Kein Licht im Dunkel - das neue EU-Bio-Siegel
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besser: wissen - machen - kaufen
Von Tanja Busse
Neulich kamen Freunde zum Essen und brachten eine Feigen-Senf-Sauce mit. Lecker, dachte ich, und studierte die Zutatenliste: 51 Prozent kandierte Feigen (mit Zucker und gleich vier Zusatzstoffen), Zucker, Wasser, Glucosesirup, Aroma, Senfaroma und Schwefeldioxid. Auf dem kleinen Gläschen liegen zwei frische Feigen, drin sind aber nur kandierte Früchte, das kennen wir schon. Aber wo ist der Senf aus der Feigen-Senf-Sauce? Ich maile an die zuständige Lebensmittelbehörde, die die Firma Lacroix überwachen soll, und frage nach: Warum darf die Sauce Feigen-Senf-Sauce heißen, wenn gar kein Senf in der Sauce ist?
Sieben (!) Monate später bekomme ich Antwort: Das Landeslabor Schleswig-Holstein hat die Sauce untersucht und stellt fest: Keine Verbrauchertäuschung. „Der Beschwerdegrund wurde nicht nachvollzogen. Nach Auffassung der Sachverständigen ist die Verwendung von Senfsaat nicht zwingend. Auch die Verwendung von Senföl, wobei hier das ätherische Öl der Senfsaat zu verstehen ist, kann dem Produkt eine gewisse Schärfe verleihen. Dieses Senföl stellt einen entscheidenden Anteil der Senfsaat dar.“ Soweit kann ich folgen, doch jetzt kommt die Überraschung: „Es wird davon ausgegangen, dass bei diesem Erzeugnis das verwendete Senföl als Senfaroma bezeichnet worden ist.“
Übersetzt bedeutet das also: Das Labor geht einfach mal davon aus, dass mit den Zutaten alles richtig ist - auch wenn es falsch drauf steht. Ist ja auch völlig plausibel. So, als würde ich teure, frische Erdbeeren in den Joghurt rühren und „mit Erdbeeraroma“ aufs Etikett schreiben. Oder Bourbonvanille verwenden und „mit Vanillegeschmack“ schreiben.
Tatsächlich ist so etwas verboten: Lebensmittel dürfen nicht unter irreführender Bezeichnung, Angabe oder Aufmachung gewerbsmäßig in den Verkehr gebracht werden, so steht es im elften Paragraf des Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuches. Aber dieses klare und jedermann verständliche Verbot gehört offenbar zu den merkwürdigen Gesetzen, die nicht eingehalten werden müssen.
Der Klassiker: Auf der Milchtüte grasen Kühe auf der Weide, in der Milchtüte ist Milch von Stallkühen. Das Bild ist eine offensichtliche Lüge – die kein Gericht bestraft. Und doch lohnt es sich, wenn Konsumenten sich wehren! Das habe ich bei der Recherche für mein neues Buch „Ernährungsdiktatur. Warum wir nicht länger essen dürfen, was uns die Industrie auftischt“ gemerkt, und die Erfahrung hat mich sehr ermutigt! Ich bin dabei auf einen roten Glibber gestoßen, der als „Rote Grütze“ verkauft wurde. Ich habe mich bei der zuständigen Lebensmittelbehörde beschwert, zunächst erfolglos, und dann weiter nachgehakt - und schließlich musste der Hersteller, der Milchkonzern Campina, das Etikett ändern.
Lassen Sie sich nicht länger anlügen! Beschweren Sie sich, wenn Sie Etiketten finden, die mehr versprechen, als sie halten! Ich maile jetzt gleich das Landeslabor Schleswig-Holstein an und hake nochmals nach – vielleicht muss ich dieses Mal weniger als sieben Monate warten.
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Tanja Busse: Die Ernährungsdiktatur. Warum wir nicht länger essen dürfen, was uns die Industrie auftischt, Blessing Verlag 2010. Beim lokalen Buchhändler über ISBN 978-3-89667-420-3 bestellen.
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Kommentare (11)
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Nicole___
schrieb am 09.08.2010 um 02:25 ¶87west
schrieb am 27.05.2010 um 08:41 ¶Kommentar schreiben
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