Tanja Busse "Gegen die Ernährungsdiktatur"

Bio-Hass hat Hochkonjunktur


Als hätte ich es geahnt: Bei meiner Recherche über Dioxin in Bio-Eiern dachte ich noch, wie das wieder die Bio-Hasser freuen wird! Dabei gab es gar keinen Grund: Denn kurz nachdem bekannt geworden war, dass mehrere Biohöfe Dioxin-verseuchtes Futter bekommen hatten, berichtete die „Taz“, dass das giftige Futter auch an andere Betriebe geliefert worden war, an Nicht-Bio-Betriebe  – und dass das niedersächsische Agrarministerium diese Information aber zurückgehalten habe. Von wegen Bio-Skandal. Doch die Schlagzeilen waren geschrieben, gelesen und geglaubt, als das herauskam.

Bildergalerie

30 Einkaufstipps für Besseresser

Wenige Tage später schlugen die Bio-Hasser wieder zu: Die Stiftung Warentest veröffentlichte einen Vergleich zwischen Bio-Lebensmitteln und herkömmlichen und kam zu dem Schluss, Bio-Lebensmittel seien „nicht automatisch gesünder oder schmackhafter als konventionelle“. Immerhin erwähnten die Warentester die entscheidenden Vorteile: “Pestizide kommen selten vor. Außerdem engagieren sich die Bioanbieter wesentlich stärker für Umwelt und Soziales als Hersteller herkömmlicher Produkte.“

Aber was macht die „Deutsche Presseagentur“ (dpa) daraus? „Warentest: Bioprodukte nicht grundsätzlich besser“. Mit dieser Überschrift versehen schickte dpa den Artikel darüber in die Redaktionen dieses Landes. Und die machten daraus Schlagzeilen wie „Tester sehen Bio gleichauf mit üblichen Lebensmitteln“ titelte Spiegel Online und schreibt: „Insgesamt liegen die konventionell erzeugten Lebensmittel knapp vor der Biobranche“. Ganz am Ende des Artikels tauchen erst die Vorteile auf, als seien die unwichtiger Kram: Bio-Essen enthalte wesentlich weniger Pestizide.

Also, was ist die Nachricht?

Den Warentestern hat Bio nicht besser geschmeckt und gesünder finden sie´s auch nicht. Das mag nicht verwunderlich sein. Schließlich haben Geschmacksforscher herausgefunden, dass Kinder, die von klein an Essen mit Aroma gefüttert bekommen, später lieber Erdbeergeschmack aus verschimmelten Sägespänen mögen als echte Erdbeeren. Und die Pestizidfreiheit halten die Warentester offenbar nicht für so wichtig: Bio ist nicht gesünder - nur ein paar Pestizide sind weniger drin, schreiben sie. Aber dafür lohnt es sich wohl nicht, mehr Geld auszugeben. Ein bisschen Gift hat noch keinem geschadet...

Seite 1 / 2
von


Kommentare (70)   abonnieren

alle Kommentare (70)
  • Bedenklichen Inhalt melden
    Jan-Bo
    schrieb am 17.02.2012 um 17:18
    Lebensmittel aus ökologischem Anbau sind nicht per se Gesünder als aus konventionellem!Allerdings sind diese(aus konventionellem Anbau) wesentlich "Giftiger", aber da das Dogma, welches durch einen falsch bzw. unzureichend zitierten Arzt "Allein die Dosis macht das Gift" suggeriert, dass geringe...
  • Bedenklichen Inhalt melden
    StefanieNorden
    schrieb am 24.08.2011 um 01:02
    Großartiger Artikel, es werden noch viel mehr dieser Art benötigt. Ich bleibe auf jeden Fall als Leserin erhalten :)
alle Kommentare (70)

Kommentar schreiben

Lob, Kritik, Ergänzungen? Teilen Sie Ihre Meinung mit der Utopia-Community. Seien Sie dabei bitte konstruktiv und hilfreich.
(5000/5000)

Mehr zu Kommentare einer Konsumstrategin