Biofach 2012 – Lebensbaum
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besser: wissen - machen - kaufen
Herr Nehberg, 1980 haben Sie bei einer Survival-Reise im brasilianischen Urwald die systematische Verfolgung der Yanomami-Indianer entdeckt. War das ein Wendepunkt in Ihrem Leben?
Ja. Bis dahin war ich einfach aus Neugier gereist, aus Spaß am Abenteuer und am Risiko. Als ich dann in Brasilien Augenzeuge des drohenden Völkermordes an den Yanomami wurde, war das der Beginn meines lebenslangen Engagements. Ganz wichtig war der Film, den ich damals zusammen mit dem Münchner Filmemacher Wolfgang Brög gemacht habe. Ich habe undercover als Goldsucher gearbeitet, und Brög hat mit versteckter Kamera dokumentiert, was in Brasilien hartnäckig geleugnet wurde: das ganze Ausmaß der illegalen Goldsuche mit ihren fatalen Folgen für die Indianer. Der Film wurde im ZDF gezeigt, Greenpeace hat ihn tausendfach kopiert und an TV-Redaktionen in aller Welt verteilt, wir haben ihn bei der Weltbank und der Uno vorgestellt. Vor allem die Zusammenarbeit mit der Weltbank bewirkte später den entscheidenden Druck auf die Regierung in Brasilien.
Sie selbst sind so etwas wie ein High-Risk-Engagierter, der den Atlantik auf einem massiven Baumstamm (einer Schweizer Tanne), einem Tretboot, einem Bambusfloß überquert, um auf das Schicksal der Yanomami aufmerksam zu machen! Ist das Risiko der Preis, den man zahlen muss, um eine breite Öffentlichkeit zu erreichen?
Es ist kein Preis, es ist eine Belohnung. Ich liebe das Risiko. Je ungewöhnlicher, desto besser, auch medienwirksamer. Die Medien, die Fotos vom Vordringen der Goldsucher und die ideale brasilianische Verfassung wurden zu meinen Waffen. Unschlagbar. „Abenteuer mit Sinn“ wurde zu meinem Markenzeichen. Die Atlantiküberquerungen waren für mich aber nicht so riskant, wie es sich für Nicht-Seeleute, für Sesselhocker anhört. Ich hatte ein Gasttraining bei den Kampfschwimmern absolviert, meine Fahrzeuge waren unsinkbar. Selbst wenn das Gefährt zu Bruch gegangen wäre, hätte ich die Reste zusammenbinden können und wäre drüben angekommen. Es existiert eine entsprechende Strömung. Die muss man kennen, dann kommt sogar ein Idiot in Amerika an.
…Sie übertrieben…
Vielleicht. Aber was stimmt: je verrückter das Fahrzeug, desto größer das Interesse der Medien. Man muss etwas bieten, wenn man sein Anliegen ins Gespräch bringen will. Etwas komplett Neues, etwas mit Nachrichtenwert.
Berühmt sind Sie als „Sir Vival“ geworden. Reisen ohne Hilfsmittel ist die wahrscheinlich nachhaltigste Form, unterwegs zu sein. Spielte das für Sie eine Rolle?
Anfangs zählte beim Survival nur der Selbsterhaltungstrieb, die Rückbesinnung und Aktivierung der Ur-Instinkte. Ich wollte mir beweisen, dass ich mich von der Gesellschaft und dem vielen Luxus monatelang unabhängig machen kann, dass ich splitternackt im Urwald alleine klarkomme. Es hat mich glücklich gemacht, dass ich noch genauso funktioniere wie ein frei lebendes Tier. So kam ich von Torten zu Tortouren.
Aber was ist mit den Survivalfreunden und Naturliebhabern, die einmal um den Globus jetten, um durch den tasmanischen Urwald zu wandern? Die verbrauchen nur mit dem Flug das CO2-Äquivalent zu 120 Kühlschränken, die ein Jahr laufen.
In dieser Hinsicht bin ich ja selbst kein gutes Vorbild. Ich fliege zwangsläufig sehr viel. Vor allem wegen meines aktuellen Weltprojektes gegen die Verstümmelung. Aber ich hoffe, dass das, was ich damit bewirke, wertvoller ist, als der Schaden, den ich anrichte.
Richtig ist, dass nicht jeder im Urlaub um den Globus fliegen muss. Jeder sollte seine Urlaubsplanung hinterfragen. Muss man nach Dubai fliegen, um auf den Dünen zu surfen, wenn man das an der Ostsee genauso gut kann?
Um auf Missstände aufmerksam zu machen, besuchen Sie die Länder und schaffen Öffentlichkeit. Wie aber sollen sich Urlauber verhalten? Soll man Länder meiden, die Menschenrechte mit Füßen treten, oder erst recht hinfahren?
Vom Massentourismus in solche Länder rate ich ab. Menschen werden in Hotels gepfercht und in Ressorts rund um die Uhr unterhalten, sie kommen gar nicht unter die Bevölkerung, lernen die Kultur und die Missstände nicht kennen. Anders sieht es mit Individual-Touristen aus. Sie können den Einwohnern signalisieren, dass es auch anders, vielleicht demokratischer geht. Sie können ihnen Mut und Hoffnung machen.
Reisen und Engagement gehörten seitdem für Sie zusammen. Was kann der normale Tourist unterwegs anpacken?
Dem Einzelnen rate ich, mit wachen Augen durch die Länder zu reisen, in denen Armut und Unrecht an der Tagesordnung sind. Vielleicht kann man sich eines der vielen Kinder, die morgens auf den Müllhalden arbeiten müssen und nie eine Chance haben zur Schule zu gehen, rauspicken und es zu seinem Patenkind machen, ihm zum Beispiel eine Ausbildung garantieren. Dabei muss man sicherstellen, dass das Geld auch zielgerecht verwendet wird.
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Mit freundlicher Genehmigung von ENTER – Das Engagement-Magazin.

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