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besser: wissen - machen - kaufen
Schokolade ist – zumindest in den Industrienationen – omnipräsent und günstig verfügbar. An unglaublich vielen Orten wird sie angeboten. Ob das die Fluglinie, der Baumarkt oder die Parfümerie ist, die Schokoherzen verteilt: Die süße braune Masse wird mit Belohnung assoziiert und positiv eingeordnet. Doch in letzter Zeit wurden immer häufiger Berichte veröffentlicht, die Schokolade mit Kinderarbeit in Verbindung bringen. Das ist einerseits gut, denn so verdirbt das Wissen um dieses Elend vielleicht der Masse den Appetit auf „Kinder“-Schokolade.
Andererseits lässt die Schokoindustrie trotz der negativen Berichte kaum Tatendrang erkennen und nimmt weiterhin Kinderarbeit und -sklaverei wissentlich in Kauf. Eine Haltung, die sie sich offensichtlich immer noch leisten kann – es sei denn, die Kunden würden reagieren und nachfragen oder gleich auf fair hergestellte Produkte umschwenken. Denn bekannt ist der Industrie auch, dass unsere Gehirne für eine Extra-Portion Endorphine durch Schokolade fast jeden Schmerz verdrängen. Zudem sind Wissen und Handeln bekanntlich zwei Dinge, die sich hervorragend aus dem Weg gehen können.
Über 90 Prozent der weltweit produzierten Schokolade wird in den Industrieländern konsumiert. Machen wir uns also nichts vor: Mit unserem „Heißhunger auf Süßes“ werden alljährlich Milliardengewinne gemacht – finanziert von Hunderttausenden schwerst arbeitender, unterernährter Kinder, die als billigste Arbeitskräfte gehandelt werden.
Größter Kakaobohnenlieferant ist Afrikas Elfenbeinküste, wo 35 Prozent des Weltbedarfs an Kakao erzeugt werden. Von dort stammt auch mehr als die Hälfte des Kakaos, der in Deutschland verarbeitet wird. Von den zirka eine Million Kakaobauern vor Ort, leben die meisten am Existenzminimum und spannen ihre Kinder für die Arbeit ein. Denn sie sind der einzige Kostenfaktor, den die Bauern beeinflussen können. Im Jahr 2007 recherchierte der „ARD Monitor“, dass mehr als 600.000 Kinder auf den Kakaoplantagen schuften. Über 60 Prozent der arbeitenden Kinder sind unter 14 Jahre alt und 40 Prozent von ihnen sind Mädchen.
Kinderarbeit ist ein Symptom der Armut
Viele Institutionen betonen, dass Kinderarbeit nicht per se ausbeuterisch sein muss: Werden Kinder ihrem Alter und ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt, erlangen sie laut Terre des Homes, „Selbstbewusstsein und lernen, gemeinsam mit anderen produktiv für die Gemeinschaft zu sein“.
Die Vereinten Nationen haben sich daher im ILO Abkommen 182 (International Labour Organisation) darauf geeinigt, nur die „schlimmsten Formen der Kinderarbeit“ zu ächten.
Dazu gehören:
• Zwangsarbeit (laut einer UNICEF Studie und einem Report des U.S. State Department’s of Human Rights gibt es schätzungsweise 15 000 Kinder, die in Westafrika im Alter zwischen neun und sechzehn Jahren von Menschenhändlern verschleppt, verkauft und auf Kakao- Kaffee- und Baumwollplantagen zu Zwangsarbeit angehalten werden.)
• die Zwangsrekrutierung für das Militär
• sexuelle Ausbeutung durch Prostitution oder Pornografie
• gesundheitsgefährdende Arbeiten wie beispielsweise der Umgang mit Explosivstoffen wie es häufig in indischen Steinbrüchen vorkommt.
Darüber hinaus verbietet die ILO zusätzlich Arbeit von Kindern unter zwölf Jahren und definiert Arbeit als ausbeuterisch, wenn sie die Gesundheit beeinträchtigt - etwa durch das Tragen schwerer Lasten oder sehr lange Arbeitszeiten. Faktisch und gesetzlich muss das Abkommen von allen Staaten der Welt umgesetzt werden. Aber wie so oft liegen zwischen Schönreden und Bessermachen abgrundtiefe Defizite.
Kommentare (21)
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Emscherperle
schrieb am 15.02.2012 um 11:12 ¶TommyX
schrieb am 03.02.2012 um 11:51 ¶Kommentar schreiben
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