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BIO-Hotels Wine Award

Schmeckt Bio-Wein besser?


Utopia: Was macht einen Bio-Wein besser als einen konventionellen?

Jürgen Schmücking: Die Frage ist heikel und extrem schwierig zu beantworten. Wenn Sie professionellen Verkostern 10 Weine zum Probieren geben, von denen 5 bio und 5 konventionell sind, wird es keine Jury der Welt schaffen, zuverlässig (und reproduzierbar) die Bio-Weine herauszufinden. Sprechen Sie jedoch Winzer an, die kürzlich auf biologische oder biodynamische Bewirtschaftung ihrer Weingärten umgestiegen sind, werden sie von deutlichen Unterschieden zwischen „vorher“ und „nachher“ berichten. Die Bio-Weine werden von ihren Winzern dann als authentischer, lebendiger und erdiger beschrieben. Abgesehen davon bin ich davon überzeugt, dass ein Wein nicht unabhängig von seinem Herstellungsprozess zu bewerten ist. Und da schlägt Bio-Wein konventionellen um Längen.

Würden Sie einen konventionellen Wein trinken?

Jürgen Schmücking: Ja. Sehr viel sogar. Das darf Sie aber nicht überraschen. Erstens brauche ich den Vergleich für meine Urteilsbildung. Manche Weine gelten als „Maßstab“ und es ist für Weinkenner und mich als Journalisten einfach erforderlich, diese Weine und die entsprechenden Stile zu kennen. Bordeaux ist dafür ein gutes Beispiel. Die klassifizierten Chateaux beschäftigen sich nur zögerlich mit dem Trend zum Bio-Wein. Trotzdem sind es Monumente, die jeder seriöse Weinkritiker kennen muss. Aber um das Bild wieder zurecht zu rücken: In meinem Keller lagern bedeutend mehr Bio-Weine als konventionelle.

Nach welchen Kriterien haben Sie die Best of Bio-Weine gekürt – gibt es da eine bestimmte Methode?

Jürgen Schmücking: Das einzige Kriterium bei der Auswahl ist persönliche - sprich individuelle - Gefälligkeit eines Weins. Die Weine wurden in 10er-Gruppen zusammengefasst und von 4 oder 5 Personen blind verkostet. Während bei anderen Verkostungen jegliche Kommunikation strikt untersagt ist, ist es beim Best of Bio-Wine Award der BIO-Hotels „verboten“, nichts zu sagen. Das Ergebnis - aus jeder 10er-Gruppe EINEN Best of Bio-Wein herauszufinden - ist ein Kommunikatives. Verkostet wird bei Best of Bio übrigens ausschließlich von weinaffinen Laien. Dass die Weine fehlerfrei sind, wurde vorab von professionellen Verkostern überprüft und gewährleistet.

Kann man Wein denn überhaupt objektiv beurteilen?

Jürgen Schmücking: Man kann Wein sehr wohl objektiv beschreiben und auf seine Inhaltsstoffe reduzieren. Guten Verkostern ist es möglich, sensorisch den Restzuckergehalt, den Alkohol, die Herstellungsmethode, den Reifezustand oder das Aromen-Spektrum zu erfassen. Das alles ist objektiv feststellbar. Sobald es aber darum geht, diese Information in einen bewertenden Kontext zu stellen, ist es mit der Objektivität vorbei. Dazu ein kleines Beispiel. Es gibt eine Reihe von deutschen Verkostern, die sich des 100-Punkte-Schemas von Robert Parker bedienen. Sie bewerten Weine auf einer entsprechenden Skala und reduzieren damit sämtliche Qualitäten und Aspekte eines Weins auf eine Zahl. Diese Zahl ist für mich aber nur dann informativ, wenn ich auch weiß, wer sie vergeben hat. Dieses Dilemma haben wir gelöst, indem wir uns bei Best of Bio gesagt haben, „wenn Weinbewertungen ohnehin immer etwas Subjektives haben, dann ordentlich“.

Die wichtigsten Siegel für Bio-Wein


Beurteilen Sie eigentlich nur den Wein an sich oder geht es auch um Dinge wie Erntemethoden, Verarbeitung und Hygiene vor Ort in den Keltereien?

Jürgen Schmücking: Nein. Wir fordern das Bio-Zertifikat der teilnehmenden Weine und Erzeuger ein und gehen darüber hinaus davon aus, dass die Hygienerichtlinien von EU und nationaler Gesetzgebung eingehalten werden. Eine individuelle Überprüfung wäre bei 400 Weinen unwirtschaftlich und undurchführbar.

Die 39 Best of Bio-Weine sind ausschließlich europäisch. Haben Sie Weine aus Übersee nicht getestet, weil die entsprechenden Transportwege nicht zur Bio-Philosophie passen?

Jürgen Schmücking: GEPA hat ein paar Fair-Trade Weine aus Südafrika und Südamerika eingereicht. Prozentual fielen diese Weine aber nicht ins Gewicht. Es war keine grundlegende Entscheidung gegen „Neue Welt“-Weine. Das Argument mit der Entfernung und der Bio-Philosophie ist extrem komplex. Es gibt zuverlässige Studien, die belegen, dass Weine aus Spanien oder Frankreich, die per LKW quer durch Europa transportiert werden, eine schlechtere CO2-Bilanz aufweisen, als Weine aus Argentinien oder Chile, die mit Containerschiffen über den Atlantik und dann per Schiene in die Verteilzentren Deutschlands oder Österreichs gebracht werden. Bei dieser Diskussion bewegen wir uns immer auf dünnem Eis, sodass wir die Teilnahme nicht einschränken. Es stimmt allerdings, dass Weine aus der „Neuen Welt“ in den Weinkarten der BIO-Hotels eher die Ausnahme sind.  


Jetzt weiterlesen: Die besten Bio-Weine 2012

Jürgen Schmücking ist schreibender Reisender in Sachen Wein und Kulinarik. Er ist Diplom-Sommelier, Diplom-Käse-Sommelier und geprüfter Barkeeper, der in Tirol trinkt und arbeitet.  Als Verkostungsleiter ist Jürgen Schmücking beim Best of  Bio-Wine Award der BIO-Hotels aktiv, die dieses Jahr bereits zum fünften Mal die besten Bio-Weine prämierten.  

Stand: 23.10.2012 von

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    schrieb am 26.10.2012 um 14:16
    Da Geschmackserleben durchaus "ganzheitliche" Aspekte hat, die über die reine Sinnesrezeption via Zunge, Nase und Gaumen hinausgehen, beeinflussen für mich den Geschmack auch die Faktoren die oben schon "Bada" erwähnt hat, und jede/r der um diese Dinge weiß hat dann bei Nicht-Bio-Wein sicher einen gewissen indirekten "bitteren Beigeschmack", sofern sie/er das nicht verdrängt mehr weniger
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    schrieb am 23.10.2012 um 19:41
    Was für Bio-Weine gilt, ist im allgemeinen für alle Lebens- und Genußmittel ausschlaggebend.

    In einem engen Spektrum kann man eine Bewertung vielleicht als "objektiv" gelten lassen: aber letztendlich sind Geschmäcker nun mal sehr unterschiedlich.

    Dabei kommt es insbesondere auf die Ernährung jedes Einzelnen an: jemand, der z.B. auf Geschmacksverstärker oder Fleisch in seiner Nahrung verzichtet, wird das Aroma und den Geschmack eines Weines anders empfinden als jemand, der das eben nicht tut. mehr weniger
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    schrieb am 23.10.2012 um 17:09
    Zitat:

    "Chemische Spritzmittel und künstliche Dünger sind beim Anbau von Bio-Wein tabu. Ob er deshalb besser mundet?"

    Mit absoluter Sicherheit mundet er dem Boden, den Pflanzen und Insekten und auch denjenigen, die keine Pestizide einkaufen und versprühen müssen und damit mundet er auch jedem, der an Genuss und Erhalt der natürlichen Lebensbedingungen Interesse hat.
    Deshalb laßt es euch munden.... :-)) mehr weniger
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