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Tempo auf dem Prüfstand

Mit Tempo ins Grüne?


Von Volker Eidems

Viele halten sie für unentbehrlich: Papiertaschentücher, oft allgemein als „Tempo“ bezeichnet, auch wenn sie von anderen Herstellern stammen. Das Warenzeichen Tempo war das erste für diese neue Form des Taschentuchs, 1929 angemeldet von den Vereinigten Papierwerken Nürnberg, sorgten die Erfinder für die Ablösung des textilen Vorläufers: Von 35 Millionen Tempo-Taschentüchern, die im Jahr 1933 hergestellt wurden, stieg die Zahl im Tempowerk Neuss auf aktuell 20 Milliarden. Mit Innovationen wie der Z-Falzung (damit das Taschentuch einhändig ausgeklappt werden kann) oder Packungsgestaltungen von Loriot und Uli Stein behauptet sich das Unternehmen gegen die vielen Konkurrenten, Hauptverkaufsargument ist jedoch die Qualität: Tempo wirbt damit, besonders weich und dabei reißfest zu sein. Diese Eigenschaften seien jedoch nicht mit kürzeren Recyclingfasern zu gewährleisten.

Hau(p)tsache hygienisch: Papier- oder Stofftaschentuch

Am Thema Ansteckung kommt man in der Argumentationskette von Tempo nicht vorbei: Manche Menschen schwören immer noch auf das Stofftaschentuch – unter anderem, weil zumindest die Baumwollvariante weicher ist als Papiertaschentücher und seltener eine wunde Nase hervorruft, aus dem gleichen Grund nutzt Tempo keine Recyclingfasern. Andere halten Stofftaschentücher hingegen für unhygienisch, ein paar Fakten sollten darum vorab geklärt werden. Tatsächlich können sich Schnupfenviren in Stofftaschentüchern recht gut vermehren, insbesondere, wenn diese in einer warmen Hosentasche o.ä. transportiert werden. Allerdings kann sich der Verschnupfte nicht neu mit seinen eigenen Viren anstecken. Um die Krankheit zu überwinden entwickelt sein Körper Abwehrkräfte gegen ebendiese Viren, so dass der Organismus kurzzeitig immun wird. Das erhöhte Virenaufkommen im Stofftaschentuch gefährdet also – wenn überhaupt – seine Mitmenschen, und auch nur, wenn ein echter Schnupfen Auslöser für die laufende Nase ist. Wem beim Radfahren im Winter ein Tropfen an der Nasenspitze hängt, wer heuschnupfengeplagt ist oder im Laufe des Tages ein paarmal schneuzt, ohne erkältet zu sein, der macht mit einem Stofftaschentuch nichts verkehrt. Die Deutsche Haut- und Allergiehilfe e.V. (DHA) etwa hat für Tempo Plus Ideal für Heuschnupfen eine Empfehlung ausgesprochen, bei Stofftaschentüchern seien Baumwollprodukte in der Regel recht gut verträglich. „Für viele Neurodermitiker ist paradoxerweise der Einsatz von Weichspülern sinnvoll um das mechanische Reibepotenzial der Textilien zu reduzieren, auch das Glätten der Fasern durch Bügeln ist zu empfehlen“, erklärt Christina Bach vom DHA: „Generell sollte der Allergiker für sich selbst Stoff- und Papiertaschentücher testen und individuell entscheiden. Es gibt aus unserer Sicht keine grundsätzlichen Bedenken, für eine aktive Empfehlung müssten wir aber handelsübliche Stofftaschentücher einer Testung unterziehen.“

Tempo aus Eukalyptus

Für Tempo wird Frischfaserzellstoff verwendet, der unter anderem von Eukalyptusplantagen stammt, steter Anlass für Kritik von seiten der Umweltschützer. Robin Wood etwa hatte das Unternehmen immer wieder ins Visier genommen und teilte Anfang des Jahres einen Teilerfolg mit: Der Tempo-Mutterkonzern SCA, der Tempo 2007 von Procter&Gamble übernommen hatte, verarbeitet ab 2010 keinen Zellstoff des brasilianischen Forstunternehmens Aracruz mehr, also auch nicht in Tempo. Aracruz steht in der Kritik, sich in den 1970er-Jahren widerrechtlich Land von Ureinwohnern angeeignet zu haben, um darauf Plantagen für die Zelluloseproduktion zu pflanzen. 2007 bestätigte der brasilianische Justizminister die Vorfälle und entschied, dass Aracruz 11.009 Hektar Land zurückgeben müsse.


Ob in Tempo jedoch in Zukunft auch Recyclingzellstoff eingesetzt werden könnte, wie von Robin Wood gefordert, ist weiter offen, wie eine Kommunikationskoordinatorin von SCA mitteilt: „Im Rahmen unserer Produktentwicklung optimieren wir selbstverständlich kontinuierlich unsere Produkte und prüfen auch den Einsatz verschiedener Fasertypen. Dies ist jedoch ein sehr langwieriger Prozess, sodass wir zum derzeitigen Zeitpunkt noch keine Aussage über eine mögliche Verwendung von Recyclingfasern treffen können.“

 


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Stand: 24.02.2010 von

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    schrieb am 15.08.2010 um 22:20
    Da sind doch Verbraucherbeschwerdemails gefragt!
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    http://fashionfairvegan.blogspot.com/
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    schrieb am 25.03.2010 um 13:13
    Ich bin da eher "altmodisch": Stofftaschentücher, oft jahrzehntealt, werden gewaschen und gebügelt. Bei einem echten Schnupfen freut sich die Nase, die ist nicht so schnell wund. Und für zwischendurch kann man/frau immer 1-2 STOFFtaschentücher dabei haben. Wenn denn Papiertaschentücher notwendig sind, was selten vorkommt, dann bitte die mit dem blauen Engel. mehr weniger
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    schrieb am 12.03.2010 um 17:24
    Solange Papiertaschentücher aus holzbasiertem Zellstoff produziert werden, ist es unverantwortlich diese einfach zu "verrotzen."
    Jede Nase verträgt auch die heutzutage sehr angenehmen Taschentücher mit dem blauen Umweltengel.

    http://www.regenwald.org/regenwaldreport.php?artid=6
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    schrieb am 02.03.2010 um 17:21
    Tempo ist ein erstklassiges Produkt, welches im Markt gut angekommen ist. Würde mich freuen, wenn dies auch noch lange so bleiben würde. Recycling kann man an anderer Stelle einsetzen, abedr nicht an der Nase!
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    schrieb am 01.03.2010 um 10:20
    Wegwerfartikel, und das sind Papiertaschentücher, sollten immer aus Recyklingmaterial sein. Nach meiner Erfahrung gewöhnt sich die Nase sehr schnell an härtere Fasern. Wenn wir keine Recyklingtaschentücher im Laden finden greifen wir auch zu Toilettenpapier, was überall auch als Recyclingpapier erhältlich ist. Bisher klappt das gut und ein wenig Creme hilft der Schnupfnase. mehr weniger
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