Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.
Ökosex Kolumne

Tupperparty in Sachen Energie


Viele Jahre hatte ich so ein Gefühl von „"man müsste mal"“. Insbesondere dachte ich immer, „man müsste mal“ mit seinem Nachbarn über Konsum und Ökosex reden. Ich komme drauf, weil ich natürlich auch vom Buch von Claudia Langer, der Gründerin von Utopia, gehört habe. Und ja, es gibt berechtigte Gründe mal mit den Leuten Tacheles zu reden in Sachen Lifestyle: „"Schätzchen, eine Sparlampe reinschrauben reicht einfach nicht zur Weltrettung".“ Aber wie jeder weiß, bin ich ein Ökotainer, katholisch, muss die Welt nicht retten und meine Waffe ist nicht das Evangelium, sondern der gepflegte ökologische Joke.

Ich dachte früher beispielsweise, man müsste mal in der ganzen Straße die Häuser isolieren. Aber ich gebe zu, das Gespräch mit meinen Nachbarn hier in Maastricht war lange Zeit schwierig. Ich traf die auf Geburtstagen in der Nachbarschaft, aber da wollte ich doch nicht den deutschen Öko raushängen. Als Ausländer besser nicht unangenehm auffallen! Irgendwann habe ich dann aber doch mit Freunden eine Stiftung gegründet. Die ist spezialisiert auf den Straßenkampf in Sachen „"man müsste mal“" Energie sparen und Erneuerbare aufbauen.

Wir haben ein sehr monothematisches Programm. Alles was wir machen sind Energie-Tupperabende. Ganz schwierig ist es nämlich, Leute zum Energiesparen in den eigenen vier Wänden zu kriegen. Das ist der Gipfel von „"man müsste mal"“. Da helfen keine noch so tollen Broschüren, keine CO2-Emissionenrechner, Subventionen überzeugen nur mäßig und auch Aspirin versagt. Was hilft ist der intime Kontakt von Nachbar zur Nachbarin. Das hatte ich mal in einer amerikanischen Studie gelesen. Tatsächlich ist Konsumverhalten besonders in der Nachbarschaft ansteckend.

Fährt der Nachbar im Suff, kann man davon ausgehen, dass es andere in der Straße auch machen. Deshalb also unser Ansatz mit der Tupperparty. Tupper macht ja bis heute was ganz Gemeines und Verabscheuungswürdiges, beutet soziale Beziehungen von Freunden und Bekannten aus, um Plastikschüsseln zu verkaufen. „Also gut“, sagt da die Nachbarin am Ende des geselligen Abends bei Heidi im Wohnzimmer, „"dann nehme ich auch noch eine Salatschleuder mit für 33,80 Euro, weil es halt doch so nett war.“"

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Genauso machen wir das auch. Wir veranstalten Energiepartys im Wohnzimmer von Bekannten. Die Gastgeber kriegen auch ein kleines Geschenk. Was zum Energiesparen oder Gutscheine für die Getränke. Und die müssen dann ihre lieben Freunde und Nachbarn einladen, jeder mit seiner Strom- und Gasrechnung bewaffnet. Dann wird verglichen. „"So viel mehr?“", heult da so mancher Nachbar. „"Weniger is machbar"“, sagen wir und zeigen den Leuten lachend unsere flachen Energierechnungen, schwärmen von der Modulen und Kollektoren, und von der Isolierung und der Lüftung mit Wärmerückgewinnung im Bad.

Aber Wunder können auch wir nicht bewirken: trotz unserer spektakulären Anfixpartys ist es ein weiter Pfad von der Idee zur Tat. Peter hat am Haus immer noch nix gemacht. Wim hat was machen wollen. An Jan bin ich dran. Aber Wolfgang hat sich eine PV-Anlage gegönnt und innenliegende Isolierung. Jean hat seinen Boden von unten gedämmt und John hat LED Lampen. Phedon war gestern bei Wolfgang gucken, wie die Module aussehen und ich war mit Bekannten in Pieters schwimmendem Passivhaus um die Wärmerückgewinnung zu zeigen. Ad hat sich wegen seiner schönen Altbaufenster für Gläser entschieden, die vor die alten Fenster gesetzt werden. Und Frank hat jetzt doch ein kleines thermisches Solarsystem. Seine Sauna läuft übrigens mit Ökostrom.

Nochmal zurück zu Peter: der hat seinen Chrysler verkauft und fährt einen Fiat unter 90 g/km CO2. Ich lobe ihn immer, wenn ich ihn ins Auto steigen sehe. Positive Verstärkung. Man könnte und müsste natürlich noch viel, viel mehr tun, aber „"Tel Aviv“", so ist das Leben.

Stand: 08.10.2012 von

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    schrieb am 11.10.2012 um 14:44
    Hallo zusammen,

    dass sind ja nette Vorschläge.
    Ergänzend würde ich nachfolgende noch hinzufügen:

    Weihnachtsgeschenke in Form von Gutscheinen für

    ein Wochenende in einem Passivhaus, für alle die dieses Wohlfühlgefühl erleben wollen, mit viel zu wenig Energieaufwand zuleben, ohne frieren zu müssen weil der Brennstoff zu teuer ist.

    eine Fahrt mit einem E-Mobil übers Wochenende; für die Porschefans bietet sich hier der Teslar an, auch Hinsichtlich "von 0 auf 100"-Gefühlen.

    den Ausstausch der Heizungspumpe, oder den noch verbleibenden Mehrkosten nach Abzug der schon
    vorhandenen Fördermöglichkeiten. Dann kostet sowas schnell mal gar nix mehr, oder nur noch die
    Vereinbarung eines Termins mit dem Heizungsbauer seines Vertrauens.

    die Einregulierung der Heizungsanlage (Hydraulischer Abgleich), oder der Mehrkosten; siehe oben beim Fall Heizungspumpe

    den Einbau von Bewegungsmeldern für die Lichtanlage zuhause

    oder den fertig ausgefüllten Vordruck zum Versand an die Regierung zur Übernahme der Müllabfuhrkosten durch das Steueraufkommen, da diese bei den Atomkraftswerken ja auch durch uns Steuerzahler, durch erfolgreiche Lobbyarbeit der Oligarchen, übernommen sind.

    oder den fertig ausgefüllten Vordruck zum Versand an die Regierung hinsichtlich Einbehalt des Rentenanteils in den Stromkosten, welche der Beschenkte direkt seinen Großeltern oder Eltern auszahlt, incl. Abzug der Einsparung an Verwaltungskosten.

    usw.

    Grundsätzlich ist zu empfehlen mit der eingenen Energiewende nicht auf die Regierung oder andere zu warten, sondern es sofort anzugehen. Jede Stunde Energieeinsparung liefert Geld in die eigene Tasche!
    Und dass alles mit garantierter Steigerungsrate.
    Idealziel: werde Dein eigener Energieerzeuger und mache Dich unabhängig von den Energieoligarchen und deren Steigbügelhalter. mehr weniger
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    schrieb am 09.10.2012 um 21:31
    Am erfolgreichsten sind wir, wenn wir Neid wecken können. Das hat mir schon vor 25 Jahren mein damaliger Chef vorgemacht: Egal ob bei Regen oder Sonnenschein, er hat sich immer mal wieder ans Bürofenster gestellt und gut hörbar für die Kolleginnen und Kollegen gemurmelt "und noch 'ne Mark..., und noch 'ne Mark..., und noch 'ne Mark!"...
    Er hatte sich eine Regenwassersammelanlage und eine Solaranlage zugelegt und hat mit dieser zurückhaltenden (es ging ihm gar nicht wirklich ums Geld), aber unüberhörbaren Werbung dafür gesorgt, dass sich im Laufe der Jahre schätzungsweise 20 weitere Kollegen solche Anlagen angeschafft haben. mehr weniger
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    schrieb am 08.10.2012 um 18:55
    Schöne Idee. Danke.
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    schrieb am 08.10.2012 um 14:56
    gefällt mir auch!
    Aber bei Tupper ist das ja nun so, dass ne Firma hintersteckt, die über Kettenreaktion bequem Geld verdienen will oder es auch tut.
    Wie wäre es denn, die Bundesregierung finanziert solche "EnergieTupperberater" mit einem ÖKOstrombonus, wenn die in ihrer Nachbarschaft ökokorrektere Ergebnisse aufweisen können? mehr weniger
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    schrieb am 08.10.2012 um 12:54
    Lieber Martin Unfried, das gefällt mir!

    Das Potential in unserer direkten Nachbarschaft ist zwar schon ziemlich ausgeschöpft, aber meine Freundin, die jeden Cent zweimal umdrehen muss, bevor sie ihn ausgeben kann, habe ich schon so weit, dass sie Wasser bevorzugt mit dem Wasserkocher erwärmt (und nicht wie vorher, im zu kleinen Topf und ohne Deckel...). Speziell für sie warte ich aber noch sehnsüchtig auf eine ordentliche Abwrackprämie für veraltete Heizungsanlagen oder wenigstens für Umwälzpumpen.

    Es tut sich übrigens auch anderswo etwas: Gestern waren wir im Erntedankgottesdienst in unserer katholischen Kirche und haben, nachdem familiengottesdienstmäßig das unnötige Wegwerfen von Nahrungsmitteln dargestellt wurde, zum Abschluss kostenlos Rezepte zur Resteverwertung ausgeteilt bekommen. Kann man bestimmt auch in anderen Gemeinden machen.

    Und ich überlege, an ausgewählte Haushalte im Familien- und Freundeskreis LED-Birnen zu Weihnachten zu verschenken, so als kleinen Anstups. Teuer genug sind sie ja noch, dass sich die meisten nicht so recht rantrauen. Aber als Geschenk... mehr weniger
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