Schon seit Jahren war Frank Krügel als begeisterter Hobby-Landbauer bei seinen Arbeitskollegen beliebt. Regelmäßig brachte er Ernte-Überschüsse mit zur Arbeit, die er großzügig verteilte. Dabei konnte er sich nie verkneifen, auf die Vorzüge ökologisch angebauter Obst- und Gemüsesorten hinzuweisen und konventionell angebaute Lebensmittel zu verdammen.
Eine monströs aussehende Zucchini schenkte er seiner Lieblingskollegin Doris. "Die hab ich extra für dich vor dem Ratatouille gerettet. Aber nicht meiner Frau sagen, ja?", flüsterte er. Doris konnte Franks Annäherungsversuche zwar nicht ausstehen, aber trotzdem bekam sie Appetit auf Ratatouille, also nahm sie das überdimensionierte Gemüse dankend an.
Als sie am Abend das bereitete Gericht abschmeckte, stellte sie augenblicklich einen Geschmack fest, der so bitter war, dass sie sich schütteln musste. Zögernd nahm sie noch einen zweiten Löffel, um sich zu vergewissern, dass nicht der Wein ihre Sinne täuscht, den sie während des Kochens probiert hatte. Kein Zweifel - dieses Essen war ungenießbar. Also stellte sie es beiseite und bereitete für sich und ihren Mann einen Salat.
In der Nacht, gegen zwei Uhr, fuhr sie plötzlich aus dem Schlaf, von unerträglichen Bauchkrämpfen geschüttelt. Gebeugt ging sie ins Bad, und als sie in den Spiegel sah, fuhr ihr ein Schock durch die Glieder. Ihre Augen lagen in grau-schwarzen Höhlen, und in den Mundwinkeln hatte sich weißer Schaum abgelagert. Das war das Letzte, was Doris sah, bevor sie das Bewusstsein verlor.
Als sie im Hospital wieder aufwachte, sagte man ihr, sie habe eine mittelschwere Vergiftung erlitten. Doch weder Doris noch einer der behandelnden Ärzte hatte eine Idee, was der Auslöser gewesen sein konnte.
Es war die dienstälteste Krankenschwester des Hauses, Schwester Margarethe, die schließlich die richtigen Fragen zu stellen wusste. Was genau hatte Doris in das misslungene Ratatouille gerührt? Woher kamen die Zutaten? Zufällig aus eigenem Anbau? War eine Zucchini dabei gewesen? Hatte der Lebensmittel-Kollege vielleicht die Zucchini in einem gemeinsamen Beet mit Zierkürbissen gepflanzt?
Nach ihrem mehrtägigen Krankenhausaufenthalt konnte Doris ihrem Kollegen schließlich die entscheidende Frage stellen. Wie sich herausstellte, hatte Frank tatsächlich Zucchini und Zierkürbis in einem Beet angebaut. Entrüstet wies er den Vorwurf der versehentlichen Vergiftung seiner Kollegin zurück. Doch Schwester Margarethe sollte recht behalten. Denn die nächste Riesenzucchini - ein Geschenk für Franks Abteilungsleiter - zeigte sich gleichsam giftig. Sie brachte den guten Mann für eine ganze Woche ins Krankenhaus.
Was ist wirklich dran?
Auch im Gemüsebeet lauern Gefahren. Selbst angebautes Gemüse zu essen ist prima, aber man sollte wissen, was man da tut. In vielen Kürbisarten sind Cucurbitacine enthalten. Das sind giftige Bitterstoffe, mit denen sich die Pflanze vor Schädlingen schützt. Aus Zucchini und Speisekürbis wurde das verantwortliche Gen herausgezüchtet. Bei Zierkürbissen, die eigentlich nicht zum Verzehr geeignet sind, wurde aber bisher davon abgesehen. Da sich alle Kürbisvarianten, zu denen auch die Zucchini zählen, miteinander kreuzen lassen, kann das "giftige" Gen auf diese Weise in die Samen der Speiseformen gelangen sowie in die aus ihnen gezogenen Früchte. Also: Niemals Zierkürbis und Zucchini im selben Beet anpflanzen.


Kommentare (4)
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Curcurbits sind Gurken, Kuerbisse, Zucchini, Gourds, haben maennliche und weibliche Blueten und koennen sich alle kreuzen.
Uebrigens haben junge Fruechte weniger von den Bitterstoffen, also die Zucchinis einfach klein pfluecken und nicht ueberreifen lassen. Man kann auch junge Gourds essen bevor sie gross und bitter werden. Zur Not kann man abbeissen und kosten bevor man alles in den Kochtopf wirft.
Groesser ist eben nicht immer besser :-)
Führen die Cucurbitacine denn auch dazu, dass die Schnecken zielgenau bei den zarten Speisekürbis-Pflänzchen landen, Hokkaido dem Erdboden gleich machen, ihre Raspelzungen aber die Zierkürbisse verschmähen? Danke, liebe Züchtungsforschung, her mit der Bierfalle :-)
Hin und wieder habe ich aber auch schon leckere Zierkürbise gegessen, aber mit Vorsicht zu genießen sind sie schon.