„Der Konsument unterschätzt seine Macht“
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besser: wissen - machen - kaufen
Von Horst Hamm
Die Isar ist seit über einem Jahr eine Dauerbaustelle. Mitten in München ist ein Teil des Flussbettes trockengelegt, um Baggern und Betonmischern, Technikern und Bauarbeitern den Zugang zu ermöglichen. Denn zwischen Altstadt und Praterinsel entsteht derzeit unter den Kaskaden der Isar ein neues Wasserkraftwerk, ein Gemeinschaftsprojekt der Green City Energy und der Stadtwerke München.
Mit einer Fallhöhe von neun Metern wird das Isarwasser eine so genannte Kaplan-Turbine antreiben und jährlich zehn Millionen Kilowattstunden Strom liefern. Ende des Jahres soll das „Praterkraftwerk“ ans Netz gehen. Es wird den Strombedarf von 2500 Vier-Personen-Haushalten abdecken und rund 6000 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen.
Das neue Isar-Kraftwerk ist Teil der Ausbauoffensive „Erneuerbare Energien“, mit der die bayerische Landeshauptstadt die Energiewende mit aller Macht angeht. „Wir wollen bis 2015 so viel Ökostrom in eigenen Anlagen erzeugen, dass damit alle privaten Haushalte versorgt werden können. Bis 2025 soll der gesamte Strombedarf gedeckt sein“, sagt Oberbürgermeister Christian Ude.
Allerdings reichen lokale Quellen zur Münchner Energiewende bei weitem nicht aus. Zwar nutzt die Stadt schon seit Jahren das Wasser der Isar. Aber zusammen mit einem Windrad auf dem Müllberg und ein wenig Strom aus Photovoltaikanlagen lag der Öko-Strom-Anteil vor der Ausbauoffensive bei nicht einmal fünf Prozent. Woher also soll der ganze Rest kommen?
Zunächst errichten die Münchner Stadtwerke in Sauerlach, keine 30 Kilometer südlich von München, eine Geothermie-Anlage, die 2011 in Betrieb gehen soll. Dort gibt es in rund 5000 Metern Tiefe 140 Grad heißes Wasser. Die prognostizierte Fördermenge von 120 Litern pro Sekunde reicht, um ein Kraftwerk mit einer Leistung von fünf Megawatt zu betreiben und jährlich 40 Millionen Kilowattstunden Strom zu erzeugen – viermal so viel wie mit dem neuen Praterkraftwerk.
Das Projekt: Die Stadt München will bis 2015 sämtliche Haushalte und bis 2025 alle Unternehmen der Stadt zu 100 Prozent mit Ökostrom versorgen. Weil die Möglichkeiten vor Ort begrenzt sind – die Nutzung der Isar ist weitgehend ausgeschöpft, die Ausbeute durch Photovoltaik eher gering und Windkraft in einer Großstadt kaum möglich – beteiligen sich die Stadtwerke dort, wo Stromertrag und Rendite stimmen: an großen Windparks in Norddeutschland und der Nordsee, an Geothermieanlagen in Oberbayern und an solarthermischen Kraftwerken in Südspanien. Möglich ist dies nur deshalb, weil die Stadtwerke die Wirtschaftskraft haben, um die notwendigen Investitionen zu tätigen – und weil sie zu 100 Prozent der Stadt gehören.
Kommentare (16)
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kahalla
schrieb am 27.03.2010 um 18:08 ¶heiniruhemann
schrieb am 25.03.2010 um 13:48 ¶Kommentar schreiben
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