Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.
Die Alternative: Better Place

"Ich bin das Ende des Öls!"


Von Peter Laufmann

Jahreswechsel im Heiligen Land. Es ist Krieg, wieder einmal. Kassam-Raketen der Hamas und der Hisbollah schlagen in den israelischen Städten Naharija und Sderot ein, Israels Soldaten schlagen hart zurück. Seit Jahrzehnten wechseln sich Raketenbeschuss, Selbstmord-attentate und Vergeltungsschläge in schrecklicher Regelmäßigkeit ab, die Gewalt nimmt kein Ende. „Der Terror wird durch Öl finanziert“, sagt Israels Präsident Shimon Peres. Und meint damit Finanziers aus Arabien und dem Iran, deren Petrodollars in Ausbildung und Bewaffnung der Extremisten fließen. Seine Schlussfolgerung ist so naheliegend wie einfach: Wer kein Öl kauft, dreht auch Terroristen den Geldhahn zu. Israel will auf diesem Weg vorangehen und bis 2020 unabhängig vom Öl sein. Die Welt könnte so ein besserer Ort werden, ein „better place“. Und genau so heißt das Unternehmen, das für eine neue Mobilität steht – sparsam, umweltfreundlich, friedlich und so einfach, wie mit dem Handy zu telefonieren.

Der Anfang vom Ende des Öls könnte mit einer Steckdose in einem unscheinbaren Parkhaus nördlich von Jerusalem beginnen. Früh um sieben im Dezember 2008 laden Männer dort grobe Bauteile ab. Nichts deutet auf den Beginn einer Revolution hin. „Stört niemanden“, sagt der Vorarbeiter, „das ist das Wichtigste.“ Zitat Shai Agassi ÖlDas konspirative Treiben ist der erste Schritt auf dem Weg zur Elektromobilität. Stück für Stück reißen die Männer den Boden auf, verlegen Kabel und setzen schließlich weiß-blaue Pfosten darauf. Jeder mit einer kleinen Klappe, hinter der eine Steckdose sitzt und auf hungrige Elektroautos wartet.

„Bislang scheiterte das Elektroauto, weil es nicht alltagstauglich schien“, fasst Rolf Schumann, Projektleiter von Better Place Deutschland, das Dilemma zusammen: Die Akkus sind unhandlich, teuer und viel zu schnell leer. Zudem fehlt es meist genau dann an der rettenden Steckdose, wenn man sie braucht. Better Place hat für alle Schwierigkeiten eine Lösung gefunden.

Shai Agassi Shimon Peres Shake HandsIn Bewegung gekommen ist „Project Better Place“ durch den in Tel Aviv geborenen Shai Agassi. „Ich bin das Ende des Öls“, sagt er selbstbewusst. Doch er ist weder Autobauer, noch Energieversorger oder Politiker – er ist ein Manager mit Gewissen, ohne das Geldverdienen aus den Augen zu verlieren. Er war erfolgreich beim Computerkonzern SAP, so erfolgreich, dass sich Kollegen und Konkurrenten die Augen gerieben haben, als er bei SAP ausstieg und Better Place ins Leben rief. Sein Unternehmen hat es geschafft, Autobauer, Politiker und Energieversorger an einem Strang ziehen zu lassen. Das Ergebnis sind praktische Autos, eine ausgeklügelte Infrastruktur und die notwendigen Rahmenbedingungen. „Wenn Sie 200 Millionen Dollar finden, um das Ganze zu finanzieren und einen Autohersteller, dann bekommen Sie ein ganzes Land“, hatte Shimon Peres (im Bild: mit Shai Agassi bei einem Treffen in Tel Aviv 2008) zugesichert und sein Wort gehalten. Es scheint, als könne Shai Agassi dem Elektroauto tatsächlich zum Durchbruch verhelfen.

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Stand: 04.04.2009 von

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  • gelöscht am 28.09.2009 um 11:15 von admin
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    schrieb am 20.07.2009 um 23:47
    Na wir wollen doch nicht hoffen, dass Shai Agassi das Ende des Öls ist. Hoffentlich ist er nur das Ende der Ölverbrennung. Tatsache ist jedenfalls, dass er das einzige wirklich zu Ende gedachte Konzept zur Durchsetzung des Elektrowagens hat. Das Wechselakku-Konzept. Damit könnte er, wenn er es richtig einstielt, viele Hindernisse und Widerstände aus dem Weg räumen, die durch die Schwachstelle Energiespeicher bestehen.
    Man substituiere also den herkömmlichen Treibstofftank bei Nutzung der gleichen Infrastruktur durch einen Wechselakku und schon ist man ganz nah dran einer Vollwertlösung.
    Warum sollte ich als Elektromobilkäufer den teuren und heute noch schwachbrüstigen Akku kaufen, wenn ich ihn an der nächsten Tanke leasen könnte? Ich fahr zur Tanke, stoße meine leeren Norm-Akku ab, zahle für Nutzung und Ladung und nehme einen frisch geladenen Akku auf. So einfach könnte das sein. Die heutigen Tankstellenbetreiber, die ja sicher schon nervös auf die Entwicklung bei den Elektromobilen schauen, weil die keinen Sprit mehr abnehmen, hätten eine neue Perspektive. Sie könnten sich diversen Akku-Leasing-Ringen anschließen und Sonnenstrom für die Akku erzeugen und verkaufen. Auf diese Weise wäre voraussichtlich auch ein entwicklungsbeschleunigender Wettbewerb der Akkusystem realisierbar. Einzige Vorraussetzung: Normierung der Akkumaße und -Anschlüsse. Aber das ist doch wohl mit ein bisschen gutem Willen möglich, oder? mehr weniger
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    schrieb am 08.04.2009 um 21:20
    Nicht jeder kann so wirksam handeln, doch noch weniger sind die Mutigen und Beflügelten, die so etwas unternehmen. Ja, der Wandel zur funktionierenden postindustriellen Gesellschaft braucht genau solche Leute. Einige dürfen auch reich werden. Hauptsache, es geht uns vernünftiger und besser, auch wenn wir selber kaum etwas dafür tun konnten oder wollten.
    Danke der Redaktion für die ausführliche Darstellung und die Themenwahl. Es inspiriert, so etwas mal zu lesen. mehr weniger
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    schrieb am 06.04.2009 um 11:43
    "Better Place hat für alle Schwierigkeiten eine Lösung gefunden."
    Das ist wirklich genial, das wäre das erste Mal in der Geschichte der Menschheit, das für *alle* Schwierigkeiten - wenn auch nur eines bestimmten Bereiches - eine Lösung gefunden wurde!

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    schrieb am 06.04.2009 um 00:03
    Wow, das liest sich so traumhaft, wäre es am 1.4. geschrieben, würde man einen gut gemeinten Aprilscherz vermuten. Was das Automobil betrifft, scheint alles rundum beachtet worden zu sein. Allem voran die Erkenntnis, Mobilität zu verkaufen und nicht das Blech. Großzügige Verfügbarkeit, einfache Abrechnung, Energie aus regenerativen Quellen — wo ist der Haken? Nun, den sehe ich da, wo auch dieses Konzept leider nicht global funktioniert, also nicht dazu taugt, alle mit Verbrennungsmotoren betriebenen Fahrzeuge zu ersetzen (weil dafür nicht ausreichend regenerative Energie zur Verfügung steht). Was wiederum zur Bestätigung der Erkenntnis führt, dass es zu viele Fahrzeuge gibt und die mobile Menschheit auf das ein oder andere verzichten muss ... mehr weniger
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