„Fleischloses, faires Essen wird immer wichtiger“
14Hinter dem Utopist „ich-will-fair-essen“ steckt der Österreicher... mehr
Das hört sich gut an. Was den 25-jährigen Utopisten noch antreibt und warum er den ersten
deutschen Carrot-Mob veranstaltet, hat er der Utopia-Autorin Kerstin Mu?ller erzählt.
“Care or die“ steht in großen schwarzen Lettern auf dem weißen Shirt von Philipp Gloeckler. Er ist einer von den Kreuzbergern, die sich um die Welt von Morgen kümmern und Engagement zeigen, wenn es darum geht, gemeinsam neue Wege zu bestreiten. Das war nicht immer so. Erst vor eineinhalb Jahren ist Philipp Gloeckler von Oestrich-Winkel nach Berlin gezogen. Das BWL-Studium frisch abgeschlossen, wollte er sich von der Hauptstadt inspirieren lassen. Und das hat funktioniert. Zuerst stößt er auf einen Arbeitsplatz im selfHUB, dort lernt er das Berliner Utopia-Team kennen, dann verkauft er sein Auto und schließlich spürt er eine Leidenschaft für Mode und Lifestyle. “Ich bin in die ganze Eco-Fashion und Nachhaltigkeits-Szene so nach und nach reingerutscht. Ich hab mich bei der Fashion Week reingeschmuggelt und die Green Area entdeckt. So ist dann einiges ins Laufen gekommen. Das war nicht geplant, ich hatte vorher ja gar nichts damit zu tun.“
Heute hat Gloeckler jede Menge damit zu tun. Er hat das Netzwerk “Eco Fashion Junkies“ gegründet, er unterstützt das Blog-Projekt bransparent.com, holt den Carrot-Mob nach Berlin und bringt in wenigen Tagen seinen ersten Eco-Herrenanzug unter seinem eigenen Modelabel in den Handel. Und das alles in nur einem Jahr. Ein bisschen Kaffee trinken, ein bisschen Marketing, ein bisschen Netzwerken – das sei das Erfolgsrezept, verrät Philipp. “Das habe ich lange und sehr intensiv betrieben. Und so sind Ideen und Menschen langsam zusammengewachsen.“
Beraten, Vernetzen, Pushen – das sind die Aufgaben, die heute die Arbeit von Philipp Gloeckler bestimmen. Mit den “Eco Fashion Junkies“ hat er ein Netzwerk aufgebaut, in dem sich Kreative aus den Bereichen Eco Food, Eco Fashion und Eco Design gegenseitig ergänzen und unterstützen. Angefangen als virtueller Blog, ist es heute seine “Öko-Rockband“, die er immer haben wollte. “Ich habe vor einem Jahr die Internetseite ecofashionjunkies.de gekauft, weil sich das so nach Rockband anhörte. Dann habe ich gemerkt, dass man da viel mehr draus machen kann, als einen Internetblog. Also habe ich mir Leute gesucht und ein Berater-Netzwerk von jungen Verrückten aufgebaut. Jeder kann sich einbringen und sich mit uns vernetzen.“
Er berät seit diesem Jahr die Modemesse Premium in Berlin im Bereich Nachhaltigkeit und organisiert für sie die Green Area. “Der Bereich der Nachhaltigkeit ist eine spannende Nische, wo man unglaublich viel Potenzial erkennt. Man wird immer wieder darauf aufmerksam gemacht, was die Zukunft uns bringt, was unser Handeln für die Zukunft bedeutet und was alles möglich ist. Das transportiere ich gerne weiter an andere Menschen und Unternehmen.“
Das nächste große Projekt wird der Carrot-Mob Berlin sein. Inspiriert durch den amerikanischen Carrot-Mob 2008 in San Francisco, wollte Philipp Gloeckler diese Aktion auch nach Berlin holen. Der quierlige Alles-Macher hat den Kontakt nach San Francisco zu den Vorreitern aufgebaut und binnen weniger Wochen ein Team zusammengestellt, mit dem er gemeinsam den ersten deutschen Carrot-Mob in Berlin veranstaltet. Am 13. Juni 2009 werden alle Konsumenten aufgerufen, in einem ausgewählten Kreuzberger Spätkauf-Laden einzukaufen. Der Besitzer hat versprochen, weit mehr als 30 Prozent des durch die Konsumenten generierten Umsatzes in die nachhaltige Umgestaltung und Renovierung seines Ladens zu investieren. “Ich liebe es, global zu agieren. Wir haben hier in Deutschland zu wenig Abitur und zu viele RTL2-Kinder. Ich möchte die Menschen aus allen Schichten dazu motivieren, sich über eine konkrete Aktion Gedanken über unsere Welt zu machen.“
Wenn der 25-Jährige von seinen Ideen und Projekten erzählt, gerät er selbst ins Schwärmen. Er steht hinter dem, was er macht, kommuniziert und vorantreibt. Und das Schönste: Es klingt auch immer ein bisschen Stolz mit, wenn er sich über seinen eigenen persönlichen Wandel bewusst wird. “Noch vor einem Jahr wäre ich nie im Leben mit dem Zug nach Wien gefahren. Heute liebe ich es. Im Zug denkt sich's gut.“
Seine Botschaft an junge Menschen lautet: “Es macht Spaß, das zu tun, was einen interessiert und sich bis zum Limit zu pushen und dabei auf unsere Umwelt zu achten.“ Philipp Gloeckler selbst lebt dieses Prinzip jeden Tag. Nur eines kann er noch nicht: ökologisch korrekt essen. Nachhilfe-Lehrer in Sachen gesundes Kochen sind im Netzwerk des Eco Fashion Junkies herzlich willkommen.
Philipp Gloeckler ist Utopist - Direkt-Link zu seinem Profil.
Was wir noch wissen möchten...
1. Wie schützt er konkret jeden Tag unsere Erde?
Ich fahre Fahrrad und laufe jeden Tag meinen Mitbewohnern hinterher und bitte sie, das Licht
auszumachen.
2. Was kann sich jemand bei ihm abgucken?
Ich war vor einem Jahr noch Null an Nachhaltigem Lebensstil interessiert. Ich habe mich viel
und gut informiert – auch auf Utopia. Heute stehe ich mit Herzblut dahinter.
3. Was wollte er als Kind werden?
Rockstar. Leider hatte ich kein Gespür für Musik und konnte nicht singen. Jetzt habe ich das
junge Unternehmer-Netzwerk “Eco Fashion Junkies“ - die rocken auch!
4. Warum ist es gut, ihn zu kennen?
Weil ich eine laute Stimme habe und die gerne für jemanden und etwas erhebe. Außerdem bin
ich an Menschen interessiert. Ich lerne gerne Leute kennen. Und kenne daher schon sehr viele.
Linktipps:
www.ecofashionjunkies.com
www.carrotmobberlin.com
www.bransparent.com
Und www.sopurefashion.com
Foto: Stefan Preuhs
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Kommentare (2)
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cdedaj
wissbegierige Unternehmerin
cdedaj
schrieb am 10.06.2009 um 17:28Ermutigend denn:
- Wenn man jung ist und Überzeugungskraft besitzt, kann man wohl im Deutschland des Schornstein-Karrieremodells auch gleich verantwortungsvolle Aufgaben übernehmen.
- Es gibt durchaus Leute, die SINNVOLL Geld ausgeben... Danke Phil!
Viel Spass beim Carrotmob Berlin (bin leider in Hannover an dem Tag)!
Schöne Grüße,
Céline Dedaj
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