Schon mal probiert, zwölf Weintrauben im Sekundentakt in den Mund zu schieben? Klingt nämlich einfacher als es ist, und sorgt in Spanien um Mitternacht für kollektive Fröhlichkeit. Kurz vor Mitternacht versammelt sich die spanische Silvestergesellschaft vor dem Fernseher, jeder hält zwölf Weintrauben (Oliven gehen auch) in der Hand und steckt sich um zwölf Uhr pro Glockenschlag eine Traube in den Mund und beeilt sich mit dem Schlucken. Denn auf den zwölften Gongschlag muss alles verputzt sein. Das soll Glück bringen. Spaß bringt es auf alle Fälle: Spätestens ab der siebten Weintraube fällt es schwer noch ernst zu bleiben – auch im alkoholfreien Zustand. Besonders fröhlich wird es, wenn alle zusammen noch mitzählen. Der Legende nach erfanden Winzer diesen Brauch, um ihre Überproduktionen abzubauen. Hoffentlich kommen Massentierhalter nie auf eine ähnliche Idee.
Womit wir bei Schweinen sind, den traditionellen Glücksbringern zum Jahreswechsel. In vielen Ländern wird deshalb am Silvesterabend Schweinefleisch konsumiert – in Österreich etwa kommt keiner drumherum. Wir bleiben beim Essen: Hülsenfrüchte gelten in vielen Ländern als Glückbringer (vor allem in Südamerika, wo ja lange Zeit Kakaobohnen als Zahlungsmittel galten). Vielleicht werden deshalb Erbsen, Bohnen und Linsen mit einem Geldgewinn in Verbindung gebracht? Wie wäre es deshalb mal mit einem schönen Linseneintopf statt des Silvesterkarpfens? Alle weiteren naheliegenden Kalauer rund um das Thema Linsen ersparen wir uns hier.
Sie können nicht verlieren? Sie hassen Gesellschaftsspiele? Dann werden Sie in Italien nicht glücklich an diesem Abend. Alle anderen setzen sich mit ihrer Nummernkarte an den Tisch und starren auf die Bällchentrommel, auf dass die richtigen Zahlen gezogen werden. Im angeblichen Geburtsland des Lottospiels ist Bingo der Partyrenner an Silvester. Zwar geht es nicht selten um harte Euros, aber verlieren am letzten Tag des Jahres ist ein gutes Omen für das neue, wenn man nur fest daran glaubt. Und Gesellschaftsspiele lockern eine steife Partygesellschaft oft viel schneller auf, als auf die Wirkung nach dem dritten Wodka Redbull zu warten.
Für alle, die Silvesterknaller hassen, empfiehlt sich eine Reise in den hohen Norden. Auf den friesischen Inseln beispielsweise ist Feuerwerk verboten in Sorge um die reetgedeckten Häuser. Auch in Norwegen sind Silvesterböller nicht so beliebt wie bei uns, da werden in der Regel Raketen gezündet. Und wenn Sie hierbleiben müssen: Erzählen Sie der knallenden Silvestergesellschaft nicht um Mitternacht, dass die Feinstaubbelastung an keinem Tag im Jahr höher ist als zu Silvester. Um diese Zeit finden Sie dafür bestimmt kein Gehör (Böller). Unser Tipp: Schon am Silvestermorgen den anderen den Spaß am Böllern verleiden. Dazu eignen sich auch Bilder aus dem Internet (einfach mal bei Google die Stichworte „Böller“, „Verletzungen“, „Alkohol“ und „Krankenhaus“ eingeben). Nehmen Sie zum Ausdrucken unbedingt einen Farbdrucker.
In Island brennen in der Silvesternacht die Elfenfeuer, mit denen das neue Jahr begrüßt wird. Falls Sie einen Garten haben und sich mit den kommunalen Vorschriften für das Abbrennen von Gartenabfällen auskennen, ist so ein kleines Feuerchen an Silvester sehr stimmungsvoll. Kommen Sie aber ihren böllernden Mitmenschen dann nicht mit dem Argument der Feinstaubbelastung.
Die Schweden lassen es Silvester richtig krachen, und selbst Vegetarier – so sie denn Fisch essen – kommen voll auf ihre Kosten: Viele sparen das ganze Jahr, damit Silvester der Vorrat an Austern und Hummer nicht ausgeht. Die Schweden sind Orakel-Fans. Schälen Sie mal eine Apfelsine oder einen Apfel am Stück und werfen die Schale über die linke Schulter. Der Buchstabe, den die Schale dann im besten Falle bildet, ist der Anfangsbuchstabe der neuen Liebe (alle Stefans, Svens und Silvias haben besonders gute Karten, denn angeblich ist am häufigsten das „S“ zu lesen). Geschmackssache ist der Brauch, einen Schuh oder Stiefel durchs Haus zu werfen. Zeigt die Schuhspitze in Richtung Haustür, stirbt man im nächsten Jahr. Frohes Neues!


Kommentare (31)
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Buntes Spektakel durch Kinderarbeit
Der Markt mit Feuerwerkskörpern boomt. In Europa werden jedes Jahr rund 1,4 MILLIARDEN EURO verschossen. Doch das bunte Spektakel bekommt einen bitteren Beigeschmack...fast alle Feuerwerkskörper werden in Niedriglohnländern wie China oder Indien hergestellt. Und zwar hauptsächlich von Kindern, unter unmenschlichen Bedingungen. Die Kinder sind zwischen 10 und 12 Jahre alt. Sie sitzen bei ihrer Arbeit in winzigen Ziegelbauten und stopfen Lunten und Schwarzpulver in Raketenhülsen. Einige haben keine Fingernägel mehr, weil ihre Hände verätzt sind...geschätzte 70.000 Kinder und Jugendliche arbeiten in Feuerwerksfabriken, sagt der indische Don-Bosco Kinderrechtsexperte Vincent Thambuaraj..und hofft auf den Druck der europäischen Händler auf Herstellerfirmen und nicht zuletzt auf verantwortungsbewusste Konsumenten, die die Herkunft der Feuerwerkskörper hinterfragen.
Bewegender Bericht auf
http://oe1.orf.at/artikel/294076 mehr weniger
Auf der Basis kann ich Feste feiern, wenn es einen Grund dafür gibt; und dabei werden nicht giftige Schwefeldämpfe in die ohnehin schon reichlich "angespannte" Atmosphäre (kommt das von "Atmen" ?^^) gepustet sondern schlimmstenfalls ein kleines Feuerchen angezündet (nur Anmachholz, Feuerstellenradius ~30cm).
Man kann auch feiern ohne irgendwas zu zerstören... mehr weniger
Warum soll ich kein Blei nehmen? Wobei: das was da heute verkauft wird, das ist eh was anderes. Echtes Blei würde nie so schnell schmelzen. Jedenfalls: wenn ich mein Verhalten ändern soll, dann brauche ich dafür eine Begründung, die schwerer wiegt ist als meine sehr liebe Gewohnheit. Bisher hab ich diese Begründung noch nicht gehört.
Danke eurolore, klingt plausibel, was Du schreibst, ist aber kein Grund einmal im Jahr nicht so ein kleines Stück Metall aufzulösen und ins Wasser zu gießen... mehr weniger