Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.
Wenig bekannte Rohstoff-Problematik

Palmöl – die tägliche Urwaldzerstörung beim Einkauf

Palmöl ist das wichtigste Pflanzenöl der Welt. Die wenigsten wissen, dass es mittlerweile in zahlreichen Produkten des täglichen Gebrauchs zu finden ist, auch in biologischen. Doch in den Herkunftsländern verursacht der trügerische Rohstoff Treibhausgase, Zerstörung des Regenwalds und Menschenrechtsverletzungen.


Palmöl, der heimliche Superstar unter den pfanzlichen Fetten, wird hauptsächlich in der Nahrungsmittelproduktion verwendet. Wir konsumieren es in Deutschland unter anderem als Inhaltsstoff von Lebensmitteln (Süßigkeiten, Öle, Fertigprodukte, etc.), veganen Produkten (Margarine, Fleisch- & Käseersatz, etc.) und Kosmetika. Auch in Bio-Erzeugnissen ist oft Palmöl enthalten. In letzter Zeit hat viel negative Berichterstattung das Thema Palmöl an die Öffentlichkeit. Wir sagen Ihnen, was Sie darüber wissen sollten.

Was ist Palmöl?

Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch der sogenannten Ölpalme gewonnen und ist eines der effizientesten pflanzlichen Öle. Der Ertrag pro Fläche übersteigt zum Beispiel Raps um etwa das Dreifache. Wegen seiner hochwertigen Eigenschaften ist es angenehmer und leichter zu verarbeiten als z.B. Kokosfett. Palmöl ist deswegen das meist verwendete Pflanzenöl der Welt (30% Marktanteil 2010), momentan werden davon gut 50 Millionen Tonnen jährlich produziert. Der Großteil davon, rund 85 Prozent, kommt aus Malaysia und Indonesien. Bei den aktuellen Zuwachsraten wird sich bis 2050 die Nachfrage aus dem Jahr 2000 verdreifacht haben.

Urwaldkiller und Kohlenstoffbombe - Probleme der Palmöl-Produktion

Fatalerweise wachsen Ölpalmen hervorragend auf trockengelegtem Dschungelboden im asiatisch-pazifischen Raum. Sollten die Prognosen zutreffen, werden in ein paar Jahrzehnten alle geeigneten Waldgebiete gerodet und trockengelegt sein. Dieser Torfboden wird von Greenpeace als „wahre Kohlenstoffbombe“ bezeichnet. Das hat dazu geführt, dass das Palmöl-Boomland Indonesien schon jetzt nach den USA und China der weltweit drittgrößte Produzent von Treibhausgasen ist.

Das Ökoparadies Urwald muss riesigen Monokulturen weichen, Tierarten werden ausgerottet und Urwaldvölker gewaltsam vertrieben. Die einzig größere, vom WWF angestoßene Nachhaltigkeits-Initiative, der RSPO (Roundtable on Sustainable Palm Oil), wird von den seriösen Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen (Greenpeace, Rettet den Regenwald e.V., IUF) als Deckmantel der Industrie bezeichnet. Auch die Bio-Zertifizierung schreibt in dieser Hinsicht wenig bis gar nichts zum Umweltschutz vor. Bio-Palmöl kann also auch von gerodeten Plantagen kommen – solange danach bestimmte Pestizide, etc. vermieden werden. Außerdem ist die Fernkontrolle außerhalb der EU oft noch lückenhaft und leicht umgehbar. Zwar gibt es einige Bio-Produzenten, vor allem in Südamerika, die nachhaltigen Anbau und faire Bedingungen nachweisen können. Dabei handelt es sich jedoch um Einzelfälle,  so dass auch das Bio-Siegel keine Sicherheit für nachhaltiges Palmöl gewährleisten kann. Greenpeace formuliert es klar und deutlich: „Keine Firma kann derzeit garantieren, dass das eingesetzte Palmöl aus umweltverträglicher Produktion stammt!“

Konsequenzen für den Verbraucher - So vermeiden Sie Palmöl

Palmöl findet sich heute in einer sehr großen Bandbreite von Produkten. Das Problem: Palmöl wird selten als solches ausgewiesen, die Liste der Stoffe, die aus Palmöl gewonnen werden und schließlich auf der Zutatenliste landen, ist unmöglich auswendig zu lernen. Wie Sie Palmöl trotzdem vermeiden können, lesen Sie im Ratgeber „Palmöl – So vermeiden Sie den Urwaldkiller". In unserer Galerie erfahren Sie, welche Markenprodukte Palmöl enthalten und welche Alternativen es gibt.

Denkansatz – Gehen uns die Alternativen aus?

Palmöl wird als vielversprechender Ersatz für tierische Fette und – auf lange Sicht – auch als ernsthafte Alternative zum Erdöl gehandelt. Doch bereits jetzt schafft die Produktion ernsthafte ethische und ökologische Probleme. Palmöl ist heute absolut kein nachhaltiger Rohstoff. So stellt sich schließlich die Frage, wie die heute konsumierten Mengen an Erdöl jemals nachwachsend ersetzt werden können.

Thema: Klima- und Umweltschutz, Stand: 30.10.2012 von

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    schrieb am 16.12.2012 um 10:52
    Das Thema Palmöl beschäftigt mich auch schon länger.... Unter anderem deshalb werden wir im Frühjahr auf die Insel Borneo reisen, denn auch dort wird Regenwald zugunsten von Palmölplantagen abgeholzt. Das wollen wir uns ansehen und mit den Menschen vor Ort sprechen. Die Wälder sind ein Paradies der Artenvielfalt und noch heute entdeckt man bislang unbekannte oder ausgestorben geglaubte Arten dort. Ich persönlich verzichte jetzt bereits - soweit möglich - auf Produkte die Palmöl beinhalten und hoffe, dass es zu einem Umdenken kommt, das Thema ist ja zum Glück mittlerweile in der Öffentlichkeit angekommen :-) mehr weniger
  • gelöscht am 09.12.2012 um 12:57 von kornelia.noss
    Dieser Kommentar wurde gelöscht..
  • gelöscht am 09.12.2012 um 12:58 von kornelia.noss
    Dieser Kommentar wurde gelöscht..
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    schrieb am 08.12.2012 um 13:30
    Mir fällt allgemein folgendes auf: Sobald wir Produkte finden, die gut sind, uns gut tun... dann passiert die Massenproduktion.
    Und die hat immer schlimme Folgen - egal, ob es sich dabei um Aloe-Vera-Produkte handelte, um Kräuter oder Wurzeln: Wann immer die Firmen feststellen, nun wird mehr nachgefragt, stellen sie ihren Markt darauf ein. Die Folge: Ein unglaublich arroganter Mißbrauch bei den Menschen, deren Grund & Boden und letztendlich beim Verbraucher - zum Teil unter Mitwirkung angeblicher Bodenschützer.
    Rendite um jeden Preis, Abzocke und Gewinne...
    Da brauchs für meine Begriffe eine politisch andere Richtung, damit diese Zerstörung aufhört. Gibt es keine Subventionen mehr... Gibt es keine Zuwächse mehr... Dann brauchts auch diese Maßnahmen nicht mehr. mehr weniger
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    schrieb am 14.11.2012 um 18:01
    Ich verwende in gewissen Mengen das naturbelassene Aceite de Dendê aus Brasilien, also das rohe, rote, halbflüssige Urprodukt sehr gerne. Es ist meines Erachtens ein sehr gutes Lebensmittel mit einem ganz eigenen Geschmack, den ich mag. Es verleiht blassen Gerichten Farbe, die auch noch gesund ist. Ein Glas mit 500 g hält bei mir Monate.

    Die aufgeführten Lebensmittel wie Snickers, Nutella und Co. sind sowieso nicht gut, aus einer Vielzahl von Gründen.

    Kritisch finde ich insgesamt den Anbau von Pflanzen wie Mais, Ölpalmen, Soja, Zuckerrohr... für die energetische Nutzung. Dazu gehören auch Kerzen, die sind doch nahezu sinnlos in der heutigen Welt. In Brasilien, wo Alkohol-Fahrzeuge eine lange Tradition haben, arbeitet man intensiv an der Vergärung von landwirtschaftlichen Nebenprodukten und an der Veresterung von Sekundärfetten (Restfette, Recyclate).
    An Nummer 2. des Schlimmen steht der Massenanbau für Tierfutter und Nummer 3. für Kosmetik.

    Auch wenn Nahrungsmittelerzeugung die Hauptnutzung von Palmöl ist, so ist das noch eine einigermaßen gute Verwendung. Wirklich schlimm sind doch die Monokulturen und die großflächige Abholzung von Wäldern für den Anbau von .... name it .... und ganz besonders die Verschwendung und sinnlose Vernichtung.
    Sparsamer, respektvoller Umgang mit möglichst naturbelassenen Rohstoffen ist auch bei Palmöl möglich und "gut". mehr weniger
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