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Mobilität

Pedelecs, E-Bikes und Bambus – die Highlights von der Bike Expo


Ein Fahrrad ist ein Gebrauchsgegenstand. Alle drei, vier Monate für dreißig bis vierzig Euro einen gerade so verkehrstauglichen Drahtesel auf dem Flohmarkt gekauft, am besten mit Rücktrittbremse, und dann ab dafür. So war das mal. Seit gestern kann ich an nichts anderes mehr denken als an federleichtes Pedelec-bergauf-segeln, wunderschöne Bambus-Bikes und blitzende Edel-Alu-Komponenten. Auf der Bike Expo 2012 in München habe ich zurück gefunden zu dem Gefühl, mit dem ich damals unter dem Weihnachtsbaum vor meinem ersten Rennrad stand. Fahrräder kann man lieben, man kann ein Zeichen damit setzen und sich identifizieren.

Pedelecs – ungekannte Leichtigkeit

Als ich mit dem Extraenergy-Testsieger X-Serie Twentyniner von Flyer aus der Verleihbucht auf die eigens errichtete Teststrecke biege und an die Rampe der Brücke komme, mag ich meinen Beinen kaum trauen. Wer hätte gedacht, dass bergauf fahren mit einem Fahrrad jemals Spaß machen würde. Mit voller Unterstützung schiebt mich das Pedelec förmlich die Steigung hinauf. Eins ist sicher: Meine besten Jahre werde ich einmal auf dem Rücken eines dieser Wunderdinger verbringen. Bis dahin heißsst es sparen: Gute Pedelecs sind kaum unter 2.500 Euro zu kriegen, oft liegen sie sogar eher bei 3.500. Mein Highend Testbike von Flyer schlägt sogar mit knapp 4.000 Euro zu Buche.

E-Bikes und Pedelecs – nicht verwechseln!

Zu der Begeisterung kam auch noch ein wenig Bildung hinzu, als mir erklärt wurde, wo der entscheidende Unterschied zwischen einem E-Bike und einem Pedelec liegt. E-Bikes kann man im Grunde wie ein kleines Motorrad fahren mit Gashebel und Motorantrieb. Der Gesetzgeber sieht das genau so und hat E-Bikes als Kleinkrafträder eingestuft, was dazu führt, dass man für sie unter anderem einen Führerschein benötigt und Steuern zahlen muss. Das ist für die Nachfrage natürlich nicht gerade förderlich, weshalb ich auf der Bike Expo kein einziges wirkliches E-Bike finde. Pedelecs hingegen verstärken nur die eigenen Pedaltritte, können also nicht allein vom Motor angetrieben werden und gelten somit auch nicht als Kleinkrafträder. Da viele Leute, wie auch ich bis gestern, diesen Unterschied noch nicht kennen, haben wir dem E-Bike noch seinen Ehrenplatz in der Überschrift gelassen.

Bambus – so schön und nachhaltig kann Funktionalität sein

Mein persönliches Messe-Highlight finde ich in der Halle, die an den E-Mobility-Bereich angrenzt. Die frisch gegründete Firma zuri baut in Zambia mit hohem sozialen Engagement Bambus-Bikes. Die netten Unternehmer erklären mir ihr Konzept ins Detail und je mehr man sich mit dem Material beschäftigt, desto größer wird das Fragezeichen im Kopf, warum man darauf eigentlich nicht schon viel früher gekommen ist. Zum absoluten Höhepunkt werden die zuri Bikes für mich aber nicht wegen der harten Fakten, sondern weil ihre Räder absolute Schönheiten sind. Farblich abgestimmte Komponenten vereint mit dem individuellen Bambus, dessen einzigartige Verformungen ich gar nicht genug anfassen kann. Irgendwann merke ich, dass ich mich gerade verliebt habe. Mit diesen Schmuckstücken aus Einzelanfertigung würde ich mich auf dem Weg durch die Stadt stolzer fühlen als in jedem Protz-Auto:

Zuri Bikes Ispo Bike Expo 2012 München

Bike Expo – Jederzeit wieder!

Auf dem Rückweg lerne ich die netten Leute von lifefood kennen, deren vegane Rohkost-Riegel mir nach einem langen Messetag gerade recht kommen – lecker! Derart aufgeladen kann ich nicht mehr widerstehen: Zwischen den Messehallen ist ein Testkurs aus Lehm und Kies aufgebaut für Mountainbikes mit Steilkurven, Baumstämmen, Hügeln und Steinen. Leider kann man darauf nur mit den Full-Cross-Rädern des Sponsors fahren. Zu gerne hätte ich einmal den Extraenergy Pedelec Offroad Testsieger oder ein Bambus-Bike über den Kurs gejagt. Vor lauter Übermut trägt es mich auf der letzten Runde aus der Kurve und ich hole mir noch ein paar schöne Schürfwunden. Ärgern kann ich mich darüber nicht, zu schön die Erinnerungen an diesen eindrucksvollen Besuch auf der Bike Expo 2012.

Thema: Auto & Elektromobilität, Stand: 20.08.2012 von

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    schrieb am 06.01.2013 um 22:10
    also um in der schlechten jahreszeit auch gut mit dem rad gemuetlich unterwgs zu sein ist meiner erfahrung nach passende funktionskleidung unverzichtbar. sie ist einfach sau bequem - windabweisend - warm und sieht nur manchmal peinlich aus . e-bikes haben durchaus ihre berechtigungo wenn man eischraenkungen hat nur ist meine erfahrung das aus bequemlichkeit die teile oft gekauft werden u was ich getestet habeist die akkustandzeit oft sehr kurz muss dazu sagen das ich auch mal oefter 50km und mehr fahre.wie schonmal gesagt ist es super wichtig das ein rad gut zu einem passt in vielen dingen denn nur so macht es wirklich freude. gruss mr.cash mehr weniger
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    schrieb am 03.01.2013 um 19:04
    rad fahren klingt so selbstverstaendlich und ist trotzdem so wenig in benutzung. gruende dafuer sind einfach das niemand sich eine platte macht was fuer ein rad er benoetigt und so oft unbequemlichkeiten auftreten die klar vermeidbar sind- angefangen beim richtigen reifendruck der regelmaessig ueberprueft gehoert. meine erfahrungen mit e-bikes sind schlecht und sorgen auch nur fuer kurzen spass. mehr weniger
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    schrieb am 25.08.2012 um 22:46
    Bikeshopping?

    Das klingt wirklich begeistert und hat auch einen begeisternden Hintergrund. Dem entgegen stehen in Deutschland natürlich "alt eingesessene Vorurteile", die zum Teil von einer immer noch dominanten KFZ Industrie gefödert werden.
    Dazu gehört die Fixierung des Fahrradmarkts auf High tec Freizeit Spielzeuge.
    Kaum noch ein Fahrrad ist ohne Modifizierung als Erstfahrzeug im Alltag zu gebrauchen.
    Ich denke da an Einkaufstaschen, an Kindersitze, an Transportmöglichkeiten allgemein.
    Genauso denke ich an die Kölner Fahrradwege, wo ich von einem Netz nur bedingt reden mag und die im Winter einfach nicht befahrbar sind.
    Genauso denke ich an die gnadenlos lobbyistische Definition der Rennverbände, die "Das Fahrrad" auf den Diamantrahmen und seine Abwandlungen beschränken und andere Entwicklungen, etwa Liegeräder aus dem Fokus drängt. Diese Definition wird nun bald 100 Jahre alt und hatte nie eine Berechtigung. Sie hat die Entwicklung des Fahrrads als menschenkraftbetriebenes Transportmittel stark eingeschränkt, wenn nicht abgewürgt. Genauso wie es Elektroautos schon zu Anfang der Automobilära gab, entstanden auch früh die ersten Bambusfahrräder, die im Gegensatz zu den elektrischen KFZ auch alltagstauglich waren.
    Das Bambusfahrrad hatte einen entscheidenden technischen Nachteil, es war nicht massenproduktionstauglich, da die Anpassung des Naturstoffs an die Erfordernisse einer Massenfertigung zu viel Aufwand erfordert.
    Hört man von irgendwo die Forderung, dem Fahrradverkehr ein leistungsfähiges Wegenetz zur Verfügung zu stellen? Eine von Benzin und Dieselabgasen geschwängerte Atmosphäre gehört immer noch nicht zu den Standortnachteilen einer Stadt, sonder wird wegen eines "Just in time" Konzepts, das die Vorratshaltung von immer mehr Produkten auf die öffentlichen Verkehrsflächen verlagert, gerne in Kauf genommen.
    Bei aller Begeisterung meinerseits für das Fahrrad als Fortbewegungsmittel, sehe ich, dass es aus dem Alltag hinausgedrängt wird und immer mehr zum Hightecspielzeug verkommt. Eine Art "Ökostatussymbol"? So sehr ich die Segnungen des Pedelecs, oder auch des E-Bikes schätze, wird ein Fahrrad durch diese Elektrifizierung nicht unbedingt ökologischer. Akkupacks und Atomstrom für meine ökologische Freizeitgestaltung? Oder ist die Elektrifizierung des Fahrrads deshalb ein Fortschritt, weil Fahrradpendler dann nicht mehr verschwitzt am Arbeitsplatz ankommen? Allgemein wäre es tatsächlich an der Zeit, die Rolle des Fahrrads in der Gesellschaft zu durchleuchten und damit stellt sich folgende Frage:

    Wäre im Sinne einer utopischen, also einer auf eine "weltverbessernde Ökologie" gerichteten Entwicklung diese Elektrifizierung wirklich ein Fortschritt?

    Ist Bikeshopping

    a; Der Kauf eines neuen Fahrrads.

    oder

    b; Die Shoppingtour mit dem Fahrrad.

    Ob das Fahrrad nur eine weitere unserer angehäuften Waren, oder ein unser Leben erleichternder und unterstützender Gegenstand ist, ist ein zentrales Thema ökologisacher Lebensweise. Und zu einem erfolgreichen Alltagsgegenstand gehört eine entsprechende Infrastruktur. ich kann also beide Einstellungen des Autors nach vollziehen, die Fahrradmuffelei ebenso wie die Begeisterung für die neueste Fahrradtechnik. Ersteres spiegelt die realen Möglichkeiten einer städtischen Fahrradinfrastruktur, letzteres das noch lange nicht ausgereizte ökologische Potential dieser inzwischen 150 Jahre alten Erfindung.

    Ein Thema, das auf Utopia.de wirklich seinen Platz haben sollte.

    So und jetzt fahr ich mal shoppen... mehr weniger
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    schrieb am 23.08.2012 um 22:17
    Schöner Bericht!
    Ja, bei den ganzen neuen Bikes (ob elektrisch oder nicht) kann man wirklich immer wieder glänzende Augen bekommen. :-) Ich freue mich schon auf die Eurobike. Da wird noch mal ein ganz großes Innovationsfeuerwerk abgebrannt.

    Kleine Korrektur zu den Fachtermini:
    Der Begriff E-Bike hat sich seit einiger Zeit im allgemeinen Sprachgebrauch, in den Medien und bei den Herstellern als Oberbegriff für Pedelecs, S-Pedelecs (bis 45 km/h) und E-Bikes im engeren Sinne (also die mit dem Gashebel) eingebürgert. Im englischen Sprachraum gibt es Pedelecs gar nicht, sondern nur "eBikes", weshalb auch smart sein Elektrorad "smart ebike" nennt.
    Auch einige Hersteller von Elektromopeds oder ausgewachsenen e-Motorrädern sprechen (wie zT. auch Journalisten) bei den Produkten von E-Bikes, was die Verwirrung komplett macht.

    Übrigens, wenn es um "Energieverschwendung" geht: Fahrräder und E-Bikes sind hocheffizient und E-Bikes verbrauchen nicht mehr Strom, als beispielsweise eine durchschnittliche 60-Watt-Glühbirne im Jahr. Wenn der dann noch Ökostrom ist und man ab und zu das Auto durch das E-Bike ersetzt, ist man auf der grünen Seite.

    Viele Grüße
    Reiner Kolberg, Hrsg. www.e-bikeinfo.de mehr weniger
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    schrieb am 23.08.2012 um 15:18
    warum soll ich auf Leute neidisch sein, die Probleme mit einem herkömmlichen Fahrrad haben, oder die auf Kreuzfahrtschiffen rumhängen?
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