Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.
Designer Oliver Heath im Portrait

Das "Anti-Ikea-Konzept"


Von Stephan Sepp

Die Briten kennen ihn vor allem aus dem Fernsehen. Dort bringt der 38-Jährige mit dem hübschen College-Boy-Gesicht seinem Publikum unter anderem die "Magie des Recycling" näher - als Harry Potter für große Kids, der alte Materialien in neue verwandelt. Nebenbei betreibt er einen Online-Shop, EcoCentric, der umweltfreundliche Deko- und Haushaltsware anbietet. Und er schreibt Bücher. Sein Aktuelles nennt sich "Urban Eco Chic". Eine kompakte Kreuzung aus Coffee Table Book und Ratgeber mit vielen praktischen Tipps für den umweltfreundlichen und energiesparenden Lifestyle in Haus und Wohnung.

 

 


Oliver Heath
Foto: Oliver Heath

Es scheint, als trage Oliver Heath immer noch der Wind, der vor 20 Jahren sein Segel füllte. Da war er noch ein Teenager und verdingte sich als Windsurf-Lehrer an der Küste. "Auf meinem Board habe ich viel über die Natur gelernt," erzählt er. Irgendwann habe er sich zu einer Art ganzheitlichem Surf-Instruktor gewandelt, der den Wassersport als Naturerfahrung vermittelte. Später studierte er Architektur. Und sei allmählich der geworden, der er heute ist: "ein Designer und Lehrer".

Und ein Umwelt-Aktivist? "Nein," sagt Oliver Heath, "das bin ich nicht". Wer sein neues Buch gelesen hat, ahnt es schon: Da distanziert er sich von den allzu rigorosen Öko-Fundamentalisten. Die am liebsten die alten Häuser und Villen niederreißen würden. Damit die Menschen in sterile Funktionsbehausungen ziehen, mit photovoltaischen Zellen und Windrädern auf dem Dach. Die Menschen sollen ihr Verhalten ändern, findet Heath, aber sie sollen bleiben wie sie sind: "emotional, individuell, verliebt in ihre Eigenheiten". Und in ihrem Wesen wenig geneigt, ihre Vorlieben vernünftigen Argumenten zu beugen.

Deshalb setzt der Energiespar-Ratgeber Heath lieber auf die kleinen Lösungen als die großen Umbaumaßnahmen. Zum Beispiel auf Wärme speichernde Steinböden und Ökoboiler, die in der Summe wirken. Auf diese Weise können auch Altbau-Bewohner bis zu 30 Prozent Energie sparen, sagt Heath. Er weiß das so genau, weil er selber in der Vergangenheit lebt: In einem über 100 Jahre alten Haus in der Nähe von Brighton, das Heath zusammen mit seiner Frau und den beiden Töchtern bewohnt, hat er seine persönliche Wohn-Utopie verwirklicht. Und die lässt hoffnungsvoll in die Zukunft blicken.


Foto: Oliver Heath

Zumal die Produktpalette für den umweltschonenden Lifestyle mittlerweile erstaunlich groß geworden ist. Heath nutzt sie reichlich aus. Er verwendet Böden aus Kork und Gummi, Schränke aus Naturholz und Edelstahl, Ledermöbel, Wollteppiche, Tischplatten aus recyceltem Glas. Das ist der Eco-Chic, der sich kaum durch neue Formen von Althergebrachtem unterscheidet. Eher durch die Ästhetik neuer Kombinationen von neuen und wieder entdeckten Materialien wie Polypropylen und Bio-Polymer, Gummi und Linoleum. So vollzieht sich diese Design-Revolution schleichend und nahezu unscheinbar. Denn wie die wahre Liebe definiert sich der neue Style über seine inneren Werte. Schön ist, was recycelt, recycelbar und nachhaltig ist.

 

Und alt sowieso. "Kaufen Sie Second-Hand-Ware, beim Antiquitätenhändler, bei E-Bay oder auf dem Flohmarkt," rät Oliver Heath. Das ist die älteste, einfachste und wahrscheinlich immer noch charmanteste Recycling-Methode. Die zudem auch noch psychologisch auf die Nachhaltigkeit wirkt. "Ein Stück, in das sich jemand auf dem Trödelmarkt verliebt hat, wirft er nicht weg wie ein billiges Billy-Regal von Ikea," sagt Heath.

 
Auch das war schon erahnbar. Die Abscheu des Designers gegenüber diesen Megamärkten der selbst ernannten Familienfreunde aus Schweden, die ihre Kunden mit bunten Bällen und Hackfleischkugeln bewerfen. Um ihren Billig-Krempel ständig in einen Besorgungs- und Entsorgungs-Kreislauf zu pumpen, der auf nachhaltige Weise dann doch die Börsen belastet - die Umwelt sowieso.

Von Manufactum in Deutschland hat Oliver Heath bisher noch nichts gehört. Aber die Idee gefällt ihm: "Dinge anzubieten, die vielleicht etwas teurer sind, aber dafür ein Leben lang halten - und damitletztendlich günstiger sind als die billigen Einweg-Produkte."


Foto: Oliver Heath

Mit EcoCentric verfolge er eine vergleichbare Geschäftspolitik. Ein "Anti-Ikea-Konzept", das neben dem  Online-Vertrieb in Zukunft ebenso den ein oder anderen Store vorsieht. Vielleicht expandiert Heath dann sogar bis nach Deutschland. Dann gehen wir gerne hin und versorgen uns mit Energiespar-Leuchten, Öko-Tapeten und Bio-Breakfast-Tea. Die Lachssenfsoße und die Blaubeermarmelade kommen uns doch sowieso schon aus den Ohren raus.

 

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Stand: 12.02.2009 von

Kommentare (8)   abonnieren

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    schrieb am 14.02.2009 um 11:47
    schöne Geschichte aus England. Der Erfolg scheint O.Heath Recht zu geben, wenn er auf Recycling und auf Qualität im neuen Design setzt.
    Beim Neukauf von Möbeln empfehle ich den Weg zum Schreiner. In der Regel freut sich dieser und nimmt gerne jegliche Herausforderung an. Dabei können sowohl Kunde und Handwerker seine Kreativität entfalten. Sicher wird der Preis nicht mit dem Schnäppchen-Angebot der Supermärkte vergleichbar sein. Doch bei der Betrachtung der Lebenserwartung von "Schnäppchen" relativiert sich einiges.
    Die Zeitspanne der Anschaffung unserer Möbel zieht sich über viele Jahre. Sie ist noch nicht abgeschlossen, da das nötige "Kleingeld" nicht immer da ist. Jedes angeschaffte Möbelstück erfreut uns aber heute noch und an Auswechseln -bis aufs Sofa- wird nicht gedacht.
    Daniel

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    schrieb am 17.02.2009 um 12:00
    Ich pilgere schon ewig nicht mehr zu Ikea. Es wäre einfallslos. Weil es vielerorts schönere und qualitativ hochwertigere Einrichtungsgegenstände gibt. Massenprodukte von Ikea haben keine Seele. Mich überrascht der hohe Individualitätsverlust in vielen Haushalten: Ikea überall. Ist langweilig und wegen visueller Umweltverschmutzung noch viel zu teuer. Ikea at its best = Ikea auf dem Sperrmüll. Gestalter wie Oliver Heath gibt es ja auch in Deutschland einige. Auch sie zeigen auf, dass gutes Design und individuelle Einrichtung erschwinglich sind.
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    schrieb am 18.02.2009 um 14:57
    aber man braucht ganze Säcke davon, um sich so einzurichten wie der werte Herr Heath. Mein Verdienst liegt deutlich unter dem 6stelligen Jahresgehalt und als Alleinversorger einer 4köpfigen Familie kann ich mir kein Poolhouse, keine handbemalten Tapeten (gedruckt in England!!!!!!), keine Designerbar und kein Designerbad leisten. Ich vermute mal, die bescheidene Hütte dieses Herrn hat mehr gekostet, als ich in meinem mir verbleibenden Berufslebennoch verdienen werde.
    Und nein, ich bin nicht neidisch, aber wie mich diese Schöner Wohnen Bilder motivieren sollen, die produkte dieses Herrn zu kaufen, um meinen ökologischen Ansprüchen gerecht zu werden, kann ich leider nicht nachvollziehen.

    Thema und Anspruch verfehlt liebes Utopia Team

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    schrieb am 19.02.2009 um 10:42
    lazaruslong hat völlig recht. mit einem haufen geld kann man die utopie einen ökogerechten lebens ziemlich easy verwirklichen. und das schafft man übrigens auch gut alleine, dafür braucht man keine community.
    die utopie kann doch nicht heißen, alle superverdiener sollen nachhaltig leben, sondern nach und nach immer mehr und schließlich die mehrheit der menschen.

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    schrieb am 20.02.2009 um 20:01
    Super!
    Biodesign für den Schwanzlurch von Welt.
    Solang das Feindbild (IKEA) klar ist und sich niemand um die soziale Teilhabe geschweige denn die Collateralschäden dieses Schnickschnacks schert, kann man sich damit super profilieren!
    Thumbs up, Oliver!
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    schrieb am 27.02.2009 um 13:00
    Ich kann meinen Vorrednern da nur zustimmen: mit überteuerten Antiquitäten lässt sich einiges herrichten. Ich finde die Bilder auch allesamt sehr ästhetisch -- ein echtes Vorbild kann der gute Mann aber durch seinen Status trotzdem nicht sein. Mir ist auch nicht ganz klar, was er dann hier überhaupt macht, vertreten durch einen so langen Artikel. Bloß Werbung für seinen Lifestyle, die Firma und sein Buch?
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    schrieb am 05.04.2009 um 12:53
    Es ist nicht schlecht, wenn Designer zu natürlichen Materialien greifen und aus einem anderen Bewusstsein arbeiten. Letzteres scheint mir hier am meisten im Vordergrund zu stehen. Dass er mit Nobeldesign nicht die Welt rettet, ist doch klar, man kann nunmal nicht zur Steinzeit zurückkehren.

    Mein IKEA-Regal, das ich vor 30 Jahren gekauft habe, als ich meine erste Wohnung eingerichtet habe, ist immernoch in Verwendung. Mittlerweile mit einem individuellen Anstrich. Es ist halt doch das Bewusstsein des Verbrauchers, das sich in die Umwelt eingliedert oder nicht.

    Mit der Nachhaltigkeit allein in den äußeren Materialien anzusetzen, wird niemals viel ändern. Nachhaltigkeit entsteht im Menschen, durch Wertschätzung. Wer z.B. Goethe (nicht nur als Dichter) studiert, wird auch nachhaltig denken.
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    schrieb am 18.04.2009 um 13:39
    Danke, genau dies finde ich richtig!
    Zweifellos gibt es bei Manufaktum schöne Artikel. Und sie mögen auch ein (zwei) Leben lang halten. Wie auch geschreinerte Möbel. Einiges habe ich auch mit Geduld in Haushaltsauflösungen gefunden... Aber ich bin dankbar, daß es Ikea als Alternative zu den anderen Billighäusern gibt, die zu meinem Geldbeutel passen. Denn auch wenn manch "nachhaltiges" Stück ein Leben lang halten würde, kann ich jedoch nur über meinen Geldbeutel von heute verfügen. Und so geht es vielen Menschen. Allerdings ist fast jedes Stück in meiner Wohnung ein Lieblingsstück - und wird mir mich wohl den Rest meines Lebens begleiten.

    Mag Oliver Heath die Megamärkte nicht mögen, muß er auch nicht. Ich würde mich freuen, wenn solche Märkte auch nachhaltiger werden.
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