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Utopia: Herr Zeitz, Puma wird künftig als weltweit erstes Unternehmen seine Gewinn- und Verlustrechnung um die verursachten Umweltbelastungen ergänzen. Was hat Sie dazu angetrieben?
Jochen Zeitz: Unser Wirtschaftsmodell basiert auf einem Denken, das noch aus den Zeiten der industriellen Revolution stammt. Damals ging man davon aus, dass die Ressourcen der Natur unerschöpflich sind beziehungweise sich unsere Natur selbst von den Schäden, die ihr zugefügt werden, erholen kann. Diese Art und Weise des Wirtschaftens müssen wir ändern, so dass wir in Zukunft mit der Natur arbeiten - und nicht gegen sie. Um das Bewusstsein dafür zu schärfen, haben wir die Methode der Gewinn- und Verlustrechnung angewandt, die jedem die Auswirkungen unseres Wirtschaftens verdeutlicht. Wenn wir es schaffen, in der Wirtschaft die Auswirkungen auf die Umwelt klar zu verdeutlichen, indem wir sie beispielsweise monetarisieren, wird das ein völlig anderes Verständnis von nachhaltigem Wirtschaften zur Folge haben. Außerdem gilt: Nur was ein Unternehmen misst, kann es auch managen.
Was wird sich bei Puma aufgrund der neuen Öko-Bilanz ändern?
Jochen Zeitz: Die ökologische Gewinn- und Verlustrechnung hilft uns, unsere Ziele im Bereich Nachhaltigkeit besser umzusetzen. Wir konnten zum Beispiel schon sehen, dass der Umweltschaden durch CO2-Emissionen in bestimmten Unternehmensbereichen wesentlich mehr Kosten verursacht als die Vermeidung von CO2. Durch solche Erkenntnisse können wir unsere Nachhaltigkeitsstrategie anpassen und weiter verbessern.
Wir hatten uns ja bereits im vergangenen Jahr klare Ziele im Bereich Umwelt gesteckt. So wollen wir unsere CO2-Emissionen sowie unseren Energie-, Abfall- und Wasserbedarf bis 2015 um 25% reduzieren. Zudem versuchen wir auch, mit unseren Zulieferern neue Wege zu gehen, indem wir die eingesetzten Rohmaterialien und die Produktionsstandorte bewerten. Das alles hilft uns natürlich, als Unternehmen und Marke nachhaltiger zu werden.
Was sind die größten Schwierigkeiten bei der Konzeption einer solchen Gewinn- und Verlustrechnung?
Jochen Zeitz: Eine der größten Schwierigkeiten war, das richtige Maß für die Bewertung der Umwelt-Schäden zu finden, da es bislang noch keine verbindlichen Standards gibt, die man anwenden kann. Bei der Bewertung von einer Tonne CO2 zum Beispiel reicht die Bandbreite von 20 bis 100 Euro. Ein „1 + 1 = 2“ gibt es eben hier noch nicht.
Wie ist die Reaktion anderer Unternehmen auf die ökologische Gewinn- und Verlustrechnung? – und wie reagieren die Konkurrenten in Ihrer Branche?
Jochen Zeitz: Die Resonanz aus Industrie und Wissenschaft ist ausschließlich positiv. Sicherlich wird man noch über die weitere Verfeinerung der Methodik unserer Gewinn- und Verlustrechnung diskutieren müssen. Aber in unserer Rolle als Vorreiter haben wir damit unseren Beitrag geleistet und die nächsten Schritte sind bereits eingeleitet. Damit haben und werden wir mit Sicherheit eine Diskussion auslösen, die zu wesentlichen Veränderungen und Verbesserungen führen wird.
Wie weit ist die Sportartikel-Branche in Sachen Nachhaltigkeit?
Jochen Zeitz: Im Vergleich zu anderen Branchen sind die Umweltauswirkungen durch unsere Branche nicht ganz so dramatisch. Dennoch zeigt unser veröffentlichter CO2-Fußabdruck oder auch der Wasserverbrauch, der für die Produktion von Puma-Produkten benötigt wird, dass die Art und Weise, wie wir wirtschaften, nicht nachhaltig ist. Daher wollen wir radikale, deutliche Veränderungen herbeiführen.
Fragen aus der Utopia-Community zu veganen Schuhen, Bio-Baumwolle und mehr...
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Kommentare (17)
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Gita
schrieb am 27.09.2011 um 11:03 ¶klangengel
schrieb am 08.09.2011 um 13:30 ¶Kommentar schreiben
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