Als hätte ich es geahnt: Bei meiner Recherche über Dioxin in Bio-Eiern dachte ich noch, wie das wieder die Bio-Hasser freuen wird! Dabei gab es gar keinen Grund: Denn kurz nachdem bekannt geworden war, dass mehrere Biohöfe Dioxin-verseuchtes Futter bekommen hatten, berichtete die „Taz“, dass das giftige Futter auch an andere Betriebe geliefert worden war, an Nicht-Bio-Betriebe – und dass das niedersächsische Agrarministerium diese Information aber zurückgehalten habe. Von wegen Bio-Skandal. Doch die Schlagzeilen waren geschrieben, gelesen und geglaubt, als das herauskam.
Wenige Tage später schlugen die Bio-Hasser wieder zu: Die Stiftung Warentest veröffentlichte einen Vergleich zwischen Bio-Lebensmitteln und herkömmlichen und kam zu dem Schluss, Bio-Lebensmittel seien „nicht automatisch gesünder oder schmackhafter als konventionelle“. Immerhin erwähnten die Warentester die entscheidenden Vorteile: “Pestizide kommen selten vor. Außerdem engagieren sich die Bioanbieter wesentlich stärker für Umwelt und Soziales als Hersteller herkömmlicher Produkte.“
Aber was macht die „Deutsche Presseagentur“ (dpa) daraus? „Warentest: Bioprodukte nicht grundsätzlich besser“. Mit dieser Überschrift versehen schickte dpa den Artikel darüber in die Redaktionen dieses Landes. Und die machten daraus Schlagzeilen wie „Tester sehen Bio gleichauf mit üblichen Lebensmitteln“ titelte Spiegel Online und schreibt: „Insgesamt liegen die konventionell erzeugten Lebensmittel knapp vor der Biobranche“. Ganz am Ende des Artikels tauchen erst die Vorteile auf, als seien die unwichtiger Kram: Bio-Essen enthalte wesentlich weniger Pestizide.
Also, was ist die Nachricht?
Den Warentestern hat Bio nicht besser geschmeckt und gesünder finden sie´s auch nicht. Das mag nicht verwunderlich sein. Schließlich haben Geschmacksforscher herausgefunden, dass Kinder, die von klein an Essen mit Aroma gefüttert bekommen, später lieber Erdbeergeschmack aus verschimmelten Sägespänen mögen als echte Erdbeeren. Und die Pestizidfreiheit halten die Warentester offenbar nicht für so wichtig: Bio ist nicht gesünder - nur ein paar Pestizide sind weniger drin, schreiben sie. Aber dafür lohnt es sich wohl nicht, mehr Geld auszugeben. Ein bisschen Gift hat noch keinem geschadet...


Kommentare (70)
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Naja von einer Gesellschaft die so unverantwortlich mit Medikamenten umgeht wie diese in der wir momentan feststecken kann man diesen wünschenswerten Umgang mit Lebensmitteln nicht erwarten.
Was mich jedoch bedrückt ist, dass anscheinend einige Interessengruppen bis in die Ränge der Politik daran Arbeiten uns in der Hinsicht fehlt zu informieren und in die falsche Richtung lenken.
Wer ist dafür verantwortlich und wie kann man dem entgegentreten? mehr weniger
Ich glaube, der aktuellen Berichterstattung großer Magazine ist es wichtig, aufrührerische Überschriften zu bringen - schließlich muß die Auflage verkauft werden. Da gilt es schon lange nicht mehr zu schauen, ob ich mich mit dem Inhalt identifizieren kann oder nicht und schon mal gar nicht, zu überprüfen und recherchieren, ob diese Inhalte überhaupt stimmen.
Und dass sch "nebenbei" das Thema Bio von der falschen Seite her anheizt, ist dann auch egal...
Wichtig sind Quoten.
Dabei wäre die Schlagzeile „Studie zeigt: Chemie im Essen ist überflüssig.“
ein Aufhänger in die richtige Richtung. Mensch würde schnell klar, dass es diese Mittel nicht braucht, um eine gesunde EssensVielfalt herzustellen... mehr weniger
Ich glaube, der aktuellen Berichterstattung großer Magazine ist es wichtig, aufrührerische Überschriften zu bringen - schließlich muß die Auflage verkauft werden. Da gilt es schon lange nicht mehr zu schauen, ob ich mich mit dem Inhalt identifizieren kann oder nicht und schon mal gar nicht, zu überprüfen und recherchieren, ob diese Inhalte überhaupt stimmen.
Und dass sch "nebenbei" das Thema Bio von der falschen Seite her anheizt, ist dann auch egal...
Wichtig sind Quoten.
Dabei wäre die Schlagzeile „Studie zeigt: Chemie im Essen ist überflüssig.“
ein Aufhänger in die richtige Richtung. Mensch würde schnell klar, dass es diese Mittel nicht braucht, um eine gesunde EssensVielfalt herzustellen... mehr weniger