Autoschadstoff-Experte Professor Eckard Helmers im Interview

„Weiterfahren und auf Autogas umrüsten“


Nur eine der drei Millionen Neuzulassungen im Jahr entfallen auf private Autokäufer. Dem stehen mehr als sechs Millionen so genannte Besitzumschreibungen gegenüber: Der Deutsche bevorzugt Gebrauchtwagen. Einer, weil ihm das viele Geld zu Schade ist. Ein Zweiter, weil er den Gedanken an den ersten Kratzer im Neuwagen nicht erträgt. Für die meisten aber ist die zweite Hand schlicht eine finanzielle Notwendigkeit. Warum die Umweltbilanz eines Altwagens nicht schlecht sein muss, erklärt Professor Eckard Helmers vom Umwelt Campus der Fachhochschule Trier. Der promovierte Chemiker und Autofachmann fokussiert in seinen Tipps nicht nur auf die viel beschworene Energiebilanz. Er rät, auch die gesundheitsschädlichen Schadstoffe wie Feinstaub und Stickoxide zu beachten.


Utopia: Herr Helmers, stimmt eigentlich die alte Weisheit, dass es wegen des immensen Energie- und Ressourcenaufwands immer richtig ist, einen Gebrauchtwagen weiterzufahren?

Eckard Helmers: Qualitativ stimmt das, ja. Wie immer gilt es allerdings, den Einzelfall zu betrachten: Wer ein altes Auto mit einem sehr hohen Verbrauch und ohne jede Abgasreinigung gegen einen Neuwagen mit sehr niedrigem Verbrauch und zeitgemäßer Abgasnorm austauscht, kann irgendwann die Produktionsenergie wieder einfahren und die Luftverschmutzung einschränken – wenn er den Altwagen vorher verschrottet, statt ihn in Afrika oder dem Irak weiterfahren zu lassen. Die meisten Käufer neigen aber dazu, die Fahrzeugklasse nicht zu wechseln. Auf einen Opel Corsa folgt oft ein Opel Corsa. Dort sind die Fortschritte im Verbrauch zu gering, um das in der Kohlendioxidbilanz in absehbarer Zeit wieder reinzuholen.

Konzentrieren wir uns in der Betrachtung zu sehr auf die Klimabilanz?

E.H.:
Kohlendioxid ist wichtig. Die dauernde Fokussierung darauf ist aber zu einseitig. Feinstaub aus Dieselmotoren heizt den Klimawandel ebenfalls an. Gleichzeitig neigen wir im öffentlichen Diskurs derzeit dazu, die direkt auf den Menschen wirkenden Schadstoffe zu sehr in den Hintergrund zu drängen. Feinstaub, Stickoxide und Kohlenmonoxid sind gesundheitsschädlich.

Was können Autofahrer tun, die ihren Wagen behalten möchten? Aus Sicht der Klimabilanz ist das doch gut!

E.H.: Sie sollen ihr Auto weiterfahren und es klug nutzen. Darüber hinaus müssen Benziner und Diesel getrennt betrachtet werden. Beim Benziner sollten alle Abgasreinigungssysteme nachgerüstet werden, die es zu kaufen gibt. Dazu gehört der Kaltlaufregler und bei wenigen sehr alten Autos auch der Katalysator. Wer ein größeres Auto, etwa einen Familienkombi, fährt, sollte die Umrüstung auf Autogas erwägen. Autogas ist homogener als Benzin, verbrennt sauberer und damit emissionsärmer. Für die Umwelt rechnet sich das also sofort. Ob die Investition von rund 2.500 Euro auch ökonomisch sinnvoll ist, hängt vom Einzelfall ab. Je mehr ein Auto verbraucht, desto eher kommt die schwarze Null. Die Rechenbeispiele vom Autogashändler müssen dabei individuell geprüft und nachgerechnet werden.

Und die Dieselfahrer?

E.H.: Ja, die haben ein Problem. Ich würde so weit gehen und sagen: Die sind gekniffen. Zwar stoßen Dieselautos im Regelfall relativ wenig Kohlendioxid aus. Der Rest der Umweltbilanz ist aber verheerend. Feinstaub ist ein wichtiger Faktor bei der Klimaerwärmung, und die vielen Stickoxide sind gesundheitsschädlich. Es ist für mich ein großer Fehler, dass die europäischen Regierungen dem Diesel über so viele Jahre und noch bis zur Einführung der Abgasnorm Euro 6 Ende 2014 erlaubt haben, mehr Gift rauszupusten als die Benziner. In den USA oder Japan ist das undenkbar. Dieselfahrer können zurzeit nicht mehr tun, als über die offenen Nachrüstfilter wenigstens einen Teil der Partikel herauszufiltern. Der Staat fördert das mit einer Einmalzahlung von 330 Euro sowie einer leicht reduzierten Kfz-Steuer.

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    Physiker
    schrieb am 08.07.2010 um 17:24
    Ich glaube sofort, dass Elekroautos im Betrieb weniger Schadstoffe verursachen als solche mit Verbrennungsmotor. Aber wie sieht es aus, wenn man die Herstellung der Batterie mit einbezieht, die ja unter anderem große Mengen an seltenen Rohstoffen verbraucht. Und deren kurze Lebensdauer, die ja...
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    causa-design
    schrieb am 08.07.2010 um 10:27
    Unter http://www.spiegel.de/auto/aktuell/0,1518,685400,00.html bzw. http://www.spiegel.de/auto/fahrkultur/0,1518,541022,00.html kann man von zwei Pionieren (Fa. classic-e-cars http://www.elektroporsche.de/index.html) lesen, die Oldtimer zu E-Fahrzeugen umrüsten. Auch wenn es Oldtimer-Puristen, für...
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