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Pferdefleisch-Skandal

Lasagne ist kein Ponyhof


Pferd in der Lasagne – ein erneuter Lebensmittel-Skandal hat Europa erschüttert. Dass in einer billigen Tiefkühl-Lasagne standardmäßig wesentlich bedenklichere Zusatzstoffe als Pferdefleisch enthalten sind, scheint niemanden zu stören. Darum geht es jedoch auch nicht. Eigentlich geht es nämlich darum, dass in Sicherheit gewiegte Supermarktkunden dem eingepackten Tiefkühl-Fleisch ihr Vertrauen geschenkt hatten und sich nun grausam getäuscht fühlen. Offensichtlich ist nicht immer drin, was drauf steht. Die Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner ist daraufhin mit markigen Worten und großer Entrüstung nach vorne geprescht und hat natürlich auch Forderungen formuliert, was sich ändern müsse. Nur leider nicht die richtigen.

Was sich wirklich ändern muss

Aigner sieht die Schuld allein beim Produzenten und fordert strengere Regularien. Doch mindestens genau so wie das gesetzliche Regelwerk muss sich die Einstellung der Verbraucher zum Fleisch ändern.

  • Besser geht nicht billig – Korrektes Fleisch geht nur teurer und bio
    Strengere Gesetze für billiges Tiefkühl-Packungsfleisch sind nicht die endgültige Lösung, denn diese Art von Fleisch ist in sich selbst das eigentliche Problem. Wer es nicht schon längst getan hat, der sollte sich spätestens jetzt von der Idee verabschieden, dass man für 1,50 Euro im Tiefkühlregal ein ehrliches, hochwertiges Produkt bekommt. Jedoch gilt ebenso wenig, dass teurer immer gleich besser ist. Marken sind keine Qualitätsgarantie, auch wenn diese das gerne so erzählen. Ihre Produkte können von genau so minderwertiger Qualität sein. Wirklich vertrauen kann man nur den gesetzlich gesicherten Siegeln. In Hackfleisch von Bioland, Demeter oder Naturland werden Sie sicherlich weder unerwartetes Pferd noch grenzenloses Tierleid finden. Dies bedeutet natürlich höhere Preise und damit wahrscheinlich auch weniger Fleisch auf dem Teller. Aber Fleisch ist Luxus und sollte auch so behandelt werden, ein Grundrecht auf billiges Steak gibt es nicht.
     
  • Warum aus der Ferne kaufen? – Regionalität muss Standard werden
    Dass undeklarierte Ware ihren Weg in die Herstellung findet, hängt oft mit langen und verworrenen Produktionswegen zusammen. Wenn eine Lasagne über fünf Stationen durch ganz Europa tourt bevor sie im heimischen Kühlregal ankommt, wird es schwer, jede Zutat absolut zuverlässig nachzuvollziehen. Der Metzger um die Ecke wird viel wahrscheinlicher in der Lage sein, Ihnen die Herkunft und Verarbeitung seiner Produkte in der Region zu bestätigen als das Kleingedruckte auf einer deutschlandweit verkauften Plastikpackung.
     
  • Transparenter Essen  - Wir müssen mehr Fragen stellen
    Dass verarbeitete Produkte nicht gekennzeichnet werden müssen, ist eine fatale Gesetzeslücke. Herkunft und Herstellung aller Zutaten müssten längst offengelegt werden. Hier ist sicherlich der Gesetzgeber gefragt. Doch wenn momentan die Information nicht zu uns gebracht wird, dann sollten wir sie uns selbst holen, anstatt reglos zu verharren und den nächsten Skandal abzuwarten. Wir müssen anfangen nachzufragen. Fragen wir den Handel, die Verkäufer, die Produzenten! Utopia ist mit allen größeren deutschen Handelsketten in Kontakt, eine Gute Frage können wir gerne weiterleiten. Mit den Fragen sollte auch eine konsequente Handlung hin zu mehr Transparenz erfolgen: Wenn Sie die Antwort nicht zufrieden stellt, dann kaufen Sie im Zweifel nicht! Gehen Sie stattdessen zu jemandem, der Ihnen ausreichend Informationen geben kann und will. Nur so kann man wirklich sicher sein, dass dann in der nächsten Lasagne oder Bockwurst nicht ein unschuldiger Straßenhund steckt.           
Stand: 20.02.2013 von

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    schrieb am 09.06.2013 um 22:47
    Wer isst denn so eine Dreck ?
    Lasagne a'la Contessa verursacht zwar viel Arbeit und dauert ziemlich lange, ist aber ein Essen der Extraklasse und auch das Kochen macht Spass. Die Produkte dafür kommen aus einem Umkreis von 10 km.
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    schrieb am 04.03.2013 um 13:42
    @gruenebirne: ich glaube zu verstehen, was du meinst, wenn du sagst:
    >Aber wenn man die Worte , den Inhalt wirklich hört, dann dürfte man keine unterschiedliche Meinung >an unterschiedlichen Stellen haben, weil man rein auf den Inhalt hin argumentiert. Allerhöchstens >könnte man noch diverse Argumente hinzutun, aber beim konträr argumentieren finde ich, hinkt die >Glaubwürdigkeit etwas.

    aber ich habe die feststellung gemacht - je aelter ich werde - dass es keine eine WAHRHEIT gibt.
    dass die sicht auf die welt enorm von der eigenen position, erfahrungswelt und situation abhaengt.
    ich bin sicher kein faehnchen im wind, fuer mein umfeld ist meine authentizitaet und hartnaeckigkeit manchmal schon eher anstrengend. aber ...

    ein einfaches beispiel: ich habe mich mit meinem frueheren freund mal darueber gestritten, wann es abends im winter die sonne untergeht. er sagte 16.30, ich beharrte auf 17.00 uhr. fakt war, wir hatten beide recht. denn er lebte in der naehe von wien, ich seinerzeit in darmstadt. auch wenn wir in der gleichen zeitzone waren, war der unterschied eben deutlich. aber wir hatten auch beide unrecht. schliesslich geht, vom weltraum aus betrachtet, die sonne nie unter.

    wie gesagt, es geht nicht darum, das faehnchen nach dem wind zu richten, aber ...
    ich bin inzwischen ueberzeugt davon, dass man rueckrat haben kann - gerade weil man seine meinung aendern kann. denn das heisst auch einzugestehen, dass ein anderer recht hat. dass der blickwinkel eines anderen sinnvoller ist als der eigene. braucht das nicht auch ... rueckrat? mehr weniger
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    schrieb am 04.03.2013 um 12:12
    @Maria: "Interessant finde ich, daß ich mich je nach Kontext in zwei widersprüchlichen Diskussionen wieder finde:..."
    Das finde ich jetzt megainteressant: das dir das an dir auffällt. Zeigt Reflexionsvermögen. Und : dass man oft gefühlsmäßig und Momentorientiert argumentiert auf das jeweilige Gegenüber, je nachdem, wie es die Gefühlslage auslöst.
    Aber wenn man die Worte , den Inhalt wirklich hört, dann dürfte man keine unterschiedliche Meinung an unterschiedlichen Stellen haben, weil man rein auf den Inhalt hin argumentiert. Allerhöchstens könnte man noch diverse Argumente hinzutun, aber beim konträr argumentieren finde ich, hinkt die Glaubwürdigkeit etwas.
    Zumindest tun das in unserer Gesellschaft ganz viele Leute,ohne es zu bemerken, Rückgrat und feste Meinung sind anstrengend . mehr weniger
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    schrieb am 04.03.2013 um 08:36
    Ja Richard,

    Armut ist etwas das sich nicht nach 1000 € im Monat definiert, sondern danach, welche Möglichkeiten du noch hast, in deiner Gesellschaft zu agieren. Glaubst du denn die vielen Afrikaner die nach Europa kommen wüssten sich nicht zu helfen wenn sie die Möglichkeit hätten? glaubst du wirklich die sitzen aus Spaß rum und warten auf eine lebensgefährliche Überfahrt?
    Und nun die Situation in Deutschland. Bei null anfangen ist einfach solange zum Beispiel die Eltern im Hintergrund stehen, die ein geregeltes Einkommen in ausreichender Höhe haben. Die müssen gar nichts dazu geben, es reicht oft dass sie da sind. Wenn du aber aus einem "einschlägigen" Wohnviertel kommst und deine Eltern nach Bankbegriffen "nichts taugen", weil sie etwa einfache ungelernte Arbeiter sind, dann bekommst du auch keinen Kredit, egal wie gut deine Idee ist und wie toll du alles beschreiben kannst, dein Abitur und dein Studium sind ebenfalls nichts wert. Das war nicht immer so in Deutschland, spitzt sich aber ganz gewaltig zu.
    Klar sagen jetzt diejenigen die es schon hinter sich haben, nicht jammern, machen.
    Diese Möglichkeit besteht immer weniger in Deutschland. Und zwar nicht für diejenigen, die in BILD immer als Hartz 4 Empfänger präsentiert werden, sondern für alle unterhalb eines gewissen Einkommens. und das ist ein soziales Problem. Ich habe weiter oben schon einmal angedeutet, dass Gesetzgebung und Bankencodex dazu geeignet sind und auch dazu genutzt werden, eine Art Sklavenkaste in Deutschland zu etablieren. Dies geschieht genau vor unser aller Augen. Und die davon betroffenen sehen keine lebenswerte Zukunft für sich. Wie sollten die denn auf den Trichter kommen sich gesund zu ernähren? Oder warum? Und wenn diese Gesellschaft ökologisch wird, dann bestimmt nicht mit einer Kaste von Lohnsklaven, die sich Ökologie nicht leisten kann. Und das ist durchaus unser Problem. Denn auch der Mensch ist Natur und der Mensch ist auch ein wesentlicher Bestandteil unserer Umwelt. Und wenn wir die Menschen die es brauchen nicht schützen vor Ausbeutung und Versklavung, wie wollen wir denn dann noch unsere heile Ökowelt rechtfertigen? mehr weniger
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    schrieb am 04.03.2013 um 01:20
    @ Andrea: Stimmt, viel mehr weiß ich nicht von dir. ich werfe dir auch nicht deine bessere Situation vor, ich kann mir nur vorstellen, dass deine Person durch etwas mehr definiert wird als "den Konsumenten", den Verbraucher oder sonst was in der Art. Und spätestens mit deinem Studium hast du dir wahrscheinlich auch Möglichkeiten erarbeitet, die du zu mehr nutzen kannst, als zum Geld verdienen. Wenn wir, wie Stephan schreibt Pflöcke in den Boden schlagen wollen um da etwas zu ändern, dann wird es wohl etwas mehr sein müssen als korrekter Konsum.
    Und ich bin sicher, dass es da bei allen hier schreibenden noch Potential gibt. Und das hat durchaus mit Änderung deiner, oder auch meiner Person zu tun. Und da ich nicht nur die Konzerne und Politiker schimpfe, sondern durchaus auch Fakten benenne die anscheinend zu gerne ignoriert werden, während eben diese Konzerne generalstabsmäßig eine Art Krieg gegen alles führen, was ihren Shareholder Value schmälern könnte und dazu gehören sinnvolle dezentrale Strukturen, dazu gehört regionale Lebensmittelversorgung, dazu gehört biologischer Anbau, gibt es hier all zu oft einen verächtlichen Blick von den eigenen Höhen hinab auf die Armen, die ja eigentlich auch Bio könnten, denen das aber egal sei. Und solche "Selbst-Schuld Zuweisungen" sind ehrlich gesagt sehr pauschal. Praktisch natürlich, dass von denen hier niemand schreibt. Dann kann man ihnen so manches Verhalten andichten und auch manchen schwarzen Peter zuschieben. Aber nicht solange ich mitlese, denn auch Armut gehört zu meinem Erfahrungsbereich, genauso wie Studium bei dem auch ich mehrere Nebenjobs brauchte um durch zu kommen und ich klammere auch heute noch nicht diese Armut aus meiner Wahrnehmung aus. In sofern sehe ich das durchaus als Teil dessen was ich tun kann um meine Person, mich selbst entsprechend zu ändern. mehr weniger
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