Sie machen nur drei Prozent der Erdoberfläche aus, und doch beheimaten sie über 10.000 verschiedene Pflanzen- und Tierarten: die Berge. Die Zahl der internationalen Gäste im größten innereuropäischen Gebirge, den Alpen, beträgt etwa 45 bis 50 Millionen pro Wintersaison, im Sommer sind es sogar noch etwas mehr. Insgesamt werden die Alpen also von rund 100 Millionen Menschen pro Jahr besucht. Dem gegenüber stehen nur etwa 13 Millionen Einwohner. Vier bis sechs Millionen aktive Wintersportler gibt es in Deutschland. Ihnen stehen allein in den Alpen über 600 Skigebiete zur Wahl. Sie machen etwa ein Prozent der Fläche der Alpen aus, 17 Prozent der Fläche stehen heute unter Naturschutz.
Machen wir uns dennoch nichts vor: Wer zum Wintersport in die Alpen fährt, kann nicht gleichzeitig die Umwelt schützen. Das wäre ein Widerspruch in sich. Aber: Man kann durch sein Verhalten die Schäden verringern, die der Natur durch den Wintersport zugefügt werden.
Umfrageergebnissen zufolge sind Winterurlaubern zwei Dinge mit Abstand am wichtigsten: Erholung und eine intakte Natur. 20 Prozent geben an, dass ihnen die Themen Umwelt und Naturschutz wichtig seien. Aber je mehr Touristen sich für einen Winterurlaubsort begeistern, desto stärker leidet die dortige Natur und desto schwieriger wird’s auch mit der Erholung.
Erst mal ankommen
Auf welche Art man überhaupt an ein Reiseziel gelangt, dürfte zu den wichtigsten ökologischen Entscheidungen zählen, die wir heutzutage treffen müssen. Das Prinzip „Lokal handeln“ findet gerade im Zusammenhang mit Wintersport ein schnelles Ende, denn nicht jeder hat einen Zweitausender in Wurfweite. Wie bei jeder Reise gilt: Wägen Sie ab, ob ein Flug unvermeidlich ist. Muss es wirklich Aspen sein, wenn einige der berühmtesten Wintersportgebiete mitten in Europa liegen? Durch die An- und Abreise mit dem Zug erspart man der Natur einen Großteil der Schäden, die durch CO2-Emissionen aus Autoabgasen entstehen. Gerade im Alpenraum gelangt man in viele Wintersportgebiete sehr gut mit dem Zug. Sicher ist die Anreise mit Skiequipment auf diese Art unbequemer als mit dem Auto. Aber vor dem Hintergrund, dass etwa drei Viertel der CO2-Belastung in den Alpen durch die An- und Abreise der Touristen mit Autos entsteht, will man vielleicht noch einmal drüber nachdenken.
Sie lieben die Natur? Dann denken Sie an die Schäden, die Sie ihr zufügen, wenn Sie mit dem Auto anreisen.
- Wenn Sie mit dem Auto anreisen, beachten Sie, dass zusätzliche Gepäckträger auf dem Dach auch erhöhten Spritverbrauch bedeuten.
- Sollten Sie für die Reise ohnehin einen Mietwagen eingeplant haben, erkundigen Sie sich bei Ihrer Autovermietung nach Hybridmodellen oder gasbetriebenen Fahrzeugen.
- Kalkulieren Sie die Mautgebühren ein, die auf vielen alpinen Straßen erhoben werden. Sie stellen einen zusätzlichen Kostenfaktor für Ihre Reise dar und sind unter anderem deshalb so hoch, weil mit einem Teil dieser Einnahmen die durch Autos entstehenden Umweltschäden ausgeglichen werden.
- Für die Fortbewegung am Ferienort gibt es in zahlreichen Skiressorts Möglichkeiten, sich ohne Auto zu bewegen. Erkundigen Sie sich nach alternativen Fortbewegungsmöglichkeiten vor Ort.
Unterkunft
Neben den Verkehrsbelastungen sind es die Immobilien für die Unterbringung von Touristen, die den Hauptanteil der durch Wintertourismus entstehenden Umweltschäden ausmachen. Und wie bei allen Gebäudearten, egal ob auf einem Berg oder an einer Küste, ist es vor allem der Energieverbrauch, an dem sich die Umweltfreundlichkeit eines Gebäudes messen lässt. Es gibt mittlerweile viele Wintersportgebiete, die bestehende Gebäude in den Ortschaften klimafreundlich sanieren, zum Beispiel mit verbesserter Isolierung und modernen Heizsystemen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Beschaffung von Energie. Auch hier tut sich in jüngster Zeit einiges in den Wintersport-Gebieten. In Sankt Moritz zum Beispiel wurde ein umfassendes Gesamtenergieprojekt gestartet. Die Immobilienbesitzer haben sich verpflichtet, dass die gesamten Immobilien des Ortes zu mindestens einem Drittel aus erneuerbaren Energien stammen müssen. Weiterhin bauen immer mehr Städte und Gemeinden auf regionale Holzkreisläufe für Brenn- und Bauholz sowie die Versorgung durch vor Ort generierte Energie, zum Beispiel aus Wasserkraft. Diese Entwicklung zeigt, dass die alpine Tourismusbranche verstanden hat, dass die Natur ihr wichtigstes Kapital ist.
- Nehmen Sie vor der Reise Kontakt mit Hotels oder Pensionen auf.
- Fragen Sie am Zielort oder in Ihrem Reisebüro gezielt nach Klimaschutz und Ressourcenschonung. Sie werden sehen: Man weiß dort genau, was Sie meinen und wird Ihnen gerne Auskunft geben.


Kommentare (21)
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Vielen Dank für den wirklich hilfreichen Artikel.
Die ökorrekten Wintersport Informationen von Utopia finde ich einen super Ansatz, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und nach Alternativen zu suchen. Wobei sich oft ein Zwiespalt auftut, wenn man wie ich Natur und auch den Wintersport liebt. z.B. die Alternative Tourengehen bietet auch wieder Vor- und Nachteile: klar benutze ich dann keine Liftanlagen, dafür fahre ich im Tiefschnee evtl. über junge Bäume und dringe in Lebensräume der Tiere ein. Zudem möchte ich mir nicht die Situation ausmalen, wenn alle Wintersportler Touren gehen würden. schwierig schwierig Aber wir sind m.E. auf einem guten Weg, wenn wir nach Überlegungen die Taten folgen lassen. Danke für die Recherche an Utopia! E
Im Skigebiet der Kitzbühler Alpen werden ca. 1.2 Mio m^3 Schnee pro Saison benötigt.
Eine Schneekanone kostet ca. 35.000,- Euro bei der Anschaffung.
Die durchschnittliche elektrische Anschlussleistung liegt bei ca. 7 Megawatt!
An den Düsen wird ein Druck von ca. 80 bar benötigt!
Für alle, die weitere Zahlen interessiert ;-)
Wegen den Bakterien:
Unter http://www.boehmgeol.ch/68-0-Kuenstliche-Beschneiung.html
Wird davon gesprochen, dass diese auch in der Schweiz untersagt sind. Was stimmt?
Nach meinen letzten Informationen wird angeblich auf EU-Ebene über den möglichen Einsatz von diesen Keimen diskutiert.
We will see
Sonnige Grüße
Michael Jeß
Ich weiß es nicht, ein paar Gedanken: http://kathabeck.wordpress.com/2010/02/05/das-mit-dem-skifahren/
LG, Katha
Wintersport ist vor dem Hintergrund ohne Frage eine große Belastung für die Natur. Andererseits ist es ein effektiver Weg die Menschen in die Natur zu bringen und damit zu zeigen wie schön sie ist. Dieses Bild hilft vielleicht den ein oder anderen dazu zu bewegen sich im Alltag etwas sensibler und bewusster zu verhalten.
http://www.die-moebelmacher.de/startseite/produkte/holzski.html
Von herwig Danzer von den Möbelmachern ist auch der Nachhaltigkeitsblog:
http://nachhaltigkeit.blogs.com/nachhaltig/
Auch ist zu bedenken, dass für die vielen Menschen, die es auf der Welt bzw auch allein schon in Europa heute gibt, schlicht und einfach die Alpen und andere Hochgebirge etc zu klein sind (und die Mittelgebirge sind für die meisten Leute zu wenig interessant), um einigermaßen umweltschonend Ski , Snowboard etc für Alle anbieten zu können, nicht zuletzt weil dafür Pisten durch die Wälder geschlagen werden müssen und in höheren Gebieten jenseits der Baumgrenze auch Tiere, Pflanzen, Bodenflechten etc. darunter leiden würden, wenn alle dorthinauf gingen (bzw fahren / gebracht würden), so dass ich auch der Haltung von Katharina Beck viel Überzeugungskraft abgewinnen kann
Er behandelt hauptsächlich das, was immer selbstverständlich sein sollte (reisen mit der Bahn, am Zielort möglichst energieeffizient wohnen, ökorrekte Kleidung etc. ).
Aber für das Hauptproblem beim Skifahren/Snowboarden hat der Autor leider auch keine Lösung. Es ist nun mal so, dass je mehr Wintersportler in die Skigebiete fahren und da Massen an Geld liegen lassen, desto attraktiver wird es, die Gebirge zu "verskipisten" und dabei nicht nur das Leben (Pflanzen und Tiere) in den Bergen, sondern auch die Berge selbst (Erosion) zu zerstören. Selbst, wenn jeder alle Ratschläge akribisch befolgen würde, am Hauptproblem würde das alles nichts ändern.
Solange sich mit der Skifahrerei so viel Geld schäffeln lässt, wie es momentan der Fall ist, werden die Alpen jedes Jahr ein Stück weiter teils unumkehrbar zerstört. Das einzige, was wirklich hilft, ist Soft-Wintersport, wie langlaufen, eislaufen (auf gefrorenen Seen), Schlittenfahren (ohne Lift), Schneewandern, ...
Glaubt mir, ich sag das nicht als jemand, der noch nie auf Skiern gestanden hat und deshalb leicht reden hat. Skifahren und Snowboarden zählte früher zu meinen größten Wintervergnügen. Schweren Herzens habe ich dieses Jahr aber mein Snowboard verkauft, da ich die Unterstützung dieser Umweltzerstörung nicht mit meinem Gewissen vereinbaren kann.
und Events einfach zu verführerisch. Die ökonomischen Möglichkeiten geben wenig Raum für ein stringentes und konsequentes Umsetzen ökologischer Notwendigkeiten. Das Bewußtsein für Ökologie und der Verzicht auf Luxus ist leider bei vielen jungen Menschen noch nicht wirklich vorhanden.
Um eine berechtigte Hoffnung auf Veränderung für ein aufgeklärtes Bewußtsein für Ökologie tragen zu können, sind Verhaltensänderungen bei jedem Einzelnen unumgänglich, und wie hier beim Thema Zerrstörung von Lebensräumen der Tier-und Pflanzenwelt zähle ich auf den Bund- und Naturschutz.
Es muss vielen erst einmal klar werden, daß eine Anfahrt von mehreren Hundert Kilometern für ein paar Stunden Spaß völlig irrational und nicht mehr vertretbar sein können. "Verkehrte Freizeit "!!.
Sehr bedenklich finde ich die Tatsache, daß Alkohol an dern Pisten verkauft wird....
Den Artikel von Henrik Pfeiffer finde ich im Allgemeinen sehr hilfreich und geht direkt auf das Thema ökologisches Verhalten und Maßnahmen ein.
--> Ich würde das nicht auf die jungen Menschen beschränken. Daran fehlt es leider in allen Altersklassen...
Für mich als Wenigfahrer steht fest, dass ich meine im letzten Jahr zu Bruch gegangenen Uralt-Skier nicht ersetzen werde, da die Fahrt auf relativ modernen Mietskiern wesentlich mehr Spaß machte.
erworben und selten genutzt zu werden. Genauso verhält es sich meist mit dem Auto...da stimmt überhaupt kein Verhältnis mehr. Mieten statt kaufen wäre auch da für viele angebracht oder eben auch die mittlerweile
sehr gut funktionierenden online-Mitfahrgelegenheiten zu nutzen, ob passiv oder aktiv, als Mitfahrender oder
Mitnehmender. Außerdem fördert es sehr stark die Kommunikation.
Um auf das Thema Skisport zurückzukommen: der Aufwand für diesen Sport ist unglaublich groß, wenn man nicht nah genug an den Skigebieten wohnt. ich selbst bin viele Jahre nicht mehr gefahren, weil ich in der Großstadt lebte. Jetzt wohne ich privat unmittelbar dran an den Alpen, so daß es dadurch auf jeden Fall wieder attraktiver wird. Auch ich miete mir die Skiausrüstung. Es bleibt trotzdem ein selten ausgeübter
Sport für mich, und hat, wenn ich ihn ausübe mehr den Charakter des besonderen Erlebnisses.
Im Allgemeinen finde ich den Skitourismus kaum noch erträglich nicht zuletzt auch wegen der ständig
steigenden Gefahren. Viele übernehmen sich und fahren über ihre Verhältnisse...
http://www.solarskilift.ch/
--> Ein kleiner Skilift im Schweizer Graubünden soll durch eine Solaranlage betrieben werden; im Sommer wird der Strom dann ins Netz eingespeist. Der Lift kann damit fast energieautark arbeiten und bringt auch im Sommer Geld ein.
Hoffentlich taugt die Anlage was und macht andere Investoren neugierig, um in Zukunft das Skifahren wenigstens ein bisschen umweltverträglicher zu machen.
Wer trägt eigentlich die Verantwortung für solch perverses Verhalten? Ich hätte allein Skrupel vor der Hin- und Rückfahrt mit dem Bus, was an sich ja schon ein großes Gefährdungspotential in sich birgt. Hierzulande gibt es gelegentlich gut beschneite Hänge, von denen man herunterrodeln, snowboarden oder sonstiges kann. Doch keine Menschenseele weit und breit! Ich kann darüber nur den Kopf schütteln und zu dem Ergebnis kommen: Die haben doch nicht alle Tassen im Schrank!
Kinder und Jugendliche lernen beim Sport ihren Körper und die Natur kennen. Ich sehe insbesondere für Stadtkinder und Kinder aus urbanisierten Dörfern eine Notwendigkeit sich sportlich zu betätigen um den Horizont zu erweitern und ein Leben neben der medialen Beriselung kennen zu lernen.
Skifahren ist eine koordinativ anspruchsvolle Sportart, bei der jedoch nicht allzu viel Kondition verlangt wird. Es eignet sich also, Kinder und Jugendliche zum Sporttreiben zu annimieren.
Ich - als angehender Sportlehrer - habe Verständnis für Ihre Kritik (piohloge), jedoch denke ich, man sollte das Skifahren nicht verteufeln!
Eine Skiwoche in der Schule findet in der Regel nicht mehr als 1x in der Laufbahn eines Schülers statt, dazu erfolgt die Anreise in einem Bus. Ski werden in der Regel ausgeliehen. Übernachtungen sind meist in Jugendherbergen o.ä. Natürlich ist der Ausflug nicht CO2-frei, aber dennoch alles andere als "perverses Verhalten".
Dass schlaue Köpfe das Licht ausschalten, nur Stoßlüften, die Heizkörper nach Verlassen des Raumes runterdrehen, die Kinder (und Lehrer!) mit Bus oder Fahrrad zur Schule kommen sollten, behält ja dennoch seine Gültigkeit.
Und ewig grüßt das Murmeltier?
Ich denke, das ist jetzt im Winterschlaf ;-)
Das Murmeltier grüsst jährlich und hofft, dass ihm jedes Jahr weniger Schifahrer über die Höhle brettern und weist darauf hin, dass es auch anders geht.
;-) werner