Fragen Sie Dr. Dilemma

Milch: regional erzeugt oder Mehrwegflasche


Lieber Dr. Dilemma!

Gerade haben wir in der WG-Küche darüber geredet, ob die Demeterflasche als Mehrweg aus dem Berchtesgadener Land oder die regionale Milch als Tetrapak besser sei. Meine Mitbewohnerin meinte dann, das es doch das Beste sei, wenn sie gar keine Milch mehr kauft. Abgesehen von regionaler Milch aus der Mehrwegflasche: Welche Milch ist besser?

Freundliche Grüße aus Göttingen,
Carina Russ.


Dr. Dilemma antwortet:

Liebe Carina Russ,

als Kind schlurfte ich zum Milchhäusle im Ortszentrum, die kleine Milchkanne  in der Hand. Auch das war nicht perfekt. Die Kühe stießen Methan aus, die Milch wurde im Milchauto gebracht, die Kanne war aus Plastik, und eine leicht verwirrte Oma haute mir mal eins aufs Ohr, weshalb ich monatelang einen Milchhäusleschock hatte. Aber immerhin: Der Kreislauf war dörflich, die Entfernungen waren minimal, die Kanne wurde viele Jahre benutzt.

Heute werden in jedem Fall sehr viel mehr Energie gebraucht und Schadstoffe ausgestoßen. Dennoch rate ich nicht dazu, sich der Meinung Ihrer verehrten Mitbewohnerin anzuschließen und "gar keine Milch" mehr zu kaufen. Das klingt so ein bisschen nach: Besser wäre es, wenn es uns alle nicht gäbe - die Milch, die Kühe, die Menschen. Das ist mir zu
resignativ.

Wie Sie bereits in Ihrer Frage klar machen, entscheidet beim Getränkekauf aus Umweltsicht nicht nur die Frage des Verpackungssystems, sondern auch der Transport und speziell die
Entfernung vom Abfüllort. Der Vorteil des Tetrapak ist hier das deutlich geringere Gewicht und der geringere Platzbedarf im Vergleich zur Glasflasche. Ich verstehe daher Ihre Frage so: Ab welcher Entfernung ist Tetrapak besser als Mehrwegflasche?

Dazu gibt es Untersuchungen des Umweltbundesamtes. Sie heißen etwa: "Ermittlung des Einflusses einer Variation der Distributionsentfernung unter Einbeziehung des Füllgutes in die Bilanzierung". Mein persönliches Dilemma besteht darin, dass ich daraus nicht so schlau geworden bin, als dass ich Ihnen auf den Kilometer sagen könnte, ab wann kurzer Einweg ökologischer ist als langer Mehrweg. Das konnte mir auch keiner der befragten Experten sagen. Was aber bekannt ist: Milchflaschen aus Glas lohnen sich wegen der hohen Transportkosten nur unter 150 Kilometern. Sie sind per se auf regionale Kreisläufe angelegt.

Weltweit werden etwa 10 Milliarden Getränkekartons jährlich produziert. Das hat mit den veränderten Konsumgewohnheiten oder Ansprüchen zu tun,  etwa an eine längere Haltbarkeit von Milch. Aber vor allem auch damit, dass gewaltige Industrien ihre Interessen vorantreiben. Tetrapak ist der Name eines Verpackungsherstellers, der diesen Markt der (Milch)Verpackungen stark dominiert, so dass der Produktname synoym für das Produkt ist. Der quaderförmige Karton ist eigentlich gar kein "Tetrapak", sondern ein Tetra Brik. Und er kann auch nicht recycelt werden. Recycling im Optimalfall meint das Schließen von Stoffkreisläufen. (Milch-)Kartonrecyling ist Downcycling, also von minderer Qualität.

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    heartwise_ch
    schrieb am 11.12.2009 um 09:59
    Danke für den tollen Artikel! Auch wenn ich selbst keine Milch mehr trinke, empfinde ich die Info über die unterschiedlichen Verpackungsarten und Regionalkauf als eine sehr gute Orientierungshilfe und als ein Stück Information über etwas, das uns alle angeht. Schließlich haben wir, die wir ab und...
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    Judithschka
    schrieb am 10.12.2009 um 19:46
    Ja ich verstehe auch nicht, warum denn nicht alle Milch (mal abgesehen von der H-Milch) in Glasflaschen abgefüllt werden kann? Ja die meisten Unternehmen argumentieren jetzt sicherlich wieder damit, dass das Tetra Pak weniger wiegt und man es platzsparender transportieren kann, aber ist das denn...
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