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besser: wissen - machen - kaufen
Lieber Dr. Dilemma!
Seit Längerem quält mich die Frage, was besser ist nach dem Händewaschen.
Heißlufttrockner oder Papiertücher? An meiner Uni gibt es nur die beiden Möglichkeiten.
Ein Heißlufttrockner kostet relativ viel Strom und dauert ziemlich lange. Die Papierherstellung benötigt aber auch Energie. Dazu kommen der Transport und die Bäume, die dafür sterben müssen. Oder soll ich ganz davon weg und mir die Hände an der Hose abputzen? Das gibt aber häßliche nasse Flecken. Oder einfach nur tropfen lassen?
Liebe Grüße, Wetterwachs
Dr. Dilemma antwortet:
Liebe Frau Wetterwachs,
es freut mich sehr, dass Sie Ihre Hände nicht einfach in Unschuld waschen, sondern selbst für diese Alltagssache Verantwortung übernehmen.
Ihre Universität gibt ihnen nur die Wahl zwischen Heißlufttrockner oder Papiertüchern. Beim Heißlufttrockner entfällt der Wasserverbrauch, es gibt keine Waschprozesse, es werden keine Bäume gefällt - und es gibt viel weniger Müll. Dafür ist das Gerät viel intensiver produziert und verbraucht permanent Energie. Das größte Dilemma des Heißlufttrockners: Er hat nicht die Funktionalität von Stoff- oder Papierhandtüchern. Erstens: Er braucht zu lange. Zweitens: "Beim Heißlufttrockner stellt sich die Frage der Mikrobiologie", sagte mir Martin Möller vom Freiburger Öko-Institut. Konkret: Er bietet im Hinblick auf Hygiene nicht die gleiche Funktionalität.
Der beim Waschen aufgeweichte Restschmutz wird vom Tuch entfernt, vom Luftstrom nicht. Schlimmer: Heißlufttrockner können die Zahl der Keime auf der Haut "drastisch" ansteigen lassen oder gar den Waschraum "kontaminieren", behauptet eine Studie der University of Westminster (London). Beim herkömmlichen Heißlufttrockner steigt die Zahl der Mikroorganismen an den Fingerkuppen um 186 Prozent und an den Handflächen um 230 Prozent. Es gibt inzwischen auch moderne Geräte, die bessere Keimwerte haben und das Trocknen in zehn statt in 25 Sekunden erledigen. Entsprechend sinken Stromverbrauch, CO2-Bilanz und Betriebskosten.
Gut so? Ja, aber:
Diese HiTech-Geräte beschleunigen die Luft auf über 600 Stundenkilometer und entsprechend verteilen sie die Keime nicht nur um das Gerät herum, wie der klassische Händetrockner, sondern schön im ganzen Raum. Sie verursachten ein "erhöhtes Krankheitsrisiko", urteilen die Biomediziner aus Westminster.
Foto: AllzweckJack Quelle: photocase.com
Was hat das mit dem Ökofaktor zu tun? Sehr viel. Eine ökologische Variante muss eine vergleichbar zufriedenstellende Funktionalität bieten, sonst findet sie keine Akzeptanz, sagt Experte Martin Möller. Sie muss also Wasser plus Restschmutz plus Mikroorganismen entfernen oder zumindest verringern und einen Ökofaktor haben.
Papierhandtücher säubern besser und verringern zudem die Zahl der Keime an den Händen um knapp 80 Prozent. Dennoch bringen sie es nicht. Wie Sie selbst sagen: Papierhandtücher brauchen Energie bei der Produktion und verursachen Treibhausgasemissionen und Abfall. Eine Untersuchung durch das Öko-Institut hat ergeben, dass Handtuchrollen aus Baumwolle unter Umweltaspekten deutlich besser sind als Papierhandtücher. Das gilt sowohl für Frischfasermaterial als auch für Recycling-Papier.
Mit der Baumwoll-Handtuchrolle hat mancher womöglich ein kulturelles Problem, nämlich das Gefühl der mangelnden Sauberkeit. Baumwollrollen zirkulieren aber längst nicht nicht mehr im Kreis, sondern werden abgerollt, so dass jeder eine neue Stelle bekommt - es sei denn, das zuständige Fachpersonal schläft, und die Rolle hängt tagelang auf dem letzten halben Meter.
Das Spannende ist die Annäherung an die Idee des geschlossenen Kreislaufes. Das ist sicher noch nicht Cradle-to-Cradle im Sinn des Produktdesigners Michael Braungart. Es wird auch sehr viel Wasser für den Anbau der Baumwolle gebraucht. Es geht aber in die Richtung: Die Handtuchrollen können 100mal gewaschen und wieder verwendet werden. Sie allerdings haben an ihrer Uni keine Baumwoll-Handtuchrolle.
Überlegen wir daher die Alternativen (nächste Seite)
Kommentare (13)
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Berthild Lorenz
schrieb am 12.03.2011 um 10:36 ¶micki.
schrieb am 26.04.2010 um 17:40 ¶Kommentar schreiben
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