Wurde nicht versucht, das Green Goal-Programm auf ganz Südafrika auszuweiten?
W.B.: Doch, wir haben versucht das Projekt auf andere Gastgeberstädte Südafrikas zu übertragen. Das wurde aber auf nationaler Ebene und vom WM-Organisationskomitee nicht in der Form aufgegriffen, wie wir das für sinnvoll und notwendig hielten. Eine Ausweitung von nachhaltigen Projekten hat lediglich in Durban stattgefunden. In den anderen beiden großen Städten, Pretoria und Johannesburg, wurde ein wenig Greening betrieben, es wurden eine Menge Bäume gepflanzt. Von bewusstseinsschaffenden Maßnahmen und Projekten in Sachen Nachhaltigkeit, kann leider nicht die Rede sein. Zurückgeblieben sind die kleineren Gastgeberstädte, weil es hier an Kapazitäten fehlt.
Wächst das Bewusstsein aus freien Stücken oder sieht sich ihrer Meinung nach Südafrika erst seit der globalen Wahrnehmung der WM von der westlichen Welt zu mehr Klimaschutzaktivitäten genötigt?
W.B.: Ich denke nicht, dass sich Südafrika durch den Westen genötigt sieht. Die großen Klimakonferenzen sind ja nicht an Afrika und Südafrika vorbeigegangen. Es ist allgemein bekannt, dass Afrikas Küsten am meisten von den Folgen einer globalen Erderwärmung betroffen wären, insbesondere der Südzipfel – Südafrika. Der Staatskonzern Eskom hat es aber in den letzten zehn Jahren versäumt, wichtige Investitionen im Bereich der Energieversorgung durchzuführen. Die Folge sind Stromausfälle und Energiepreiserhöhungen. Gerade jetzt, in der kalten Winterzeit in Südafrika, ist das ein Schock für die Leute. Mit diesem aber drängt sich das Thema erneuerbare Energien geradezu auf. Das Interesse für den Klimawandel ist also in gewissem Maße zwangsweise da. Demgegenüber steht natürlich die Armut der Mehrheit der südafrikanischen Bevölkerung. Klimaschutz können sich in Südafrika die meisten Leute bisher nicht leisten. Hier wären internationale Hilfe oder nationale Förderprogramme gefragt.
Was sagen Sie zum westlichen Blick auf die Vuvuzelas? Hierzulande reagieren die meisten Fernsehzuschauer genervt, es wird von der Tröten-WM gesprochen. Die Fifa hatte ja bereits im Vorfeld der WM darüber debattiert, ob sie die südafrikanischen Gastgeber den Fußball so feiern lassen soll, wie es dort üblich ist und sich dafür entschieden.
W.B.: Ich denke, wir sollten von unserem hohen Ross runterkommen. Das sind afrikanische Spiele, warum akzeptieren wir das nicht? Wenn man hier die Menschen, mit all ihren bunten Bekleidungen, mit ihren Farben, mit ihrer Freude, in den Stadien und Fanparks erlebt und den Enthusiasmus spürt, mit denen sie in ihre Vuvuzelas blasen, wird man fast neidisch. Die Vuvuzela und ihre Geräuschkulisse gehören hier in Afrika einfach zum Fußball dazu.
Ich finde das entsetzlich, dass weltweit so klein kariert reagiert wird, Das ist eine sehr europäische – oder lassen Sie mich sagen – Nordhalbkugel–Denkweise. Wir sollten inzwischen ein Stück weiter sein.
Haben Sie eine Vuvuzela?
W.B.: Aber selbstverständlich, nicht nur eine. Anfänglich waren es die modernen aus Plastik. Inzwischen habe ich sehr originelle, handgemachte Vuvuzelas, die traditionell aus Seetang hergestellt und in wunderschönen Farben und Formen verziert werden.
Foto: Konrad Adenauer Stiftung
Der "Green Gol Action Plan" als .pdf
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