Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.
Projekt Zukunft - Starbucks

Kaffee mit Fairwöhn-Aroma


Von Horst Hamm

Wir haben schon immer an eine bessere Tasse Kaffee geglaubt. Wir haben uns verpflichtet, nachhaltig angebauten Kaffee höchster Qualität einzukaufen und anzubieten. Auf diese Weise wirken wir bei der Gestaltung einer besseren Zukunft für die Farmer und eines stabileren Klimas für unseren Planeten mit.“

So steht es in einem Flyer, der derzeit in allen Starbucks-Filialen in Deutschland ausliegt, und in dem jeder nachlesen kann, welche Politik die Kaffeehauskette verfolgt. Um dieser Vision näher zu kommen, startet Starbucks ein großes Projekt: Europaweit sind bestimmte Kaffeesorten, die in den Starbucks-Shops angeboten werden, mit dem Fairtrade-Siegel ausgezeichnet: Capuccino, Caffè Latte und alle Espresso-Spezialitäten.

Seit 2002 gibt es Vereinbarungen mit Fairtrade-Organisationen, und seither steigt in den Starbucks-Shops die Bohnenmenge mit diesem Siegel kontinuierlich an: 2004 lag sie bei anderthalb, 2005 bei vier Prozent und 2007 bei sechs Prozent – oder neun Millionen Kilogramm. „Mit der neuen Initiative verdoppeln wir den Anteil nochmals auf insgesamt 18 Millionen Kilogramm“, betont Hans van Bochove, der bei Starbucks als CSR-Chef für Europa, Afrika und den Mittleren Osten zuständig ist. „Damit wird über 20 Prozent des weltweit zertifizierten Fairtrade-Kaffees inzwischen von uns verkauft.“

CSR steht für die Verantwortung von Unternehmen für Mensch und Umwelt. In diesem Sinne garantieren Fairtrade-Vereinbarungen den Bauern feste Preise und Abnahmemengen, sodass sie es sich leisten können, ihre Kinder zur Schule zu schicken und medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn es erforderlich ist. Darüber hinaus erhalten die Kooperativen – nicht die Bauern – pro englischem Pfund Kaffee (= 453 Gramm) 10 US-Cent als Fairtraide-Bonus für soziale Leistungen. 

Um das Engagement des Konzerns richtig einordnen zu können, muss man sich seine Größe vorstellen: Starbucks hat im Jahr 2008 insgesamt 175 Millionen Kilo Rohkaffee gekauft, das sind fast zweieinhalb Prozent der weltweiten Kaffee-Ernte. Damit ist Starbucks der größte Kaffeekonzern überhaupt. Mit der neuen Regelung ist demnach ungefähr jede zehnte Tasse Kaffee bei Starbucks mit Fairtrade-Bohnen gebrüht. „Wir würden gerne mehr abnehmen“, versichert Hans van Bochove, „aber wir bekommen nicht die Bohnen, die wir haben wollen.“ Starbucks kauft ausschließlich die im Vergleich zur Robusta-Sorte teurere Arabica-Bohne ein und achtet dabei auf höchste Qualität. 

Um sowohl „die bessere Tasse Kaffee“ als auch Bauern ein gesichertes Einkommen zu garantieren, hat Starbucks bereits 1998 damit begonnen, eigene Richtlinien zu entwickeln – die so genannten C.A.F.E.-Practices. Und das bevor der Konzern mit Fairtrade-Organisationen Kontakt aufnahm. An dem 28 Punkte-Programm hat die US-amerikanische Umweltorganisation Conservation International mitgearbeitet. Es soll unter anderem Kinder- und Zwangsarbeit ausschließen, Arbeitnehmerrechte sichern und – vergleichbar Fairtrade – Mindestlöhne garantieren. Die Kaffeefarmer ihrerseits müssen ihre Bücher offenlegen. Sie bekommen allerdings zum fairen Preis nicht auch noch den Fairtrade-Bonus.

Dafür erhielten sie 2008 im Schnitt 1,49 US-Dollar für das Pfund Kaffee – deutlich mehr als sie auf dem Weltmarkt erhalten hätten, und auch deutlich über den Fairtrade-Mindestpreisen, die seinerzeit bei 1,21 Dollar lagen. Dabei geht Starbucks nur direkte Verträge mit Kooperativen ein, damit kein Geld bei Zwischenhändlern versickert. 185  000 Bauern nehmen bereits an dem Programm teil, sodass Starbucks 77 Prozent seines Kaffees auf diesem Wege bezieht. Zählt man die zertifizierten Fairtrade-Mengen hinzu, sind 87 Prozent der Bohnen nach „fairen“ Richtlinien erworben. Bis 2015 sollen es 100 Prozent sein, wobei der Konzern auch denen, die noch nicht nach den C.A.F.E.-Practices-Regeln arbeiten, die gleichen Preise bezahlt. Inzwischen heißt das Programm „Shared Planet“, was frei übersetzt „gemeinsame Welt“ bedeutet.


Kennzahlen Starbucks: 1971 als Kaffeehandlung in Seattle gegründet. 1992: Börsengang, 150 Kaffeehäuser. 1996: knapp 700 Filialen, die ersten außerhalb der USA. 2002: erste Filiale in Deutschland – in Berlin. 2010: Weltweit über 14 400 Kaffeehäuser in 44 Ländern mit jeder Woche 55 Mio. Gästen; in Deutschland: 120 Filialen. Starbucks-Anteil am weltweiten Kaffeehandel: 2,3 %. Jahresumsatz 2009: 9,7 Mrd $, Gewinn: 504 Mio. Durchschnittliche Vergütung an Kaffeebauern im Jahr 2008: 1,49 $/Pfund. Zum Vergleich: Vergütung am Weltmarkt: 1,36 $.

 

Seite 1 / 3
Stand: 19.02.2010 von

Kommentare (13)   abonnieren

  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 19.02.2010 um 14:15
    das ist ja schon mal ein begrüßenswerter Schritt,! Was aber ist mit den unzähligen Müllbergen, die das Unternehmen und seine Kunden durch den Kaffeegenuss verursachen? Cafe mit Plastikdeckelchen zum unterwegs schlürfen?
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 20.02.2010 um 12:25
    Fairtrade ist sehr wichtig, dazu erstmal Glückwunsch.
    Dennoch scheint das Thema "biologischer Anbau" kein Thema zu sein, obwohl auch dies in meinen Augen mit fairen Handelsbeziehungen zu tun hat - es ist bekannt, dass der Pestizideinsatz verheerende Folgen für die Landwirte und die Bevölkerung haben kann, und zwar gerade in ärmeren Ländern, in denen Arbeitsschutz häufig ein Fremdwort ist.
    Gerade ein Großabnehmer wie Starbucks kann da sicher durch entsprechende Produktanforderungen große Veränderungen anstoßen, denn wenn die Bauern einen sicheren Abnehmer haben, werden auch mehr von ihnen auf nachhaltige Anbauverfahren umsteigen.
    Also Starbucks: Glückwunsch zum Erreichten, aber jetzt bitte nicht stehenbleiben!
    Und über die ganzen Pappbecher mit Plastikdeckel sollte man vielleicht auch noch mal nachdenken!
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 20.02.2010 um 19:50
    Ich denke aucj richtig fair wird das Ganze dann, wenn der Kaffee auch noch kontrolliert biologisch angebaut wird. Denn was ist denn schon fair daran, dass viele Menschen bleibende Schäden von Pestiziden davontragen und Neugeborene durch chemische Düngemittel schon geschädigt zur Welt kommen? Aber es ist ein guter Anfang gemacht, hoffentlich ruht sich Starbucks jetzt nicht auf diesen Erfolgen aus.
    Bedauernswert finde ich allerdings auch, dass es Z.B auch bei uns in Leipzig die alten traditionsreichen Kaffees, die keinen To-Go anbieten, dem Riesen weichen müssen und somit auch ein kleines Stück Kulturgeschichte verloren geht. Denn ich bevorzuge nach wie vor diese Orte, an denen es ein bißchen wie bei Oma zu Hause ist. ;-)
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 21.02.2010 um 16:08
    Fair Trade im Kaffeeanbau hilft den kleinen Produzenten sicher weiter. Für unser klima wär allerdings die Frage nach den To go Verpackungen ebenso wichtig.
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 22.02.2010 um 00:13
    Jede 10te Tasse....da müssen wir uns fragen, ob es da besser wäre, diese Tasse mit Fair-Trade zu labeln, damit der Kunde bewußt auswählen kann, oder das nicht zu tun, damit insgesamt vll eine viel größere Menge fair Trade abgenommen wird (eben jede 10.Tasse +). Ich denke letztere Lösung ist die bessere, feste Abnahmemengen kaufen und langfristiger wirtschaften, gleichzeitig aber massiv dem Kunden klarmachen, was es damit auf sich hat. Werben für eine bessere Welt und trotzdem riesen Geschäfte machen.
    Ich selbst hab 2004 Starbucks immer wieder auf die Finger gehauen, bei jedem Besuch. Dieser "komische etwas faire Handel" war mir nicht geheuer. Diese Aktion von Starbucks, auch wenn die Motivation wohl in rein wettbewerbsrelevanten Aspekten zu finden ist, hat mich vom Gegenteil überzeugt.
    Also Leute, heute noch Tchibo ne mail schreiben, das Starbucks viel besser ist, weil die mehr als einen Espresso fair haben...der Kunde ist zwar kein König in Deutschland, aber mächtig!
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 22.02.2010 um 01:39
    Ich hab das Kaffee-Trinken sein gelassen, da ich der Ansicht war, dass alleine der ganze Transport zu uns und das Okkupieren der fruchtbaren Bodenflächen für den Export nicht in Ordnung wären, aber jetzt fang ich wieder an und trink auch nur noch bei StarBucks! Und jedes Mal sag ich den Verkäufern freundlich, dass Bio-Kaffee ja noch besser wäre und schreib dem Unternehmen auch einen lieben Brief, so als kritischer Konsument.

    Ich finde, wir haben in unseren Regionen ein Grundrecht auf Kaffe-Import - das wächst ja nun mal hier nicht und Gen-Manipulation ist ja auch uncool.

    Ich werde ab jetzt auch wieder bei McDonalds essen, denn die machen ja auf vegetarisch. Ab und an hol ich mir so einen Pressfleisch-Cheeseburger und mahne - als kritischer Konsument - an, dass bio-Fleisch besser wäre.

    Und irgendwann ist hoffentlich alles beim Alten nur mit anderen Produkten, die mein Gewissen beruhigen - und dann haben wir den Weltfrieden.

    Und ToGo-Plastikdeckel - ich lass mir bei StarBucks den Kaffee gleich in den Mund kippen - dann spart man sich auch den Müll.

    Alles wird gut.
  • kommentieren
    Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 22.02.2010 um 23:11
    hi hi hi, ho ho . . david, da möchte ich dabeisein !

    du hast mich beim lesen deines kommentar´s zum spontanen und lauthalsen lachen gebracht.

    (aber ich kann verstehen was in dir vorgeht) - humor ist schon ne komische sache -

    - und ironie ne andre -
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 22.02.2010 um 15:23
    Leider habe ich selbst keinerlei Einflussmöglichkeit auf Starbucks - denn ich geh da nicht rein...

    Ähnlich verhält es sich mit MC, Burger und wie diese Dinger alle heißen mögen - sie müssen ohne mich auskommen!

    Schon komisch: selbst "meine" Sarden, die ihren morgendlichen Caffe` auch nur im Stehen einnehmen und wirklich den ganzen Tag mit Tüten, Bechern und Tellern aus Wegwerf-Plastik hantieren, trinken diesen dann dennoch aus einer richtigen Tasse, die sie anschließend auch nicht aus dem fahrenden Auto werfen müssen.
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 23.02.2010 um 21:13
    Bin zwar erst einmal drin gewesen in einem Sarbucksladen, aber wenn ich das so lese gehe ich gerne mal wieder lein.

    Und meinen Kaffee zuhause werde ich in Zukunft unter anderen Gesichtspunken kaufen, danke für den Beitrag.
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 24.02.2010 um 10:09
    Ich wusste schon seit dem Buch "Starbucks und ich", dass man vom Starbucks-Kaffee keine (ethisch bedingten) Bauchschmerzen kriegen muss, aber wie groß der faire Anteil am Kaffeemarkt wirklich ist, war mir noch neu. Hut ab! Bei jedem Stadtbummel muss bei mir ein Starbucks-Besuch drin sein, und für zu Hause kaufe ich dort auch das Pulver ein.
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 25.02.2010 um 15:39
    bei mir herrscht Ratlosigkeit??? Warum in aller Welt wird Starbucks hier über den grünen Klee gelobt? Wo bleibt der Einsatz für mehr Umweltschutz? Fair heisst nicht gleich Bio!!! Die Arbeiter bekommen für ihren Kaffee zwar faire Preise arbeiten aber nach wie vor bei erhöhtem Pestizideinsatz. Das hat große Auswirkungen auf die Gesundheit der Arbeiter und der Menschen, die in unmittelbarer Nähe der Plantagen leben von den negativen Auswirkungen auf die Böden ganz zu schweigen.
    In jeder Stadt kommen einem die "coolen" Starbuckstrinker mit ihrem Kaffeebecherchen, mit den dazugehörigen Plastikdeckelchen entgegen und schlürfen ihren heissen Trank aus einem Plastikröhrchen.
    Hinzukommt dass in manchen Starbucksfilialen ein giganitscher Wassserverbrauch herrscht. Es läuft im Hintergrund ständig Trinkwasser in ein Becken, damit die Mitarbeiter mal schnell die Tassen ausspülen können. Hier kommt der Link dazu
    http://wien.orf.at/stories/313209/

    also liebe Kaffeetrinker bedenkt eure Begeisterung für diese Firma nochmal, und überlegt mal ob diese ganze Kampagne nicht eine große Augenwischerei ist.
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 24.03.2010 um 04:38
    Ich bin froh zu hören, dass Starbucks zumindest mal auf dem richtigen Weg ist und zumindest in Sachen Fair Trade schonmal einen starken Schritt nach vorne geht.

    Fair ist nicht gleich Bio und wirklich fair kanns bei Kaffeebohnenanbau ohne Bio auch nicht zugehen, aber nichts anderes wurde in dem Artikel gesagt.
    Ich versteh ehrlichgesagt auch nicht, warum darüber geschimpft werden muss, wenn Großabnehmer in Fair Trade einsteigen. Solange sie kontrolliert werden und die "Spielregeln" einhalten ist das doch optimal. Es ist doch nicht grundsätzlich so, dass Großabnehmer ihre Macht ausspielen und aus fair unfair machen.

    Was die Kaffeebecher angeht:
    Auch wenn Kundenwünsche wie "Bitte kauft doch Bio ein" zu versickern scheinen liegt diese Sache ausnahmsweise mal ganz unmittelbar in der Hand des Kunden. An Coffee-to-go ist grundsätzlich nichts auszusetzen. Kauft Refill-Becher und die Sache hat sich erledigt. Ich besitze selber auch einen und freue mich obendrein, dass der Kaffee viel länger heiß bleibt. Was ich mir allerdings von Starbucks wirklich wünschen würde ist, dass das ganze viel stärker promotet wird und mehr aufgeklärt wird. Das mit den 30 Cent ist zum Beispiel völlig an mir vorbeigegangen (auch, wenn das nicht das entscheidende Argument ist, ist es wenigstens ein Aufhänger, um auf die Möglichkeit des Metall-Bechers aufmerksam zu machen)

    Das mit der Wasserverschwendung ist natürlich ein Unding!

    Wie kann man Unternehmen besser erreichen?? Ideen, Vorschläge?!
    Mitarbeiter anzusprechen bringt meiner Meinung nach nicht viel. Diese Mitarbeiter entscheiden über nichts strategisches und ich glaube auch nicht, dass sie Kundenwünsche an Entscheider weitergeben.
    Briefe schreiben finde ich da schon besser!
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 13.04.2010 um 16:37
    Nicht erst seit der Lektüre von G. Wallraff hege ich den Verdacht, dass die von Starbucks Spezialisten darin sind, ein Bild nach außen aufzubauen, das die Gesamtheit der zu verurteilenden Vorgänge - nicht verschleiert sondern - übertüncht.
    Wenn die obige Nachricht dazu führen sollte, dass Starbucksgänger dort fortan die Espresso-Produkte kauften, und sonst konsequent NICHTS mehr, wäre das OK, aber das Image wird sich ja wohl auf alle anderen Produkte und Leistungen (wie die Dienstleistungen) ausbreiten.

    Ehrlichgesagt möchte ich die Redaktion auffordern, derartige Artikel nicht mehr, vor allem nicht mit diesem enthusiastischen Unterton zu veröffentlichen, nicht zuletzt, weil ich sonst einen Imagegewinn von Starbucks auf Kosten des Images von Utopia.de befürchte, denn kritischste Stimmen wie die von K. Hartmann wären so vorprogrammiert: http://www.ende-der-maerchenstunde.de/index.php?/archives/56-Starbucks-alles-andere-als-100-Prozent-fair!.html
Kommentar schreiben
(5000/5000)

Mehr zu Unternehmen

Mehr zu Im Interview