Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.
Ökosex - Kolumne

4:2 gegen die Nachhaltigkeit


Wie komme ich auf 4:2?

In Sachen Atom ist das einfach: die gesamtgesellschaftliche Emotion war nach Fukushima so überdeutlich, dass Angela Merkel aussteigen musste. Atom ist in Deutschland uncool (0:1). Dagegen helfen selbst keine Horrorbilder von Kosten und Stromausfall, die überlebende Atommummies immer wieder kommunizierten.
Deutschland hat sich hier eher dem Mutterland der Atomabneigung angenähert. Dies ist bekanntlich Austria, wo die Bevölkerung beim Gedanken an tschechische und bayerische Reaktoren seit Jahren Hitzewallungen bekommt.

Eine weitere recht positive Gefühlslage habe ich für Biolebensmittel festgestellt. Die ehemals exotische Vorliebe bärtiger Sandalenträger ist insbesondere auch bei gutverdienenden Meinungsmachern populär geworden. So richtig gegen Biolebensmittel ist niemand mehr (0:2). Auch Vegetarier sind nicht mehr skurril, sondern okay. Allerdings ist auch die Bratwurst immer noch sehr wichtig. So führt auch anders als erwartet die Akzeptanz von Bio nicht wirklich zu einem massiven Ausstieg aus der konventionellen Landwirtschaft. 94% der Anbaufläche in Deutschland ist immer noch konventionell. Die Schweine stapeln sich in Niedersachsen (1:2). Der Bioanteil steigt zwar, betrug am Umsatz aller Lebensmittel Ende des Jahrzehnts immer noch unter 4 Prozent. Die Zahl hat mich erschüttert. In Dänemark ist es fast doppelt so viel. Dies zeigt wiederum, dass Konsumentengefühle das eine sind, intelligente Politik das andere.

Wie steht es in Sachen Energiewende und "not in my backyard"? Da würde ich sagen eher unentschieden. In Süddeutschland nimmt die Akzeptanz für Windparks zu und die Energiegenossenschaften boomen. In anderen Gegenden, wo schon viele Mühlen stehen, wird es schwieriger. Auch scheint in den Medien Solarbashing beliebt, und auch darum funktionierte das Abwürgen der Photovoltaik durch die Regierung (2:2). Ob das allerdings vom Mainstream gemocht wird, bleibt offen. Insgesamt haben natürlich angesichts einer Million privater PV-Anlagen die solaren Vibrations schwer zugenommen. Das wird noch für die Gegner der Erneuerbaren ein Problem.

Bleiben die 40 Millionen Autos. Forscher sehen eine neue urbane Generation, die die Lust am Auto verloren habe. Mhm. Da bin ich skeptisch. Der Verkauf von SUVs steigt wieder (3:2). Große Dienstlimousinen werden immer noch staatlich gefördert. Eine rationale Haltung zum Produkt ist immer noch marginal. Der Punkt geht trotz Elektrogequatsche voll an die Brumm-brumm Fraktion. Die deutschen Autokonzerne verdienen gut wie nie, doch niemand fordert den Subventionsstopp (Dienstwagenbesteuerung, Entfernungspauschale), eher neue Hilfen wegen Benzinpreisen. Auch ist Rasen immer noch gesellschaftsfähig (4:2). Ob es auch Mainstream ist?

Da muss ich mal die Leute vom Sinus Institut fragen, die die deutschen Milieus beobachten. Nach deren Aufteilung Deutschlands in 10 verschiedene Stämme scheint allerdings fraglich, ob es überhaupt noch einen Mainstream gibt. Die Gesellschaft löst sich auf in Kleingruppen. Das sozial-ökologische Milieu kommt dabei nur auf einen Anteil von 7,2 %. Darüber können sich die Hedonisten sicher amüsieren, die mit 15 % mehr als doppelt so groß sind. Ich muss mich wohl mehr um die Hedonisten kümmern.

Stand: 04.04.2012 von

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    schrieb am 16.04.2012 um 23:54
    Auf jeden Fall freundlich und sachlich bleiben, klar. Aber auch nicht mit den eigenen Entscheidungen hinterm Berg halten, wenn´s darauf ankommt. Wenigstens in Teilbereichen ganz selbstverständlich Vorbild sein. Und auch das Spannungsfeld nicht zu leugnen, selbst als Öko mit gutem Einkommen hier eben doch mit Dienstreisen knapp zehn Tonnen fossiles (!) Kohlendioxid freizusetzen, trotz Ökostrom und KFW-60-Haus. Verflixt! Aber gerade deswegen müssen wir bewegen, was zu bewegen ist, wenn wir´s verstanden haben. Man kann ja doch ´was tun! mehr weniger
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    schrieb am 13.04.2012 um 09:19
    In den letzten Wochen bin ich 2 mal sehr erschreckt worden:

    Da habe ich tatsächlich in meiner persönlichen Umgebung bei 2 Bekannten (nicht Freunden) feststellen müssen, das die überhaupt nichts, garnichts mit dem Begriff "occupy" anfangen konnten. Da war ich absolut sprachlos, das habe ich mir einfach nicht vorstellen können, das es Menschen im Alter zwischen ca. 25 und ca. 35 Jahren in Deutschland gibt, die absolut keine Ahnung hatten was es mit der Occupy-Bewegung auf sich hat.

    Das hat mich sehr nachdenklich gemacht!

    Was brauchen diese Menschen um wach zu werden, um Interesse zu haben an der Gesellschaft, am vorhandenen Gesellschaftssystem, am Wirtschaftssystem, in dem Sie doch selber leben?
    Wieso nehmen andere Prioritäten mehr Platz ein, als wirklich wichtige Herausforderungen unserer Zeit?
    Es geht doch auch um deren eigene Zukunft.

    Alle 4 Jahre "wählen gehen" und ansonsten brav "normal" konsumieren und "normal" arbeiten und "normal" leben, ohne sich über die Herausforderungen unserer heutigen Zeit Gedanken zu machen, das geht doch nicht, oder ?
    Das wir vor ganz besonderen Herausforderungen stehen, muss doch wirklich jedem Menschen klar sein!
    Glauben viele Menschen immer noch die Lügen unserer Politiker und Wirtschaftssprechern?
    Kann man wirklich glauben" Wir stehen kurz vor der Vollbeschäftigung" und die Hartz4-Empfänger müssen bei "Versäumnissen" bestraft werden?

    Oder beim Thema Atomkraft?
    Wieso sind so viele Menschen so gleichgültig? Es dauert maximal 15 Minuten und man hat Ökostrom, oder zumindest atomfreien Strom.
    Brauchen diese Menschen noch ein Fukushima, oder 3, oder 4?

    Bisher habe ich diese Menschen noch nicht auf Ihre Gleichgültigkeit angesprochen.
    Da bin ich noch zu EMOTIONAL.

    Wieviel Katastrophen braucht ein Mensch um sich zu verändern?

    Wie sind da Eure Erfahrungen ? Wie geht Ihr damit um ? mehr weniger
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    schrieb am 04.04.2012 um 20:48
    und täglich grüßt das Martintier... immer wieder schön zu lesen!!

    @Dude aber der Planet ist halt wohl so lecker, dass man aus der Sicht einiger, kein Krümel übriglassen soll. Denn irgendwo auf der Welt hungern Kinder also isses gemein, den Teller net leer zu essen!!!!

    Was ich hier in Deutschland immer häufiger merke - und das überrascht mich bei Regierungsbeteiligung von CXU und XPD nicht wirklich - ist: Der amerikanische Trend, was eineimischen Großfirmen gut tut, wird politisch umgesetzt, angestrengt unterstützt oder großzügig gesponsort und was ihnen schadet, solang wie möglich blockiert oder aufgeschoben. Siehe:
    - das lieblose aktionistische Gebaren zur E-mobilität - http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1360798/F21-Dokumentation-Die-leise-Revolution#/beitrag/video/1360798/F21-Dokumentation-Die-leise-Revolution
    - der Atomausstieg-Ausstieg
    - die Bürgschaft für Brasiliens AKW Angra 3 - http://de.wikipedia.org/wiki/Kernkraftwerk_Angra
    - die Straßenschuhputzerrolle der Politik gegenüber der Autoindustrie und den Autofahrern. Denn was dem Ami seine Knarre + NRA ist dem Kraut seine Karre + ADAC...
    Da wundert mich ehlich gesagt überhaupt das Vorhandensein einer Benzinsteuer.

    Daher denk ich es ist unrealistisch, konkretes Engagement der o.g. Parteien zu erwarten. Weder bei der Eindämmung von Einwegplastikware (Stichwort BASF) noch bei ökonomisch sowie okölogisch nachhaltiger Verkehrspolitik. Im Ggenteil. Der Staat ist zur Zeit eher die Bremsschwelle!

    Die Nimbys sind und bleiben ein Problem. Aber nicht nur bei der Energieerzeugung sondern überall. und das sieht man dann in der Politik wieder: Bloß den Wähler nicht vor die Wahl stellen Regen oder Traufe wenn man ihn durch Versprechen von ewigem Sonnenschein ein X entlocken kann...

    Traurig, aber ich glaube, wir brauchen einfach noch ein paar Lebensmittelskandale, einen noch höheren Ölpreis, mehr Ausbeutungsgeschichten aus Asien... einfach ein paar neue Fukushimamäßige Schüsse vor den Bug oder Gänsehautmacher um noch mehr Wecker klingeln zu lassen oder wenigstens Debatten anzuheizen. Denn nur dann werden die trägen Menschen schneller merken das es so nicht weitergeht, werden sich sicher häufiger klar dass es nicht ohne zu zahlenden Preis oder Opfer geht. Hat beim Atomstrom ja geklappt und entweder Landwirtschaft oder Autoindustrie (Pardon: Benzinautoindustrie) eine weitere heilige Kuh muss als nächstes auf den Grill in Berlin.

    xDDD
    Du must doch nur den Nimby durch die Asche ziehen
    und mit der kleinen Kurbel dann das Hirn an drehen
    da erscheint ein grüner Pfeil
    und da drückstdu ganz fest drauf
    und schon gehn da beide Augen auf
    - Na wer kennts ^^? mehr weniger
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    schrieb am 04.04.2012 um 10:39
    Es gibt keine Anzeichen dafür, dass in größerem Maßstab der Plastikverbrauch reduziert wird (sei es auf Erdöl- oder auf pflanzlicher Basis hergestellter Kunststoff, er wird später zu Müll gemacht) und dabei ist es egal ob ich bei Aldi einkaufe - was ich in Wirklichkeit niemals tue - oder bei Alnatura, Denn's und Co - was ich bei allem Ärger über die Verpackungen trotzdem tue (5:2). Verpackungsloser Einkauf bei lokalen Ökobäuer_innen müsste Mainstream werden für einen Punkt auf der rechten Seite.

    Milchprodukte spielen in Sachen Klimaschädlichkeit in der gleichen Liga wie Fleisch - dies wird medial kaum thematisiert, da der Fokus der Kritik meist auf Fleisch liegt (6:2). Aus ökologischer Sicht ist nur ein geringer Verbrauch tierischer Nahrungsmittel nachhaltig gestaltbar (eben ca. so viel, wie in reiner Grünlandwirtschaft hergestellt werden könnte).

    Eine wichtige Frage hätte ich noch: Wieso spielen "wir" eigentlich auswärts? Ich drehe das ganze mal um: 2:6 steht es zwar leider für SV Fossil 1899, aber Gastgeber ist immer noch der Dynamo Zukunft. Gespielt wird in diesem perversen Wettbewerb darum, ob unser Leben weiterhin an der Kurzfristigkeit ausgerichtet wird, ohne dass ein Plan für die Zeit nach der kurzen Zeit vorliegt, oder ob sich mittel- und langfristiges Denken und Handeln durchsetzt. Für mich ist und bleibt das ganze aber ein Heimspiel, weil die Arena das ganze "große Boot" ist, das Menschen ihren Lebensraum nennen. Wichtig ist natürlich auch immer die Zuschauer_innen auf die eigene Seite zu ziehen... mehr weniger
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    schrieb am 04.04.2012 um 09:55
    Das mit den Hedonisten wird schwierig, Martin. Vielleicht müßte man darstellen, dass man die zukünftig nicht förderfähigen 20% PV- Strom vom eigenen Hausdach zum Antrieb einer netten privaten Whiskydestille nutzen könnte! ;-)
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