Liebhaber des Bereisens ferner Länder müssen jetzt ganz stark sein, denn es ist – egal wie es auch gedreht und gewendet wird – einfach nicht gut für diesen Planeten. Die Umweltstiftung WWF hat nun einmal nachgerechnet, wieviel Kohlendioxid verursacht wurde bei beispielhaften Reisen, wie sie die deutschen Urlauber lieben.

Etwa bei einem Strandurlaub auf der Insel Mallorca (Abb. rechts): So entstehen bereits bei der An- und Abreise 925 Kilogramm Kohlendioxid. Die Unterkunft schlägt mit 148 Kilogramm auf die CO2-Rechnung, für die Verpflegung kommen 91 und für die Aktivitäten vor Ort noch einmal 58 Kilogramm Kohlendioxid hinzu. Die Bilanz des WWF: Zwei Wochen Mallorca verursachen pro Reisenden eine Tonne Kohlendioxid und schädigen das Klima genauso viel wie ein Jahr Autofahren.
Nicht überprüft hat der WWF dabei Individualreisen, etwa wenn jemand mit dem Rucksack durch Asien tourt – das wäre außerdem spannend gewesen. Allerdings ist es der Langstreckenflug, der dabei die Bilanz verhagelt, so dass selbst der bescheidenste Traveller für seine Belastung des Klimas die Verantwortung übernehmen muss. Einziger Trost: Ein Urlaub in Deutschland schlägt zumindest nicht so extrem rein beim individuellen Klima-Fußabdruck wie ein Trip in die Ferne: Wir können urlauben, aber in der Nähe.
Das Negativ-Ranking der beliebtesten Urlaubsreisen des WWF sieht so aus:
- All-inclusive nach Mexiko für 14 Tage: 7218 kg CO2
- Mittelmeer-Kreuzfahrt für 7 Tage: 1224 kg CO2
- Strandurlaub auf Mallorca für 14 Tage: 1221 kg CO2 (Fuß-Abb. oben)
- Skiurlaub in Österreich für 7 Tage: 422 kg CO2
- Wellnessurlaub im Allgäu für 10 Tage: 297 kg CO2
- Familienurlaub auf Rügen für 14 Tage: 258 kg CO2
- Südtirol für 5 Tage: 216 kg CO2
- Balkonien für 14 Tage: 58 kg CO2
Hier können Sie sich die komplette Studie vom WWF downloaden: ![]()
Das Fazit des WWF für Reisefreudige:
Das eigene Verhalten entscheide mit darüber, inwieweit die Umwelt durch eine Urlaubsreise in Mitleidenschaft gezogen werde. Urlaub sei nicht gleich Urlaub. Jeder Einzelne könne durch die bewusste Gestaltung seiner Reisen dazu beitragen, dass der touristische Fußabdruck so klein wie möglich bleibe.
Folgende 10 Fragen sollten sich Reisende vorab stellen:
- Müssen es die Bahamas sein oder können Sie sich auch auf Borkum oder Rügen sonnen und entspannen? Je näher Ihr Urlaubsziel, desto geringer Energieverbrauch und Emissionen.
- Vermeiden Sie Ziele zum Beispiel mit unkontrolliertem Bauboom, schmutzigen Stränden oder verunreinigtem Meer durch ungeklärte Abwassereinleitungen.
- Wählen Sie Reiseunternehmen, die Indem sie zum Beispiel über die sich umweltfreundliche geben, etwa indem sie über die Umwelt in den Urlaubsregionen informieren, eigene Umweltkriterien für Hotels oder Verkehrsmittel nennen und regelmäßige Sonderabgaben für regionale Umweltschutzeinrichtungen zahlen oder umweltfreundliche Verkehrsmittel bevorzugen.
- Gerade im Sommer trägt die Blechlawine an Autos neben dem hohen Energieverbrauch zur klima- und gesundheitsschädlichen Ozonbelastung der Luft bei. So kann auch die An- reise bereits Urlaub sein: im Zug, im Reisebus oder auf dem Schiff. Und mitunter ist die Bahn gar nicht teurer oder langsamer als der eigene Pkw.
- Gleichen Sie die Menge an klimaschädlichen Treibhausgasen, die durch Ihren Flug produziert werden, wieder aus. Das Klimaschutzprojekt, wofür Sie sich entscheiden, sollte das Gold Standard Qualitätssiegel tragen.
- Nicht überall ist man auf das eigene Auto oder einen Mietwagen angewiesen. Linienbusse oder Fähren gibt es in vielen Regionen, mitunter ist der Transport von Fahrrädern inklusive. Weiterer Vorteil: So lernen Sie besser Land und Leute kennen.
- Gehen Sie in die Natur: zum Beispiel mit geführten Wanderungen oder Tierbeobachtungen in Nationalparks, Radtouren, Flussfahrten mit regionaltypischen Booten und ähnliches. Vermeiden Sie zum Beispiel Mountainbiking und Wandern querfeldein. Oder Bootsfahrten in ausgewiesenen Wasserschutzgebieten.
- Kein Sport, der viel Energie schluckt: zum Beispiel Golf in Trockengebieten oder Tennis mit Flutlichtbetrieb.
- Reduzieren Sie Ihren Wasserverbrauch vor allem im Sommer und in heißen Regionen.
- Wählen Sie Bauten, die sommerlicher Hitze trotzen. So tragen Sie nicht zum immensen Stromverbrauch durch Klimaanlagen bei.


Kommentare (4)
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übrigens finde ich es gut, wenn sich jemand auch vor der planung schon mal ausrechnet, wieviel zu den voraussichtlichen kosten noch hinzukommt, wenn er/sie sowohl hin- und rückfahrt oder -flug, als auch evtl. schiffahrten und andere motorisierte fahrten z.b. bei http://www.atmosfair.de in flugkilometer umrechnen würde, und auch andere klimaschäden durch hotel etc. dadurch versuchen würde wieder gut zu machen, indem er/sie noch mindestens 10% dazu rechnet. - also angenommen es kommen 400 km heraus, dann bei atmosfair 440 als zahl eingeben u.s.w.
- n.b. auch bahn-kilometer sind dazu zu zählen, da ja leider auch die bahn bis heute nicht annähernd 100% regenerativen strom hat, auch wenn ein enigermaßen voller zug natürlich ein verlgeichsweise umweltfreundliches verkehrsmittel ist. -
eine ähnliche 'amortisierung' sollte meines erachtens sogar jede/r auch für alle sonstigen reisen des jahres versuchen, inklusive der fahrten zur arbeit, falls sie motorisiert sind (auch elektromotor, denn der strom muss ja auch erst erzeugt werden und in den europäischen meeren sind ja leider noch nicht genügend hochsee-windkraft-bojen installiert - vgl. z.b. http://de.wikipedia.org/wiki/Schwimmende_Windkraftanlage , die neben solaranlagen etc. eine 100% regenerative stromerzeugung möglich machen könn(t)en). --
am besten sind natürlich trotzdem die emissionen, die erst gar nicht entstehen.
Andrerseits: wieviele Menschen leben so wie ich gänzlich ohne Auto, ich fahre mit dem Rad zur Arbeit oder mit dem Zug; meine Urlaube in den letzten Jahren fanden (wenn überhaupt) mit dem Zug statt, oder ich bin einfach geradelt, was das Zeug hält. Viele fliegen STÄNDIG in der Welt herum, sitzen nur im Auto etc.
Also denke ich mir: Wenn ich jetzt einmal mir etwas Besonderes ansehen will (und da sicher auch diese Umweltabgaben bezahlen werde), brauche ich mich nicht gleich verstecken
Mir stellt sich jedoch sofort die Frage, wie ein Urlaub auf Balkonien mit nur 58 kg CO2 bei 14 Tagen zu Buche schlagen kann, wenn bereits für 14 Tage Unterkunft und Verpflegung aus dem Mallorcabeispiel, die ja auch zu Hause nicht ausbleiben können, knapp 140 kg CO2 berechnet werden. Meinetwegen kann man noch sagen, dass die Unterkunft mit Klimaanlage und täglicher Reinigung etc so hoch zu Buche schlägt (was hier aber nicht steht, man kann sich ja auch ein kleines Appartment mieten, wo man wie zu Hause selbsr aufräumt), aber verpflegen muss man sich ja überall, und wenn es auf Mallorca anfällt, fällt es zu Hause weg.
Schade, dass ein ansich wertvoller Hinwies, der vermutlich nicht oft genug gemacht werden kann, nämlich dass das Fliegen eine sehr hohe Belastung für die Umwelt darstellt, dass Fernreisen das Gleichgewicht der Erde empfindlich stören, derart an Gewicht verlieren muss, weil so offensichtliche Berechnungsirrtümer in der Gleichung stecken.
Oder doch ich doof?
Jedenfalls kann ich nur unterstreichen, dass ein Urlaub im eigenen Land ganz toll ist. Und Deutschland ist sagenhaft schön. Entlang der Mosel zum Beispiel, im Schwarzwald, an der See, in der Heide...
Welche Vorstellung steckt hinter der Klimagas-"Ausgleich"-Strategie beim Fliegen?
In den entsprechenden Höhen bleiben die Schadstoffe doch sehr lange und potenziert aktiv, oder? Kein Baum wächst so hoch, dass da etwas "ausgeglichen" würde. Ganz zu schweigen davon, dass CO2 hier nur die Bezugsgröße darstellt und Flugzeuge anscheinend noch ganz andere Stoffe emittieren.
Ist das nicht Augenwischerei - auch beim WWF? Oder wie läuft das Kalkül?
Ließe mich gerne aufklären und fahre derweil mit dem Nachtzug nach Lissabon... da kann man jetzt schon Wellenreiten!
;j