In München steht ein Hofbräuhaus und in Hamburg eine Biogasanlage. Täglich laden dort die Lkw eines Entsorgungsunternehmens organischen Müll ab. Diese Abfälle entstehen, wenn einer seinen Teller nicht leer gegessen hat oder das Haltbarkeitsdatum überschritten ist. Die aus diesen Resten gewonnene Bio-Energie reicht aus, um jährlich 2.500 Haushalte zu versorgen. Und den HSV: Mit Biogas heizt der Bundesligist den Stadionrasen und versorgt die Duschen in den Mannschaftskabinen mit Warmwasser. Na also, Publikumssport und Ressourcenschonung scheinen einander nicht auszuschließen. Was liegt da näher, als einmal ausführlich das Umweltbewusstsein aller Bundesligaklubs zu erforschen.
Bei der Hertha geht Pressesprecher Hans-Georg Felder gleich persönlich ans Telefon. Der Verein würde die Fragen von Utopia gern beantworten. „Schickense mir mal den Fragebogen zu.“ Herr Felder weist beim Buchstabieren seiner E-Mail-Adresse zwar extra darauf hin, dass sich Hertha mit „th“ schreibt – bei diesen Ökoheinis kann man ja nie wissen - steht aber zu seinem Wort. Det is Berlin! Pünktlich trifft der ausgefüllte Fragebogen aus der Hauptstadt bei Utopia.de ein. Danke, wa!
Natürlich wenden wir uns mit unserem Fragenkatalog auch gleich an den Vorreiter der Aktion, den HSV. In der Pressestelle der Hamburger ist man spontan motiviert, als Utopia.de um Teilnahme am ersten Utopia Cup bittet. „Okay, ich leite das intern mal weiter.“ Klasse, wie das flutscht! Dabei bleibt es leider. Denn nur fünf Wochen später haben es sich die Hanseaten anders überlegt „Da bitten wir um Verständnis. Aber zu dem Thema ist bei uns nichts archiviert. Es wäre jetzt zu aufwendig, das zu recherchieren.“
Die Reaktionen auf die Aktion von Utopia.de waren so unterschiedlich wie die Leistungsniveaus innerhalb der Liga. „Wann haben Sie das geschickt? Hat mir keiner was von gesagt!“ Christian Gruber, Pressesprecher beim VfL Bochum, ist enttäuscht, dass ihn seine eigenen Leute im Stich gelassen haben, aber entschlossen, die Scharte auszuwetzen. „Bochum macht mit, klar. Es ist ja auch so, wir haben soziale Verantwortung sogar in unseren Vereinsstatuten verankert.“ Schon wenige Tage später liefert der nette Herr Gruber. Ein sympathischer Verein, dieser VfL. Nicht weit davon entfernt residiert der MSV Duisburg. Hier erhalten wir die selbstbewusste Auskunft, dass man auf „solche Anfragen“ nur per Fax reagiere. Herzlich willkommen im 21. Jahrhundert. Dafür gibt es von den „Zebras“ Bettwäsche im „Öko Tex Standard 100“. Die Utopia.de-Aktion verpennt man folgerichtig. Wir drücken trotzdem die Daumen, dass es mit dem direkten Wiederaufstieg klappt. Auch Rostock hat es nicht mehr geschafft. Nach anfänglicher Aufgeschlossenheit, passiert erst einmal nichts. Als wir nach ein paar ereignislosen Wochen noch einmal an der Ostsee nachhaken, kommt’s raus: „Soll ich ganz ehrlich sein? In Ihren Fragebogen habe ich noch gar nicht reingeguckt. Und am Ende landen wir bei Ihnen auch noch auf einem Abstiegsplatz!“ Ja, das hätte passieren können. Und ausgerechnet beim Überraschungsteam der Saison, dem KSC, fehlt „die Manpower. Da bitte ich um Verständnis. Ich bin hier ganz alleine.“ Bayer Leverkusen dagegen musste passen, weil das neue Stadion erst noch im Bau ist. „Im nächsten Jahr sind wir bestimmt dabei“, versichert der freundliche Pressesprecher.
Am Ende haben sich neun von 18 Bundesligisten an der Aktion von Utopia.de beteiligt. Und wir finden, dass das ein ganz ordentlicher Schnitt ist. War ja auch das erste Mal. Im nächsten Jahr machen alle mit. Einverstanden?! Und schon jetzt sind wir gespannt: Wie umweltfreundlich ist man wohl in Mönchengladbach? In Köln? Willkommen zurück! Nur, wer nicht mitmacht beim Utopia Cup steigt gleich wieder ab. Da bitten wir um Verständnis.
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