Doch im Gespräch über seine Ideen und Ziele verrät jeder Satz, dass sich hier jemand mit Haut und Haaren seinem Metier verschrieben hat und nicht leicht zu bremsen ist in dem Gedanken, auf eigenen Wegen Neues zu schaffen. Auch wenn er freimütig bekennt, ein „Spätstarter“ gewesen zu sein, der sich Zeit gelassen habe für eine reiflich überlegte Berufswahl. Doch jetzt hat nur noch Wein im Kopf und kennt kein höheres Ziel, als den in seinen Augen idealen Wein hinzubekommen. Einen, der mehr konsequente Hinwendung zur Natur spiegelt als je ein Pflügerwein vor diesem. Der „Ungsteiner Herrenberg“, eine der besten Reblagen des Weinguts, in der der Vater alte Rebstöcke auf Terrassen mit uralten Trockensteinmauern hegt, wäre ihm dabei wohl die liebste Provenienz für sein ersehntes Wein-Meisterstück.

Foto: privat
Dabei hat ihm Vater Pflüger die Latte schon ziemlich hoch gelegt. Den Bioqualitätsweg beschritt er bereits, als der Sohn „Bio“ noch gar nicht buchstabieren konnte. Doch der will nun noch mehr erreichen als solides Handwerk und ökologisch korrekten Wein. Seine leidenschaftliche Suche nach dem ganz eigenen und für seine Begriffe idealen Weinstil spornt ihn zur besten kreativen Performance in allen Bereichen seiner Profession an. Und natürlich möchte er auch für seinen „eigenen“ Wein Anerkennung vom Publikum haben. Das heißt für ihn aber auch, die Clubszene und die Getränkewahl des Partyvolks mindestens so aufmerksam im Auge zu behalten wie die nachhaltige Steigerung der Weinqualitäten.
Fragt jemand Alexander Pflüger, was ihm als Winzer besonders am Herzen liegt, betont er besonders engagiert das Gespür, dass ein Winzer für die Reben entwickeln müsse. Er möchte mit Weinen überzeugen, die eine bis ins Letzte ökologisch konsequente Rebenkultur in ein wunderbares, einzigartiges Geschmackserlebnis übersetzen. Deshalb hat er vor gut drei Jahren begonnen, das Weingut des Vaters auf den biodynamischen Anbau umzustellen. Davon verspricht er sich vor allem mehr Harmonie im
Wachstum der Rebpflanzen und weniger Notwendigkeit zu Eingriffen.
Dabei interessieren ihn die Steine im Weinberg weit mehr als die Lehre des Anthroposophen Rudolf Steiner, auf den die Richtlinien des Demeter-Anbaus zurückgehen. Mondphasen und vergrabene Kuhhörner sind nicht sein Thema. Überhaupt scheint ihm nichts ferner zu liegen als irgendein weinbaulicher Dogmatismus. Aber die Achtung natürlicher Gleichgewichte, die aufmerksame Beobachtung und der behutsame Umgang mit der Pflanze, deren Gaben er nutzt, werden ihm immer wichtiger. Doch der junge Winzer ist eben auch ein Kind der Popkultur. Wein und Rock’n Roll waren für ihn nie unvereinbar. Demnächst will er deshalb gemeinsam mit jungen Gebietskollegen Pfälzer Bioriesling bei After Work Partys als angesagten Szenedrink etablieren.
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