebel

Die Euphorie der Sommerveranstaltung wollte sich nicht so recht einstellen, wahrscheinlich lag es daran, dass die über 200.000 Fashionweek Gäste aus aller Welt zwischen Messen, Modenschauen, Showroom-Terminen und Präsentationen in der Berliner Eiseskälte schlottern mussten. Selbst wer sich ausschließlich für grüne Mode interessierte, kam nicht umhin, kreuz und quer durch die Stadt und damit den eisigen Wind zu hetzen.

Im Zentrum des grünen Interesses stand die zweite Edition der Messe Thekey.to, die nach ihrem Debüt im Juli 2009 in die Heeresbäckerei nach Kreuzberg umgezogen war. Eine deutliche Aufwertung: der beeindruckende, historische Ort am Ufer der Spree liegt nicht nur zentraler, er nahm der Veranstaltung auch den Hauch des Selbstgebastelten, der ihr im alten, improvisiert wirkenden Standort im entlegenen Stadtteil Neukölln noch anhaftete.

Über 50 internationale Labels zeigten in liebevoll gestaltetem Ambiente ein buntes Portfolio aus Bekleidung, Accessoires, Schuhen und Kosmetik. Schirmherrin Renate Künast betonte, dass nachhaltige Kleidung in den vergangenen Jahren auch im Design große Fortschritte gemacht habe. Dass man, wie sie bemerkte, nun auch stilistisch auf Augenhöhe mit der konventionellen Mode agiere, würden die meisten anwesenden Modeexperten zwar nicht pauschal unterschreiben. Aussteller wie Komodo, Knowledge Cotton Apparel oder Slowmo allerdings zeigten stimmige Kollektionen, die denen konventioneller Mitbewerber durchaus standhalten können. „Es geht uns darum, einen Anfang zu machen“, erklärte Mitinitiator Frans Prins. „Mit dem Motto Thekey.to Shift fordern wir zu Veränderungen auf. Die ‚üblichen’ Geschäftspraktiken in der Mode haben keine Zukunft. Wir werden uns verändern, hin zu einer grünen Wirtschaft. Was wir heute hier entwickeln, werden die Richtlinien von morgen sein.“

Bildergalerie

Fashionweek: Nachhaltiger Luxus

Eine Innovation der etwas anderen Art präsentierte Nanai (siehe Bildergalerie) im Rahmen eines Symposiums der Modemesse Premium. Das süddeutsche Unternehmen entwickelte ein Verfahren, Lachshaut, bisher ein Nebenprodukt der Lachsverarbeitung, auf höchstem Niveau zu veredeln und auf ökologischer Basis, chromfrei zu gerben und vegetabil zu färben. Inspiriert ist das Herstellungsverfahren von der Tradition des indogenen Volks der Nanai, das bereits vor Jahrhunderten Fischhaut zu Kleidung und Schmuck verarbeitete. Mit dem sicherlich streitbaren, neuen Produkt richtet sich die Marke gezielt an die Luxusgüterindustrie. Eine Handtasche aus Vollleder schlägt mit etwa 2.000 Euro zu Buche, Designer wie Mongrels in Common oder Ludwig Reiter sowie der Mode-Zampano Michael Michalsky benutzen das Material bereits für ihre hochpreisigen Kollektionen. In Zukunft soll das exotische Leder vor allem bei der Einrichtung von Yachten, Privatjets, Autos und Nobelhotels eine Rolle spielen.

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