Eine globale Initiative zur Änderung der Farbe von Dächern, Straßen und Pflaster, erklärte der Physik-Nobelpreisträger Chu in seinem Vortrag, könnte eine wichtige Rolle beim Kampf gegen die globale Erwärmung spielen. Die Reflektion von Sonnenlicht durch helle Oberflächen würde immense Energieeinspareffekte erbringen. So könnte etwa auf Kühlenergie, zum Beispiel für Klimaanlagen, stärker verzichtet werden. Entsprechende Bauvorschriften müssten vorsehen, dass Flachdächer Weiß und sichtbare, geneigte Dächer zumindest in hellen Farben gehalten sein sollten, um irritierende Blendeffekte zu vermieden. Das Gleiche gelte für Straßenbelag.
Chus These stützt sich auf die Arbeit des Physikers Art Rosenfeld, der am Lawrence Berkeley Nationallabor in Kalifornien an der Energieeffizienz von Gebäuden forscht. Rosenfeld war die treibende Kraft hinter der Verschärfung der kalifornischen Bauvorschriften, die seit 2005 vorsehen, dass Flachdächer auf Geschäftsgebäuden weiß sein müssen. Gemeinsam mit zwei Kollegen hatte er berechnet, dass das Aufhellen der Oberflächen in den 100 größten Städten der Welt ein CO2-Äquivalent von rund 44 Milliarden Tonnen einsparen würde.
Mit mutigen Ideen wie dieser ist Chu nicht allein. Gigantische, bisweilen absurd anmutende "Geo-Engineering"-Projekte zur Minderung des Klimawandels, sind wieder stärker in den Mittelpunkt gerückt, seitdem dessen mögliche Folgen klarer umrissen sind. "Große Licht absorbierende Flächen hell anzustreichen könnte eine Möglichkeit sein, den Treibhauseffekt zu mindern", bestätigte auch der Chemiker Michael Braungart gegenüber Utopia, der sich dabei allerdings auf Flächen außerhalb der Städte bezog.
"Sie mögen darüber schmunzeln", so Chu in der britischen "Times", "aber Rosenfeld hat es ausgerechnet: Wenn Sie alle Gebäudedächer Weiß streichen, alle Straßen in Betontönen statt in Schwarz halten und zwar einheitlich, ergäbe das CO2-Emissionseinsparungen, die der Stilllegung sämtlicher Autos der Welt für rund elf Jahre entsprächen."
Foto: Photocase | an.ma.nie




















Kommentare (6)
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dan-yell
verbesserlicher Weltverbesserer
dan-yell
schrieb am 30.05.2009 um 21:10Wir sollten zunächst aufhören, immer mehr Straßen zu bauen, auf denen immer mehr Auto fahren, bevor wir über die Betonsanierung der alten nachdenken.
A propos: Wenn meine Hoffnungen in Sachen bevorstehender Ölkrisen zutreffen, dann wird das mit den sechs Jahren "Autos stillegen" einfacher als nur einen Bruchteil unserer Straßen aufzuhellen.
Außerdem befürchte ich, dass so etwas von der schwer fassbaren Komplexität der Aufgabe, die von uns steht, ablenkt. Ich höre die Leute schon sagen: "Wärmedämmung? Ökostrom? Auf Flüge verzichten? Was denn noch, wir haben doch schon das Dach in lichtgrau gedeckt!"
Gut gemeinter Tipp, aber von einem Nobelpreisträger erwarte ich viel umfassendere Weltrettungskonzepte.
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