Otto-Vorstand Michael Heller im Interview

“Wir wollen der beste Mehrkämpfer sein"


Nachhaltigkeit bleibt konzernweites Thema

Utopia: Künftig wollen Sie sich auch in der Kommunikation auf Utopia.de auf die OTTO Einzelgesellschaft fokussieren. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?

Michael Heller: Dazu sollte man kurz erklären: Die Otto Group ist eine Handels- und Dienstleistungsgruppe mit 123 wesentlichen Gesellschaften. OTTO ist die größte Einzelgesellschaft der Gruppe und auch in Sachen Nachhaltigkeit das Zugpferd. Innerhalb unserer Nachhaltigkeitsstrategie haben wir vorgesehen, die Verantwortung für CR noch stärker in die operativen Prozesse eines jeden Einzelunternehmens zu integrieren. Mit der Umstellung auf die wichtigste Einzelgesellschaft wollen wir das Thema Nachhaltigkeit für die Utopisten greifbarer machen und gleichzeitig auch anderen Konzernunternehmen in Zukunft die Chance geben, auf Utopia.de in den Dialog zu treten.

Verliert das Thema Nachhaltigkeit in der Otto Group damit insgesamt an Bedeutung?

Michael Heller: Nicht im Geringsten! Das Thema Nachhaltigkeit ist weiterhin ein konzernweites Thema. Die Otto Group entwickelt die strategischen Vorgaben, d.h. die CR-Strategie wird auf Ebene der Otto Group mit klaren Zielen für die einzelnen Unternehmen festgesetzt. Diese Strategie umfasst fünf Handlungsfelder: (1) Mitarbeiter, (2) Klima und Umwelt, (3) Lieferanten, (4) Sortimente & Kunden und (5) das Thema gesellschaftliches Engagement.

Was wird aus den ambitionierten übergeordneten Zielen der Otto Group, wie beispielsweise der angestrebten Reduktion der Treibhausgas-Emissionen um 50% bis 2020? Haben die Ziele weiterhin Bestand?

Michael Heller: Selbstverständlich! Und auch die OTTO Einzelgesellschaft leistet dazu einen substanziellen Beitrag. Aktuell soll z.B. durch die Optimierung der Logistikkette die Luftfracht in der Beschaffung um 30% reduziert werden. Das ist ein ambitioniertes Ziel und ein substanzieller Beitrag zum Klimaschutz.

Welche Bedeutung wird Nachhaltigkeit und Corporate Responsibility künftig strategisch bei otto.de haben? Und wo wird das Thema organisatorisch im Unternehmen verankert sein?

Michael Heller: Nachhaltigkeit ist und bleibt bei OTTO Chefsache. Alle Vorstände nehmen sich persönlich verschiedenen CR-Themen an. Wir nennen das „CR-Patenschaften“. Ich persönlich verantworte das Thema nachhaltige Rohstoffe, also z.B. den Einkauf von FSC-zertifiziertem Holz oder Textilien aus Bio-Baumwolle oder Cotton made in Africa.
Auf der Ebene der Otto Group existiert bereits seit den frühen 1990er Jahren ein eigener Stabsbereich für das Thema CR. Dieser Stabsbereich entwickelt die angesprochene CR-Strategie für die Otto Group. Auf Ebene der OTTO Einzelgesellschaft gibt es nun ebenfalls einen eigenen CR-Bereich, der die Zielvorgaben konkretisiert und in das Unternehmen OTTO trägt.

Showroom

Neuheiten auf dem grünen Markt

Vorreiterrolle – teilweise eingebüßt

In den letzten Jahren ist gerade in Ihrer Branche viel in Bewegung geraten. Einige Ihrer Wettbewerber – wie z.B. die REWE Group, Tchibo, Ikea – haben sich ambitionierte Nachhaltigkeitsziele gesetzt und sind dafür zuletzt mit Preisen ausgezeichnet worden. Hat Otto seine Vorreiter-Rolle im Handel eingebüßt?

Michael Heller: Ja, zum Teil müssen wir eingestehen diese Vorreiterrolle eingebüßt zu haben. Nicht weil wir selbst weniger aktiv sind. Im Gegenteil. Aber das Thema CR und Nachhaltigkeit hat branchenübergreifend eine starke Beschleunigung erfahren. Der Handel und auch andere Branchen nehmen sich sehr stark des Themas an und haben darin auch einen potentiellen Wettbewerbsvorteil erkannt.
Dennoch bewegen auch wir uns weiter, setzen uns ambitioniert Ziele und streben eine maximale Effektivität und Breitenwirkung an. Ganz konkret bedeutet das: Wir wollen nicht die Besten in einer CR-Einzeldisziplin sein. Unser Anspruch ist es in allen CR-Themenfeldern substanzielle und messbare Fortschritte zu erzielen. Um es mit einem Bild aus dem Sport einzufangen: Wir wollen der beste Mehrkämpfer sein.

Inwieweit wird sich das Nachhaltigkeits-Engagement von Otto auch in einem immer „grüneren“ Sortiment widerspiegeln?

Michael Heller: In unserem Themenshop ECOREPUBLIC auf otto.de bündeln wir diese Sortimente und bieten den Kunden damit für fast alle Lebensbereiche nachhaltige Produkte an. Darin steckt viel Dynamik. Das Produktangebot und die Nachfrage danach steigen kontinuierlich.

Darauf dürfen sich Verbaucher freuen

Aktuell bietet OTTO im Eco-Republic-Shop knapp 4000 nachhaltige Produkte (z.B. Produkte aus Biobaumwolle oder Fairtrade, Möbel aus FSC-zertifiziertem Holz oder besonders energieeffiziente Haushaltsgeräte). Auf welche neuen Produkte dürfen sich die Verbraucher freuen?

Michael Heller: Für die kommende Frühjahr/Sommer-Saison haben wir beispielsweise mit der jungen Hamburger Designerin Julia Starp zusammen gearbeitet. Julia Starp entwirft ausschließlich nachhaltige Mode. Ab Januar 2012 gibt es exklusiv bei OTTO unter dem Label ECOREPUBLIC eine nachhaltige Kollektion aus Bio-Baumwolle und Baumwolle aus der „Cotton made in Africa“-Initiative designed von Julia Starp.

Zum Schluss ein Ausblick: Welche Erwartungen haben Sie an die Entwicklungen des nachhaltigen Konsums? Wo hin bewegt sich der Konsum – Richtung billig oder Richtung nachhaltig?


Michael Heller: Zu diesem Thema hat die Otto Gruppe dieses Jahr zum dritten Mal die Trendstudie zum ethischen Konsum durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen, dass es für Unternehmen zunehmend wichtiger wird eine klare Haltung zu entwickeln und Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen. Werte und damit auch Unternehmenswerte gewinnen in der Wahrnehmung der Menschen an Bedeutung. Und um damit auf Ihre Frage zurückzukommen: Ich glaube nicht, dass man sich als Unternehmen langfristig ausschließlich über den Preis differenzieren kann. Sie müssen eine Vertrauensbasis zu ihren Kunden aufbauen und hier wird nachhaltiges Handeln eine zunehmend wichtige Rolle spielen.

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    Bewusst-einkaufen
    schrieb am 30.11.2011 um 15:32
    Offenbar hat es nun auch Frau Abratis die Sprache verschlagen (8o))
  • gelöscht am 30.11.2011 um 15:33 von Bewusst-einkaufen
    Dieser Kommentar wurde gelöscht..
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