Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.
Chat-Protokoll

Alles nur heiße Luft?


Moderator: Hallo und ein herzliches Willkommen zum heutigen Utopia-Chat mit Ronny Meyer, dem Experten für energiesparendes Bauen. Wir haben bereits einige spannende Fragen vorab zugeschickt bekommen und freuen uns auf weitere interessante Fragen und Anregungen. Es handelt sich wie immer um einen moderierten Chat, das heißt: Alle Fragen werden von einem Moderatoren-Team verwaltet und an die Chat-Hauptpersonen nach und nach weitergeleitet. Um 18:30 Uhr geht es los. Sie können jetzt schon Ihre Fragen stellen.

Es ist 18:30 Uhr, der Chat beginnt.

Moderator: Wie immer die Startfrage: Lieber Ronny Meyer, sind Sie bereit?

Ronny Meyer: Ja.

Jonas: Wie ist die Ökobilanz von Dämmungen (also der Energieaufwand von Produktion und Entsorgung vs. Einsparungen)?

Ronny Meyer: Da es sehr viele Dämmstoffe gibt, gibt es auch viele Ökobilanzen. Man kann aber sehr schön eine Pi mal Daumen Rechnung aufmachen, wenn man davon ausgeht das z.B. ein Kubikmeter Polystyrol rund 120 Euro kostet. Man weiß, dass man mit einem Kubikmeter Polystyrol pro Jahr, wenn es als Fassadendämmung verwendet wird, ca. 60 Liter Heizöl einsparen kann. Dann können bei den aktuellen Energiepreisen maximal 200 Liter Öl für die Produktion von einem Kubikmeter Polystyrol draufgehen. Natürlich braucht man viel weniger Öl für die Produktion von Polystyrol. Eine Polystyrol-Dämmung hält mindestens 30 Jahre. Mit dieser Rechnung kann jetzt jeder verstehen, dass die Ökobilanz von Dämmstoffen positiv sein muss.

Hugo: Was genau ist denn Polystyrol?

Ronny Meyer: Polystyrol ist die allgemeine Bezeichnung für Styropor.
Styropor ist ein Markenname.

Lian75: Wie ökologisch sinnvoll ist eine Heizungsumstellung von Öl auf Holzhackschnitzel?

Ronny Meyer: Zunächst allein wegen der CO2-Bilanz, die bei Öl viel schlechter ist als bei Holzhackschnitzeln. Allerdings ist eine Umstellung auf Holzhackschnitzel-Biomasse nur dann wirklich sinnvoll, wenn zuvor das Gebäude gedämmt wird, damit der Energieverbrauch und damit die CO2-Belastung noch weiter runtergeht.

Moderator: Noch einmal eine Nachfrage zu Polystyrol.

Nina: Wie wird Polystyrol abgebaut?

Ronny Meyer: Da muss ich nachfragen. Meinen Sie nach der Entsorgung? Auf der Müllkippe?

Nina: Ja.

Ronny Meyer: Da muss ich ehrlich sagen bin ich zu wenig Chemiker, um hier eine hundertprozentige Aussage treffen zu können ... Allerdings wissen wir, dass das Recycling heute soweit ist, dass wir alle Kunststoffsorten weitgehend in den Rohstoffkreislauf zurückführen können. Wie weit dies bei Polystyrol heute geschieht, kann ich nicht genau sagen.

Delattre: Der 'Dämmungshype' kommt mir als Nicht-Fachmann manchmal irrsinnig vor. Müssen wir das alles nicht in ein paar Jahren mit Krankheiten und Schimmelpilzen bezahlen?

Ronny Meyer: Angst ist kein guter Berater. Müssten wir im Winter dann nicht auch von einem Wintermantel-Hype sprechen? Häuser, die richtig gedämmt wurden, können nicht schimmeln. Es gibt mehr kranke Menschen in schlechten Häusern, weil dort das Raumklima aufgrund einer schlechten Bauphysik zu Krankheiten führen kann. Plädoyer: dämmen ja, aber nur mit Fachleuten.

Arno Hohense: Ihr Kollege Dieter Wieland plädiert in der "Natur und Kosmos" für altertümliche, schwere Wände als beste Dämmung. Moderne Dämmverfahren lehnt er ab und hält den Dämm-Hype für Propaganda der Industrie. Was meinen Sie dazu?

Ronny Meyer: Das Schöne an der Demokratie ist, dass wir hier Meinungsfreiheit haben. In Bezug auf die Bauphysik ziehe ich jedoch physikalisches Wissen einer persönlichen Meinung vor. Die Physik sagt ganz klar, dass schwere Baustoffe schlecht dämmen, und man in solchen Häusern kein gutes Raumklima hat. Man denke z.B. an kalte Kirchen, womit wir wieder beim Wintermantel sind, der optimalerweise aus leichten „Dämmstoffen“ gefertigt ist. Ein Satz zur Industrie: Dass es positive Produkte in dieser Welt gibt, mit denen die jeweiligen Hersteller auch Geld verdienen, ist meines Erachtens nicht verwerflich.

Dude: Ich kenne Häuser mit großem Dachüberstand. Das schützt im Sommer vor Sonne und im Winter lässt es die Sonne rein. Bei den meisten Neubauten sehe ich fast keinen Dachüberstand. Wird das nicht mehr als sinnvoll angesehen?

Ronny Meyer: Doch: ein großer Dachüberstand ist sinnvoll. Warum man oftmals auf ihn verzichtet, liegt vermutlich in der gewünschten Architektur oder vielleicht auch daran, dass man den Bauträger derart im Preis gedrückt hat, dass er spart, wo er kann, z.B. beim Dachüberstand. Die Vorteile eines Dachüberstandes sind neben der Verschattung vor allem der konstruktive Schutz der Fassade vor Witterungseinflüssen.

heemannl: Unser Bauträger baut nach KfW70 Norm mit Wärmedämmverbundsystem - ist das noch „state of the art“?

Ronny Meyer: Die KfW70-Norm macht ein Wärmedämmverbundssystem nicht erforderlich. Wahrscheinlich hat der Bauträger vergessen, einen Wärmebrückennachweis zu berechnen. Diese Nachlässigkeit muss der Hauskäufer mit einem Wärmedämmverbundssystem teuer bezahlen. Viel besser ist die KfW55-Norm, also das KfW-55-Effizienzhaus. Allerdings muss man das Rechenverfahren sehr gut beherrschen, aber dies ist dann tatsächlich „state of the art“.

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Stand: 17.09.2009 von

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    schrieb am 28.12.2009 um 12:40
    Lieber Christian,
    danke für Deine fachliche Einlassung zum Thema Polystyrol an Altbauten. Aus der Praxis kommend, kann ich Deine Liste der Nachteile noch locker verlängern ( Stichwort: Kleber, Altputz,Laibungen etc.). Seit 20 Jahren wird in Ostdeutschland eine VWS Technik verarbeitet, die sich vorher im Westen bei der Sanierung von Altbauten schon nicht bewährt hat und hüben wie drüben zu katastrophalen baulichen Zerstörungen geführt hat.
    Q-holzbau mehr weniger
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    schrieb am 28.12.2009 um 12:26
    Um einen allgemeinen Überblick zu einem riesigen Thema zu bekommen, mag der Chat ja ausgereicht haben. Ich wünsche mir eine differenzierte und fachliche Auseinandersetzung, deren Horizont nicht auf
    Tresenhöhe aufhört. Diskutiert bitte spezielle Einzelfragen nacheinander aus!
    Q-holzbau
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    schrieb am 25.11.2009 um 16:49
    Wenn hier Polystyrol als guter Dämmstoff empfohlen wird, dann darf ich an Ihnen Herr Meyer als Experten stark zweifeln. Mag sein das zur Herstellung von Polystyrol weniger Erdöl benötigt wird als dann eingespart wird. Aber haben Sie sich mal den Stoffkreislauf von Polystyrol angeschaut. Man muß kein Chemiker sein um zu wissen das es ein weiter Weg von Erdöl zu Polystyrol ist. Welche giftigen Abfallprodukte entstehen bei der Produktion, wie hoch ist der primär Energieeinsatz, wieviel Erdöl ist noch als Recource vorhanden, .....ganz zu schweigen von dem was nach diesen angeblichen 30 Jahren Lebensdauer wird. Es ist bis heute eben nicht möglich das ein so "umgebautes" Erdöl wieder in den Stoffkreislauf aufgenommen wird. Ganz im Gegensatz zu einem Naturdämmstoff, z.B. Kork, der auch noch den Vorteil hat das er mit Feuchtigkeit umgehen kann, so dass das Haus keine Plastiktüte angepasst bekommt. Ich würde mich freuen wenn ihr utopisten Experten Euch mal wirklich richtig mit den Fragen die ihr so leichtfertig beantwortet beschäftigen würdet.

    Gudula mehr weniger
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    schrieb am 02.11.2009 um 09:59
    Polystyrol sollte das letzte Mittel zur Dämmung sein. Leider gibt es mittlerweile sogar Häuser, die eine mit Beton vergossene Polystyrolschale haben. Der Primär-Energieaufwand für die Herstellung solch eines Hauses ist immens, das Wohnklima nicht unbedingt optimal und Haltbarkeit, Entsorgung, bzw. ein unerwünschter Brandfall bedenklich. Wird dann auch noch verkehrt geheizt/ gelüftet wird auch in den Folgejahren die Herstellungsenergie nicht mehr herein geholt.

    Natürliche Dämmstoffe wachsen mittlerweile z.T. "um die Ecke" und deren Mehrpreis gegenüber 08/15-Dämmstoffen hat nachgelassen. Dadurch, dass man diese oft selbst verbauen kann, im Gegensatz zum WVS, lässt sich die verbleibende Kostendifferenz weiter schmälern. Positive Zusatzeffekte sind der bessere sommerliche Wärmeschutz und die bessere Schalldämmung.

    Ich schätze Ronny im Bereich "Selbst bauen" sehr, doch beim Energie sparen, erneuerbaren Energien, u.s.w. sind die Veröffentlichungen (vor allem die etwas Älteren) leider nicht ganz uptodate. Sorry... mehr weniger
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    schrieb am 24.09.2009 um 09:27
    Ich dämme bei unserem denkmalgeschützten Altbau (Bruchsteinmauern) jetzt nur noch auf dem Dachboden mit einer Schicht Isofloc und kümmere mich um neue Fenster, mache die Ritzen wieder dicht und das wars.

    Intelligente EInzelraumregelung für die Heizung und EIB-Steuerung tun das übrige.

    Geheizt wird mit Pellets, Solarunterstützung und zwei Holzöfen. Eine Wärmepumpe macht bei einem Altbau mit Verbrauchswerten um die 100 kWh/m²*a keinen Sinn. Die Vorlauftemperatur der Heizungsanlage ist zu hoch.

    Info: http://www.gutedel.com mehr weniger
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