Tanja Busse "Gegen die Ernährungsdiktatur"

Bio-Bashing ist Trend


„Dioxin in Bio-Eiern! Da sieht man´s mal wieder!“ So, stelle ich mir vor, haben die Bio-Hasser gefeixt, als Anfang Mai bekannt wurde, dass 2500 Tonnen dioxin-haltiger Bio-Mais aus der Ukraine in Hühnerfutter gelandet waren und ein Dutzend Betriebe gesperrt wurden. „Hab ich doch schon immer gesagt: Bio ist nicht besser!“

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Bio-Bashing ist gerade in Mode, und da kommt so ein Fund gerade recht. Wie im Janur 2005, zu der Zeit, als Renate Künast die Käfighaltung verbieten wollte und die umstrittenen Kleinvolieren gleich mit. Da warnte die „Bild am Sonntag“ nach einer Dioxin-Messung genüsslich vor der Giftgefahr in Freilandeiern. Und der Leser bekam den Eindruck, als liefen alle Biohühner dieses Landes auf dioxinverseuchter Erde. „Kampagnenopfer Öko-Ei“, schrieb das Greenpeace-Magazin damals.

Natürlich muss darüber berichtet werden! Und natürlich müssen sich die betroffenen Betriebe fragen, wie sie künftig solche Gifte im Futter verhindern können. „Wir haben aus dem Nitrofen-Fund im Getreide im Sommer 2002 gelernt“, erzählt Helgo Schmidt, der in Bonn einen Öko-Hof hat, der kein Dioxin-Futter bekommen hat. „Wir haben damals unseren Futtermittellieferanten quasi gezwungen, das Bioland-Futter in einer eigenen Mühle zu verarbeiten. Das hat sich jetzt ausgezahlt.“

Doch wenn die Medien über die Dioxin-Eier schreiben, darf nicht der Eindruck entstehen, als sei das ein spezifisches Bio-Problem. Der Fachjournalist Leo Frühschütz hat auf „Biohandel-Online“ daran erinnert: Im EU-Schnellwarnsystem für Futtermittel sind seit Anfang des Jahres vier Warnmeldungen wegen Dioxinrückständen erschienen – jedoch in konventionellem Futter.

Dioxine können bei großer Hitze entstehen, bei der Herstellung von Pestiziden zum Beispiel, aber auch wenn Holz verbrennt. Der Bauckhof in Niedersachsen schrieb an seine Kunden: „Kinder, die mit Gitarre am Lagerfeuer sitzen, den Qualm einatmen und Stockbrot essen, leben deutlich gefährlicher.“ Die Hühner auf dem Bauckhof leben vorbildlich in mobilen Ställen, die von Wiese zu Wiese gefahren werden. Das meiste Futter kommt vom Hof selbst, der Rest von bekannten Demeter-Betrieben. Dioxin im Futter schließen die Hühnerhalter trotzdem nicht aus: Falls ein Huhn an einem Strohhalm pickt, der dort gewachsen ist, wo frühere Generationen ein Lagerfeuer gehalten haben.

Was können wir Konsumenten daraus lernen? Dioxin bleibt ein Risiko, Bio-Futtermittel müssen noch besser überwacht werden, Lieferungen von bekannten Betrieben sind überschaubarer als Importe aus dem Ausland – aber die ganze Geschichte darf nicht von den größeren Missständen ablenken: Nämlich erstens von den industriellen Prozessen, bei denen Dioxine in großen Mengen entstehen.

Und zweitens von den skandalösen Umständen in der konventionellen Tierhaltung. Dort werden nämlich trotz Käfigverbot noch immer Legehennen in viel zu kleinen Käfigen gehalten, die natürlich nicht Käfig, sondern Kleinvoliere genannt werden. Und den geschundenen Masthähnchen in Bodenhaltung geht es nicht viel besser.

Ernährungsdiktatur - BusseErnährungsdiktatur - BusseTanja Busse: Die Ernährungsdiktatur. Warum wir nicht länger essen dürfen, was uns die Industrie auftischt, Blessing Verlag 2010. Beim lokalen Buchhändler über ISBN 978-3-89667-420-3 bestellen.

 

 

 

 

 

 

 

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Foto: photocase.com/ beene

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    C. Stoldt
    schrieb am 29.05.2010 um 15:31
    Moin! Soweit, so gut ist der Artikel ja zutreffend... - nur in einem m. E. ungenau, bzw. wird ein Irrtum ( Bauckhof ) transportiert. Meines Wissens entstehen Dioxine ( u. meist gleichzeitig: Furane ) nur in Verbindung bei Verbrennung von Kunststoff-, Spritzmittel- o. Holzschutzmittelhaltigen...
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    Mario_Sedlak
    schrieb am 29.05.2010 um 13:38
    Ich bin weder für kaputtschreiben noch für schönschreiben. Die Wahrheit ist auf Dauer am glaubwürdigsten.
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