Reise-Spezial zur ITB Berlin - CSR-Day
„Wir wollen Kunden beraten, nicht erziehen“
Die ganze Welt an einem Tag – mit guter Kondition und vor allem bequemen Schuhen ist das vielleicht machbar: auf der ITB präsentieren sich bis 14. März 187 Länder in 26 Messehallen. Das sind fast alle, zu denen Deutschland diplomatische Beziehungen unterhält. Wer umweltfreundliche und sozialverträgliche Reiseangebote sucht, muss bei seiner Weltreise durch die Hallen jedoch aufmerksam die Augen offen halten. Dann entdeckt er womöglich am Rumänien-Stand (11.1/105) den Ökotourismusverband, der unter anderem in den Karpaten sehr engagiert Community Based Tourism und Naturschutzprojekte entwickelt. Oder er wird am Stand der freundlichen Kirgisen zu einer Reittour oder Skiwanderung in ihre touristisch noch fast unberührte Bergwelt eingeladen.
Selbst in der themenspezifischen „Adventure & Eco-Tourism“-Halle 4.1 darf er sich nicht vom Wikingerschiff, der Vulkan-Atrappe oder der simulierten Welle, auf der Anzugträger wackelige Surfversuche unternehmen, ablenken lassen. Denn hier gibt es Einiges zu entdecken: Etwa die Rainforest Alliance, die eine nachhaltige touristische Infrastruktur in Lateinamerika entwickelt. Oder Eco Adventures, der 1995 gegründete erste indische Anbieter umweltfreundlicher, sozialverträglicher Abenteuerreisen.
Oder das geradezu visionäre Open Youth Travel Network: Seit bereits zehn Jahren entwickelt es in enger Zusammenarbeit mit NGOs den Tourismus in ländlichen Gebieten Bosnien-Herzegovinas. Dabei werden nicht nur Umweltschutz und die Menschen vor Ort gefördert, sondern vor allem junge, von Arbeitslosigkeit in besonderem Maße betroffene Leute, um der Abwanderung aus dem Land entgegen zu wirken. Auch das Forum anders reisen hat hier seinen Stand und Tourism Watch und der Evangelische Entwicklungsdienst bieten Broschüren an.
Fachbesucher haben es inzwischen etwas einfacher: Für sie gibt es seit 2009 den sogenannten CSR-Day. Aber auch 2010 scheint das Thema für den Großteil der Branche noch neu zu sein – zumindest referiert Andreas Storm, Staatssekretär im Arbeitsministerium, einleitend über „Die Bedeutung von Corporate Social Responsibility für den Tourismus heute“. Sein Fazit: CSR dürfe für Unternehmen keine Nebensächlichkeit sein, die kritische Aufmerksamkeit der Menschen sei heute zu groß. „Freiwilligkeit darf nicht Beliebigkeit bedeuten.“
Dem Apell folgen sofort Beispiele: Unter großem Applaus werden 20 Mitglieder des Forum anders reisen mit dem CSR-Siegel von Tour-Cert ausgezeichnet. Das Zertifizierungsverfahren ist das erste in Deutschland, das den gesamten Wertschöpfungsprozess touristischer Unternehmen streng und nach klar berechenbaren Kriterien analysiert. „Ein wichtiger Impuls für die Branche, um Standards zu setzen“, nennt es Storm und hofft, dass durch das unabhängige Siegel und damit verbunden den Konsumentscheidungen kritischer Kunden der Druck auf den Rest der Branche wächst.


Kommentare (1)
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lukita
schrieb am 07.12.2010 um 00:48 ¶Kommentar schreiben
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