Hier gibt's grünen Stoff (2)

"Fein" in Hamburg


Wer in Hamburg wissen will, was die modische Stunde schlägt, kommt nicht umhin die Marktstrasse im angesagten Karo-Viertel zu besuchen. Zwischen Secondhand- und Streetwear-Shops, Tattoo-Studios und Plattenläden eröffneten Insa Riske und Felix Aderhold im März 2008 ihren Concept-Store „Fein“. Der Name ist in vielerlei Hinsicht Programm, denn das Duo sucht nicht nur feinsinnig die schönsten Stücke aus den Kollektionen ökologisch korrekt produzierter und fair gehandelter Labels heraus, ihre Kunden finden das Konzept ebenfalls fein und sehen fein aus und irgendwie sind am Ende alle fein raus. Im Interview mit Utopia sprachen die beiden Macher über Pionierarbeit und warum sie nun für immer dazu verdammt sind, ihre Kleider im eignen Laden zu kaufen.

 


Werfen Sie einen Blick in den Concept-Store "Fein" von Insa Riske und Felix Aderhold. Hier können Sie die Bildstrecke starten

 

Utopia: Euer Slogan heißt: "In Green we trust". Lebt Ihr denn durch und durch nachhaltig? Erzählt mal von Eurem Werdegang!

Felix Aderhold: Ich war als Baby schon auf Anti-Atomkraft-Demos, meine Eltern waren sehr engagiert. Ich bin aber kein Öko-Fascho, fahre Auto und esse auch mal Fleisch. Ich habe eine zeitlang beim veganen Taschenlabel Matt&Nat gearbeitet, sonst bin ich modisch nicht vorbelastet.
Insa Riske: Meine Mutter war eine der Ersten, die in den 1970ern Bioprodukte in Ostfriesland auf dem Markt verkauft hat und ich bin mit bestimmten Werten aufgewachsen. Dogmatisch bin ich trotzdem nicht. Das Ziel von „Fein“ ist es, die Möglichkeiten des Konsums zu erweitern, dem Ganzen eine Chancen zu geben. Manche Kunden kleiden sich hier von Kopf bis Fuss ein, andere tasten sich mit einem Teil langsam an die Materie heran. Wir wollen einen Gegenpol zu Hess Natur und ähnlichen Anbietern stellen, da geht es um Kleidung, wir verkaufen Fashion. 

Tragt Ihr nur noch korrekt produzierte und umweltverträgliche Kleidung?

Felix Aderhold: Ich bin heute bis auf die Schuhe komplett korrekt.
Insa Riske:
Ich auch. Das ist das Problem oder eben das Schöne. Wer einmal diese Sachen anhatte, will nichts anderes mehr. Das sind echte Schmeichler.


Wo findet Ihr Eure Marken?


Insa Riske:
Es gibt auf Mode-Messen wie der Premium in Berlin oder der Bread&butter eigene „grüne“ Bereiche. Wir können aber sagen, dass die Labels uns finden, denn die Szene ist sehr klein und es gibt kaum Läden. Auch wenn mittlerweile viel über ökorrekte Kleidung berichtet wird, darf nicht vergessen werden, dass wir immer noch Pionierarbeit leisten, die Netzwerke entstehen erst. Viele Firmen haben ihr Profil noch gar nicht gefunden und definieren erst eine Strategie. Je populärer die Marken werden, um so mutiger agieren sie auch und finden eine deutliche Richtung. Kuyichi oder Knowledge Cotton Apparel machen da schon einen guten Job. Sie sind mittlerweile aber auch viele Jahre dabei. ...


 

 

 

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    Carl Jaegert
    schrieb am 27.04.2009 um 17:44
    Der Fein Store ist die Art von Läden, mit dem die Getrifizierung des Karoviertels eingesetzt hat. Kleinen Läden mit Selbstentworfenem/-genähtem, die über mehr als ein Jahrzehnt hinweg das Image und den Charme von Karoviertel und Marktstraße begründet und aufgebaut haben, werden abgelöst durch...
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