Amazon: Nachhaltigkeit als Nebensache

Von Volker Eidems


Für den weltweit größten Online-Einzelhändler Amazon.com spielt Nachhaltigkeit eine Nebenrolle. Der Umsatz des Internetriesen wuchs im vergangenen Jahr um 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, der Gewinn gar um 36 Prozent auf weltweit 645 Mio. Dollar (rund 430 Mio. Euro). Die wachsende Kauffreude im Netz ist ein Grund mehr, sich den beliebtesten Branchenvertreter einmal genauer anzusehen, auch wenn er als Händler nur in gewissen Grenzen Einfluss auf die vertriebenen Produkte hat. So schreibt Kathrin Schmitz, PR-Managerin bei Amazon Deutschland: „Unser Ziel als Händler ist es, unseren Kunden die größtmögliche Auswahl zu bieten, damit sie die von ihnen gewünschten Artikel bei uns finden und kaufen können. Wir möchten unseren Kunden keine Vorgaben geben, welche Artikel aus ökologischen Gesichtspunkten sinnvoll sind, sondern den Kunden das Angebot in seiner ganzen Breite präsentieren.“ Damit ist auch die Frage beantwortet, ob bei der Produktauswahl irgendwelche Nachhaltigkeitskriterien wie Langlebigkeit oder Umweltverträglichkeit berücksichtigt werden.

 

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Der gute Ansatz wird versteckt

Dabei ging schon vor einiger Zeit der US-amerikanische Mutterkonzern voraus und schuf eine Unterseite namens Amazon-Green, die später auch für das deutsche Angebot eingerichtet wurde. Die Seite ww.amazon.de/green (oder auch /klimaschutz) soll Kunden mit einem Fokus auf ökologischen Produkten die Suche erleichtern. Es finden sich etwa Ratgeber, Energiesparlampen, Kleidung aus Biobaumwolle und Elektrogeräte mit sehr guten Effizienzklassen.

Das Konzept ist jedoch alles andere als ausgereift, denn gibt der Nutzer ein Produkt oder eine Kategorie über die Suchmaske ein, zeigt sich die gleiche Trefferliste wie auf der konventionellen Standardseite – ohne Hinweis wurde der Kunde zum normalen Amazonsortiment verlinkt. Der zweite Haken liegt in der fehlenden Sichtbarkeit: Amazon wirbt nirgendwo für die grüne „Alternative“, nicht einmal auf der Startseite gibt es einen Link. Man könne nicht jedes Angebot von Amazon auf dem Eingangsportal berücksichtigen, argumentiert Schmitz, man werde die Anregung jedoch weitergeben. Solange bleibt die Seite wohl in den Tiefen des Netzes versteckt, denn es ist wohl unwahrscheinlich, dass Kunden von selbst auf die Idee kommen, die Standardadresse um ein „/green“ zu ergänzen, wenn sie besonders ökologische Produkte suchen.

Bewusstsein für den eigenen Fußabdruck

Das Unternehmen gibt keinen Nachhaltigkeitsbericht heraus, so dass die Entwicklung nicht so einfach nachzuvollziehen ist. Sogenannte Earth-Kaizens, Mitarbeiter mit Ideen für mehr Nachhaltigkeit, sollen im Unternehmen Potenziale aufspüren und für mehr Umweltschutz sorgen. Als Beispiele nennt Amazon etwa in einem Logistikzentrum das Abschalten unbenutzter Lampen, in einem anderen bedarfsorientierte Warmwasserversorgung oder die Mülltrennung, dank der Kunststoff und Pappe wiederverwertet werden können. Die Maßnahmen sind richtig und wichtig, aber dennoch wohl nicht mehr als Klassiker, die zum Standard eines Unternehmens gehören sollten. Positiv ist dennoch der Ansatz der Mitarbeiterbeteiligung zu werten, diese kennen die einzelnen Arbeitsschritte am besten und können am schnellsten Alternativen entdecken – eventuell unterstützt durch entsprechende Schulungen.

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  • lukita
    schrieb am 13.07.2010 um 18:58
    Amazon verkauft Stopfleber und Pelz-Produkte und sagt dazu "Die Listung diskussionswürdiger Produkte bedeutet dabei keinesfalls, dass Amazon oder unsere Mitarbeiter die Produkte gutheißen."

    Mehr Infos dazu und Hinweise, wie jede/r einzelne/r aktiv werden kann gibt's hier:
    http://www.utopia.de/gruppen/forum/thema/187753
  • start2help.com
    schrieb am 15.01.2010 um 12:33
    Ob es gut oder schlecht ist, bei Amazon zu kaufen, ist eine Sache. Fakt ist, dass Amazon wahnsinnig erfolgreich ist. Wir nutzen die Käufe (die ohnehin getätigt werden) aus, und spenden die Provisionen, die wir für jeden Verkauf der über start2help.com erfolgt, zu 100% an gemeinnützige Organisationen.
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