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Gefährliche Chemikalien in der Outdoorbranche

Schwarzfärberei

Das grüne Image der Outdoorbranche bröckelt. Wieder wurden gefährliche Chemikalien in Funktionsjacken nachgewiesen – obendrein verhindern die Hersteller die Offenlegung der Daten. Kirsten Brodde wundert sich, warum auch fortschrittliche Firmen „Black-Washing“ betreiben und hofft auf einen Outdoorhersteller, der das Eis endlich brechen könnte.


Diese Woche feiert sich die Sport- und Outdoorbranche auf der ISPO in München. Passend zum Auftakt klärt uns Greenpeace darüber auf, dass namhafte Hersteller Ergebnisse von Schadstoff-Tests schwärzen ließen.  Das Umweltbundesamt (UBA) hatte 16 wetterfeste Jacken auf ihren Schadstoffgehalt prüfen lassen, aber die Ergebnisse nicht veröffentlicht.  Greenpeace forderte mit Hilfe des Umweltinformationsgesetzes erfolgreiche die Herausgabe des Tests, doch die Outdoor-Marken Schöffel, The North Face, Vaude sowie die Firma HKM Textil erklärten die hohen Werte von gesundheitschädlichen PFCs kurzerhand zum Betriebsgeheimnis, um eine Offenlegung zu verhindern. Grünfärberei kannten wir schon, Schwarzfärberei ist eine neue Variante. Mangelnde Transparenz schürt immer mein Misstrauen als Kundin. Warum machen durchaus fortschrittliche Firmen wie Vaude das, zumal gerade für den CSR-Preis der Bundesregierung nominiert?

Wozu die Maskerade?

Mehr noch: Eigentlich sind die Befunde bekannt.  Bereits im Oktober 2012 hatte Greenpeace einen Report veröffentlicht, der die Gefahr von PFC-haltigen Membranen und Imprägnierungen belegt.  Damals fand Greenpeace in allen 14 Jacken die zum Teil krebs erregenden und hormonell wirksamen PFCs, das UBA bestätigt die Daten und weist PFOA in allen 16 Samples nach. Die flüchtigen Vorläufersubstanzen (FTOH), auf die die Industrie ausweicht, finden sich darüber hinaus in 15 von 16 Jacken. Wozu also die Maskerade? Offenbar fürchtet die Branche um ihr sauberes Image und was sie jetzt auch wieder auf der ISPO zur Schau stellt. Richtig ist, dass viele Outdoorfirmen in die Fair Wear Foundation (FWF) eingetreten sind und damit in puncto Ethik vorbildlich sind. Auch die FWF sieht Transparenz vor – so schwer kann es also nicht sein.

Die Outdoorbranche hinkt hinterher

Was den Ausstieg aus gefährlichen Risiko-Chemikalien angeht, hinkt die Outdoor-Branche hinterher. H&M hat bereits bis Ende 2012 auf den Einsatz aller PFCs verzichtet (Regenkleidung!), die anderen 14 Unternehmen, die Greenpeace auf Detox verpflichtet hat, steigen bis spätestens Juli 2016 aus den PFCs aus.  Das haben sogar Firmen wie die britische Kaufhauskette Marks&Spencer geschafft, die bislang offenbar alle Timmies und Tommies ab drei Jahren in ganz England mit schmutzabweisenden Schuluniformen versorgen und als “heavy user” von PFCs gelten. Man kann Ketchup-Flecken übrigens auch in der Waschmaschine rausbekommen, liebe Briten, aber gut.

“United we stand, divided we fall”

Anyway, Greenpeace fordert auch von den Outdoor-Marken einen PFC-Verzicht. Als jemand, der die Firmen im vergangenen Jahr beobachtet hat und (Disclaimer) für den Greenpeace-Report mit verantwortlich war, vermute ich einfach Wagenburg-Mentalität der Branche. “United we stand, divided we fall” scheint das Motto zu sein, was verhindert, dass einzelne Outdoor-Firmen tapfer nach vorne marschieren, plus ein Dachverband, der die Firmen am Gängelband führt. Pech für die Branche, wie ich finde. Wagt sich die erste Outdoorfirma nach vorne, werden die anderen folgen. Neues Motto wäre dann: “Was die können, können wir auch”.

AKTUELL:  Gerade reingekommen. Ecotextile News meldet, dass Jack Wolfskin einen Bann für alle PFCs fordert und subito aussteigen will. Gucken wir mal, welche Schlupflöcher sich das Unternehmen lässt oder ob es der Eisbrecher ist, den es dringend braucht.


 Kirsten  

Kirsten Brodde, Blog-Gründerin und Autorin von "Saubere Sachen", hat das Thema Ökomode quasi aus dem Nichts entwickelt. Seit März 2012 ist sie Detox-Campaignerin bei Greenpeace International.

Text zuererst veröffentlicht auf: kirstenbrodde.de


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Thema: Grüne Mode, Stand: 05.02.2013 von

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    schrieb am 16.02.2013 um 11:51
    eine umstellung der bisherigen produktionsweise auf nachhaltige, giftfreie, umweltschonende produktion mit fairen arbeitsbedingungen würden immense gewinnverluste für die hersteller bedeuten - ich kann nicht glauben, dass die sich das ernsthaft vornehmen... solange die verbraucher konstante umsätze bringen wird sich da bestimmt auch nichts ändern.... der gute wille ist meiner meinung nach immer nur eine kurzfristige reaktion auf aktuelle skandale oder veröffentlichungen wie beispielsweise die detox-kampagne usw.... mehr weniger
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    schrieb am 11.02.2013 um 09:57
    Vielleicht ist ja der Weg für die gutwilligen Firmen auch ein stiniger. Vielleicht muss man alles doch als längerfristigen Prozess sehen, mit Höhen und Tiefen und die Gesamtrichtugn ist die entscheidende. Vaude hat sich ja nun wirklich viel vorgenommen, was über die grün-okologische Richtung hinein weitgehende unternehmerisch-wirtschafliche Änderungen bedeutet. Immerhin gehören sie zu den Vorreitern der Gemeinwohl-Ökonomie ( http://gemeinwohl-oekonomie.de/ ) und sind dort auf dem Weg, sich - extern - zertifizieren zu lassen. Bis in die Eigentumsfrage hinein.Damit würden sie schon sehr gäsern, über "Ökologie" hinaus.
    Wie gesagt - vielleicht braucht alles seine Zeit und der eine oder andere Rückschlag ist bei allem Nachaltigkeits- und CSR-Streben unvermeidlich. mehr weniger
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    schrieb am 08.02.2013 um 12:18
    Jack Wolfskin findest du gut? !?
    Die sind 2009 ziemlich hart gegen BastlerInnen auf Dawanda vorgegangen, die Produkte mit Pfoten drauf angeboten haben.
    Und jetzt gegen einen slovakischen Hunderschutzverein, der einen Pfotenabdruck als Logo hat.
    Ich kaufe nichts bei denen.
    Quellen:
    http://blog.dawanda.com/2009/10/20/jack-wolfskin-mahnt-dawanda-hersteller-ab/
    http://psiadusa.sk/jwd.htm mehr weniger
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    schrieb am 07.02.2013 um 22:21
    Passend zur Faschingszeit wird jetzt über das grüne Mäntelchen eine schwarze Ganzkörperplane gezerrt...! Besonders enttäuschend für meine Favoriten Vaude und Jack Wolfskin, waren doch beide - vor allem Vaude - schon auf einem guten Weg!
    Vielleicht hat es sich bei den Outdoorfirmen noch nicht herungesprochen, dass Naturverbundenheit und ökologische, giftfreie Kleidung eine untrennbare Einheit darstellen und von vielen Nutzern seit Jahrzehnten erhofft wird! Bewegung tut Not! mehr weniger
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    schrieb am 07.02.2013 um 13:38
    Na dann hoffen wir mal, dass Jack Wolfskin den Sprung schafft :) Ich konnte das Unternehmen schon immer sehr gut leiden. Ich drück die Daumen!
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