In 200 Mannheimer Haushalten nimmt dieses Frühjahr ein dienstbarer Geist seine Tätigkeit auf: der „Energiebutler“. Was nach Queen Victoria klingt, ist die Zukunft der Stromversorgung: „Die Abstimmung von Stromangebot und -nachfrage ist ein wichtiger Faktor“, erklärt Frieder Schmitt, Leiter der Konzernabteilung Technologie und Innovation bei der MVV Energie AG. Das Unternehmen ist Konsortialführer im Projekt „Modellstadt Mannheim“ (moma), wobei der „Energiebutler“ im Haushalt der Kunden eine entscheidende Rolle spielt.
Das Problem: Je mehr Strom aus Erneuerbarer Energie im Angebot ist, desto größere Schwankungen muss das Stromnetz verkraften. Mal weht der Wind, mal nicht – und vor die Sonne schieben sich immer wieder Wolken. Eine Lösung ist es, die elektrische Energie zu speichern, etwa in Pumpspeicherkraftwerken, wie sie in virtuellen Kraftwerken vorgesehen sind (siehe 1. Teil der Serie: Virtuelle Kraftwerke). Doch die Geographie setzt dabei in Deutschland enge Grenzen. „Andere Möglichkeiten sind noch nicht wirtschaftlich“, sagt Schmitt. Zum Beispiel Batterie- oder Druckluftspeicher. Daher geht die MVV Energie AG einen neuen Weg, zusammen mit ihren Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft: „Wir verschieben die Verbrauchslasten“, so Schmitt. Und dazu wurde der „Energiebutler“ erfunden: Er ist eine „intelligente Energiesteuerung“, die das Energie-Management in einem Haushalt übernimmt.
Grundlage ist ein flexibler Tarif. Bei geringer Nachfrage ist der Preis pro Kilowattstunde niedrig, in Zeiten hoher Nachfrage entsprechend teurer. Hintergrund ist das Geschehen an den Strombörsen: Stößt eine geringe Nachfrage auf ein großes Angebot, kann der Preis auf Null sinken – in der gegenteiligen Situation schnellt er bis auf zwei Euro pro Kilowattstunde hoch.
Dieses Marktgeschehen spiegelt sich in der neuen Tarifstruktur wider, die ein Anreizsystem für den Verbraucher ist. Er muss darüber nicht selbst nachdenken, weil der „Energiebutler“ alles regelt: Er bekommt über das Internet die Tarifstruktur des nächsten Tages mitgeteilt – und plant darauf automatisch den Einsatz der Großverbraucher im Haushalt: Waschmaschine, Trockner, Geschirrspüler sowie Kühl- und Gefriergeräte. Sie springen an, wenn der Strom am günstigsten ist. „Wir haben festgestellt, dass sich zehn bis 15 Prozent des Stromverbrauchs verschieben lassen“, sagt Schmitt. Diese „Lastverschiebung“ bringt einen Kostenvorteil für die Kunden – und sorgt dafür, dass die Stromnachfrage gleichmäßiger wird, und die Spitzenlast im Netz zurückgeht. „Schwarmintelligenz“ lautet das Stichwort: Wenn Millionen Haushalte internetgesteuert ihren Stromverbrauch verstetigen, würde die Stabilität im Netz zunehmen. Schmitt: „Die Anpassung zwischen Erzeugung und Lastgängen ist für uns die große Herausforderung.“
So macht der „Energiebutler“ ein besseres Netz-Management möglich, welches eine intelligente Steuerung des Stromnetzes einschließt. Das ist eine Bedingung, um Erneuerbare Energie erfolgreich zu nutzen, etwa in der Kombination mit virtuellen Kraftwerken. Je besser sich die Stromnachfrage nach dem Angebot richtet, desto leichter lässt sich Energie aus Wind oder Sonne ins Netz einspeisen. Daher ist diese Technologie ein wichtiger Baustein, um Deutschland mit Erneuerbarer Energie zu versorgen.


Kommentare (15)
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Der Teil gefällt mir am besten :-)
Dezentrale und individuelle Energie-Erzeugung und -versorgung, die von den Energie-Riesen (und deren diktierten Preisen) unabhängig macht. Das denke ich, ist das Energie-Modell der Zukunft. Im Prinzip ist es schon heute möglich...
Mein Vorschlag zur Energieeinsparung: Jeder erhält von Staats wegen 1000 KwH pro Jahr kostenlos, aus Steuern bezahlt. Im Gegenzug werden die Preise jenseits der 1000 KwH freigegeben. Wer weniger verbraucht, kann den Rest am Markt plazieren (alte Rechtschreibung).
Ich bin erstaunt, wie in Deutschland scheinbar mit Energie umgegangen wird: Singles verbrauchen lt. Vergleichsrechnern im Schnitt 1.500 (!!!) KwH - wir sind 2 Erwachsene und eine Zweijährige, wir verbrauchen noch keine 1.000 KwH...Wir haben zwar den ganzen Tag Radio und Notebook laufen, dafür trocknen wir die Wäsche an der Luft....
Ein "gläserner" Verbraucher erschließt sich mir nicht sofort; soll der Konzern doch ruhig wissen, daß ich dann Strom verbrauche, wenn er günstig ist; welche Maschine lief da ? Weshalb ? Welche Marke ? Wie alt ? Wenn er das weiß, dann wird´s problematisch....
In der Industrie ist Lastgangzählung ab 100 MwH gang und gäbe. Wenn´s erschwinglich ist - her damit!
http://www.zeit.de/online/2009/06/Architektur-Zukunft?page=all
@Rambay:
Das mit den 1000kWh würde konkurrenz-/markttechnisch keinen Sinn machen, trotzdem ein interessantes Konzept. Den Verkauf von Strom-Rechten finde ich gut, allerdings kann man bei den CO2-Emmisionsrechten der EU bereits sehen was für ein Markt dafür entstünde; Das Recht auf Frei- Strom wäre dann genauso teuer wie das Überziehen der 1000kWh Grenze. Außerdem ist es zum Beispiel für Besitzer eines Elektroautos unfair und würde daher die Verbreitung der Technologie nicht unterstützen.
Sollte man nicht dem Verbraucher überlassen für was er Steuern zahlt? Soll er doch einfach das zahlen was er verbraucht. Es ist ein schwieriges Thema und ich kann auf die Schnelle vorm PC jetzt auch nicht ein genaues Konzept entwickeln, aber das war meine Kritik.
http://www.zeit.de/online/2009/06/Architektur-Zukunft?page=all
@Rambay:
Das mit den 1000kWh würde konkurrenz-/markttechnisch keinen Sinn machen, trotzdem ein interessantes Konzept. Den Verkauf von Strom-Rechten finde ich gut, allerdings kann man bei den CO2-Emmisionsrechten der EU bereits sehen was für ein Markt dafür entstünde; Das Recht auf Frei- Strom wäre dann genauso teuer wie das Überziehen der 1000kWh Grenze. Außerdem ist es zum Beispiel für Besitzer eines Elektroautos unfair und würde daher die Verbreitung der Technologie nicht unterstützen.
Sollte man nicht dem Verbraucher überlassen für was er Steuern zahlt? Soll er doch einfach das zahlen was er verbraucht. Es ist ein schwieriges Thema und ich kann auf die Schnelle vorm PC jetzt auch nicht ein genaues Konzept entwickeln, aber das war meine Kritik.
Für einen 4-Personen-Haushalt werden ca. 4000 kWh Strom im Jahr benötigt, wofür Solarmodule mit ca. 4 kWp installiert werden müssten (ca. 35 qm).
Für ein E-Auto mit einer Fahrleistung von ca. 15000 km im Jahr braucht man nochmal ca. die Hälfte mehr dazu.
für mich war beides kein problem!
mit minisolaranlage konnte ich mich entscheiden entweder tagsüber musik hören/(video)fernsehen oder bohrmaschine, mixer, stichsäge... nutzen und abends dann weniger lange mit elektrischem licht (12V) lesen.
mit netzstrom entweder waschmaschine oder bewässerungspumpe oder brennholzsäge oder geschirrspüler...
als ich wieder nach d zurückkam mußte ich mich erst mal daran gewöhnen bei bedarf den elektrischen boiler, die waschmaschine, den trockner, den backofen, den herd und dazu noch das elektrische licht in der ganzen wohnung zusammen mit dem haarfön und dem fernseher gleichzeitig benutzen zu können.
ist das nötig?
eindeutig nein!
wenn der anschlußwert bei privathaushalten limitiert wäre, ergäbe sich schon von daher eine nicht unbeträchtliche entzerrung der spitzenlastzeiten!
Da würde mir in manchen Fällen eine Automatk helfen.
http://alles-schallundrauch.blogspot.com/
Der Klimawandel:
http://dotsub.com/view/4c13587a-ea76-4c4a-bbf7-eba2a48a58a6
Ozon-Lüge:
http://www.wahrheitssuche.org/ozon.html
Und Verbraucherschützer warnen bereits, dass es nicht so weit kommen darf, dass jemand aus Kostengründen das Mittagessen in der Nacht kochen muss.
Mein Fazit: Die "intelligenten Stromnetze" werden uns nicht so viel helfen wie erhofft.
Erstens muss man ja nicht unbedingt dann seine Wäsche waschen, wenn der Strom billig ist, und eine halb volle Maschine ist ja auch Energieverschwendung. Zweitens könnte das dazu führen, dass die nasse Wäsche mehrere Stunden in der Maschine liegt, da man nicht mitten in der Nacht aufsteht, um Wäsche aufzuhängen. Und Drittens könnte es die Nachbarn stören, z.B. in einer Mietwohnung.
An einer Stelle könnte man auf jeden Fall dieses Prinzip anwenden: Klimananlagen in warmen Ländern mit einer eigenen Solaranlage betreiben.
Bei allen Einsparungen, geht das leider zu Lasten der Umwelt, da wir uns schon genug Kredit genommen haben von der Umwelt, sollten wir ihr langsam etwas zurückgeben, ich denke das mindeste ist die Form des Naturstroms, deshalb sehe ich es als selbstverständlich an Naturstrom zu beziehen.
Falls Du welchen hast, ist diese Antwort nichtig, nur konnte ich aus Deinen Kommentar nicht ersehen, was für einen ANbieter DU hast.
VG
Rayner
Wenn man die Möglichkeit jat, warum nicht?
Ich habe das Glück in einem Haus zu wohnen. wo es keinen Nachbarn stört, wenn ich nachts um 1 meine Wäsche wasche oder was leckeres koche.
Und wenn ich damit meine Stromkosten senke, dann umso besser...
Noch ein Artikel dazu:
http://www.biallo.de/finanzen/Energie/neuerungen-2011-energie.php