Monopol adé

Rußige Zeiten für Schornsteinfeger



Flyer FDP Schornsteinfeger rausDie Emotionen schlagen hoch: „Schornsteinfeger raus aus meinem Haus“, fordert die Berliner FDP auf einem Flyer. „Der Schornsteinfeger hat überhaupt nichts mit dem Umweltschutz zu tun“, behauptet die „Interessengemeinschaft für ein zeitgemäßes Schornsteinfegerwesen“. Und auf der Website www.schofeg.de wird für einen „Vereinten Kampf gegen das deutsche Schornsteinfegerunwesen“ getrommelt. Bringen Schornsteinfeger etwa kein Glück mehr?

Wie zu erwarten ist der „Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks“ anderer Meinung: „Zum Glück gibt´s den Schornsteinfeger“ überschreibt er einen Flyer, der Argumente für den umstrittenen Berufsstand liefert: Über 13 Millionen Feuerungsanlagen (Öl, Gas und feste Brennstoffe) tragen erheblich zur Luftverschmutzung in Deutschland bei - aufgrund ihrer „relativ niedrigen Quellhöhe“. Dabei würden rund 380 Millionen Tonnen CO2 abgegeben. „Zur flächendeckenden Überwachung dieser Anlagen wäre eine große Anzahl von Staatbediensteten nötig“, so der ZIV.

Stattdessen passen die Bezirksschornsteinfeger auf: Sie arbeiten als „staatlich beliehene Unternehmer“ und prüfen in Deutschland, ob die Feuerungsanlagen alle Anforderungen erfüllen, die sich aus der ersten Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) ergeben. So dürfen nur zehn Prozent des eingesetzten Brennstoffs als Abwärme in die Umwelt entweichen. Die jährlichen Immissionsschutzmessungen der Schornsteinfeger zeigen: 7,6 Prozent der Öl- und 4,2 Prozent der Gasfeuerungsanlagen blasen mehr Abwärme in die Luft.
Daher ist sich der Zentralinnungsverband sicher: „Ohne regelmäßige Überwachung durch den Schornsteinfeger wäre es in Deutschland um den Immissionsschutz schlecht bestellt, denn seit den 80er Jahren konnte die jährliche Zahl der Umweltsünder halbiert werden.“ Weiterhin schreibt der Verband: „Bei der Beurteilung sind Schornsteinfeger neutral und unabhängig. Sie haben kein wirtschaftliches Interesse, Anlagen zu warten oder zu erneuern.“

Doch genau diese Kontrollen sind der Berliner FDP ein Dorn im Auge: „Es entbehrt jeder Vernunft, dass eine moderne Heizungstechnik, die einer regelmäßigen Kontrolle und Wartung unterliegt, eine doppelte Abgasmessung braucht“, so Sebastian Czaja, der für die FDP im Berliner Abgeordnetenhaus sitzt. In diese Kerbe schlägt auch die „Interessengemeinschaft für ein zeitgemäßes Schornsteinfegerwesen“: „Die angeblichen ‚Messungen’ der Schornsteinfeger sind sinnlos, wertlos, für den Bürger aber leider nicht kostenlos.“ Alle modernen Heizungsgeräte seien ab Werk „höchst effizient“ eingestellt. Die „Feineinstellung vor Ort“ könne der Heizungstechniker oder der Betreiber selbst übernehmen. Der Wahlspruch „Wer wartet, darf nicht messen“ habe bei qualifizierten Handwerksbetrieben keine Gültigkeit mehr. Die Interessengemeinschaft besteht aus Mietern, Hausbesitzern und Gewerbetreibenden (http://start.schornsteinfegermonopol.de).

Kritik am Schornsteinfegerwesen in Deutschland hat sich auch auf EU-Ebene entzündet. Stein des Anstoßes ist vor allem ein „antikes Schornsteinfegermonopol“, wie es der Wirtschaftswissenschaftler Helmut Seitz von der TU Dresden nennt. Worum geht´s? Das bisherige Schornsteinfegergesetz hat zu einem Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland geführt, weil es nicht mit dem europäischen Gemeinschaftsrecht in Einklang steht.
Die EU-Kommission kritisierte im April 2003: Nach deutschem Recht darf pro Bezirk nur ein Bezirksschornsteinfegermeister sein Handwerk ausüben. Außerhalb seines „Kehrbezirkes“ ist es ihm nicht erlaubt, tätig zu werden. Umgekehrt bedeutet das: Hausbesitzer können sich nicht aussuchen, welcher Schornsteinfeger ihre Heizung kontrollieren soll. So entsteht ein Monopol, das mit freiem Wettbewerb nicht vereinbar ist.
Daher wurde ein neues Schornsteinfegergesetz nötig, das nächsten Monat in Kraft tritt: Bei entsprechender Qualifikation kann jetzt auch ein französischer Schornsteinfeger in Deutschland Kamine putzen (Dienstleistungsfreiheit). In einem „Schornsteinfegerregister“ können Hausbesitzer nachschauen, wer für diese Arbeit in Frage kommt. Diese Daten stellt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle ins Internet.


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    Schorni
    schrieb am 25.08.2010 um 07:00
    Mal an Alle. Dann schaffen wir aber auch den TÜV ab-den jeder Autoreperatur Betrieb ist ja auch ein Meisterbetrieb. Warum als doppel-moppeln? Auch die TÜV Prüfung auf Verkehrsstauglichkeit wird dann ja auch mit abgeschafft-oder? Möchtet Ihr in einer Welt leben in der kein Fahrzeug mehr...
  • gelöscht am 23.01.2010 um 10:21 von goldy007
    Dieser Kommentar wurde gelöscht..
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