Sie ist selbstbewusst und erfolgreich. Sie erledigt keinen nüchternen Job, sondern entfacht neue Leidenschaft für eines der ältesten Gewerbe: die Generation „Jungwinzer“. Alexander Pflüger ist jung und Winzer. Doch damit ist er nicht automatisch Teil dieser neuen Erscheinung. Selbst, dass er zur kleinen Gruppe der Pfälzer Biowinzer gehört und mit seinen 29 sogar deren jüngster ist, genügt dafür nicht. Wäre das Lebensalter ausschlaggebend für die Bezeichnung Jungwinzer, hätte Alexanders Vater Bernd sie ohnehin viel mehr verdient, als er 1973 im Weinbau anfing. Immerhin war der heute 52 jährige Prinzipal des Weinguts Pflüger in Bad Dürkheim damals kaum mehr als halb so alt wie sein Sohn jetzt.
Was ist es also, das Pflüger Junior zu einem dieser beachteten Trendsetter in der aktuellen deutschen Weinszene macht, die das Image ihres Metiers quasi im Handstreich von ein bißchen old fashioned auf ziemlich cool umfrisiert haben? Wenn weder Jugend noch die ökologischen Grundsätze, denen auch der Vater schon lange folgt, dafür verantwortlich sind, dann ist es vielleicht die charmante Weltläufigkeit gepaart mit der sehr zielbewussten, professionellen Haltung, die den jüngsten Spross des Weinguts Pflüger kennzeichnet.
Ersteres schwingt in dem amüsanten Plauderton mit, in dem er von seinem Önologie (von gr. „oinos“ Wein und „logos“ Lehre)-Studium in Geisenheim erzählt und von seinen Studienaufenthalten auf großen Weingütern in Südafrika und nicht ganz so großen in Südfrankreich. Dabei erwähnt er anerkennend, dass er es dem Vater danke, wenn er mehrere Fremdsprachen spreche, weil dieser ihn zum Abitur an einem französischsprachigen Gymnasium ermutigt hat. Und auch die Mitarbeit auf dem Weingut von Christine Bernhardt im nahen Zellertal ist für ihn ein Glücksfall. Die Zusammenarbeit mit der Lebensgefährtin des Vaters erlaubt ihm nämlich, seinen Jungwinzer-Horizont mit zusätzlichen Erfahrungen in der Pfälzer Rebenkultur auf weiteren Bodenarten und unter anderen Klimaeinflüssen zu erweitern.
In Alexander Pflügers erklärter Haltung zum Winzerdasein treffen Traditionsbewusstsein und Schöpfergeist auf jugendliche Experimentierlust und Popkultur. Jungwinzer wie er suchen im Weinbau offenbar mehr als alles andere die schöpferische Herausforderung. Und er ist sicher nicht der einzige unter ihnen, der dabei schon mal übers Ziel hinausschießt und sich an der größeren Erfahrung des Vaters abarbeitet.
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