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Obama Bingo

Wie die neue US-Regierung die kalifornische Umweltbehörde beflüge


 

 

 

 

 

 

 

 

 

In den Büros der kalifornischen Umweltbehörde Cal/EPA spielen die Beamten dieser Tage ein ganz neues Spiel: Obama-Bingo. Immer wenn die Headhunter des neuen Präsidenten wieder einen der Umweltschutzexperten von der Westküste für einen Job in Washington angeheuert haben, ruft jemand "Bingo!"

Maureen Gorsen

Für die Umweltpolitik von Barack Obama lässt das viel Gutes hoffen, denn Kalifornien ist seit Jahrzehnten Vorreiter im Umweltschutz. Maureen Gorsen (Foto), Direktorin der Abteilung Sondermüll (DTSC), freut sich über das Bingo, auch wenn sie dadurch zunehmend Mitarbeiter an Washington verliert und jetzt neue suchen muss. Gorsen ist eine der kalifornischen Spitzenbeamtinnen, die für Innovationen im Umweltschutz sorgen. Wie strategisch sie dabei vorgeht, konnte Utopia auf der Nutec-Messe erfahren, wo Gorsen ihre Initiative für grüne Chemie vorstellte.

Die „Green Chemistry Initiative“ ist nichts anderes als die Umsetzung der Cradle-to-Cradle-Prinzipien in die Arbeit einer Umweltbehörde. Statt Produkte herzustellen, die auf der Deponie landen, sollen Unternehmen nur noch produzieren, was recycelt werden kann, oder problemlos als Nährstoff in der Umwelt landen kann. Schon beim Produktdesign sollen sichere Chemikalien ausgewählt werden und damit wird die teure Sondermüllentsorgung vermieden. Auf der Nutec-Messe hatte Michael Braungart viele Unternehmen versammelt, die diese Grundsätze in ihre Arbeit integrieren. Das einzigartige an Maureen Gorsen ist aber, dass sie eine ganze Behörde auf Cradle-to-Cradle ausrichtet. Im September hat Gouverneur Arnold Schwarzenegger die ersten zwei Gesetze verabschiedet, die Gorsens Arbeit ermöglichen.

Zwei Dinge sind dabei von zentraler Bedeutung: Gorsens Behörde DTSC darf jetzt gefährliche Chemikalien identifizieren. Statt sie aber wie früher ohne Alternatvie zu verbieten, darf sie Unternehmen in die Pflicht nehmen. Diese müssen Forschung über die Risiken bezahlen und vor allem Ersatzchemikalien finden, die risikofrei sind. Als in Europa Asbest verboten wurde, wurde es in Bremsbelägen durch Antimon ersetzt, das aber genauso krebserregend ist. Diese Fehler werden in Kalifornien vermieden. Der zweite wichtige Schritt ist, diese Prozesse im Internet offen zugänglich zu machen. Statt also mühsam einen gesundheitsgefährdenden Stoff nachdem anderen zu verbieten, sammelt die Umweltbehörde Daten über risikofreie Stoffe, die positive Effekte für die Umwelt bewirken, und macht diese Daten öffentlich. Gutes tun, statt schlechtes zu regulieren. Das klingt wie ein einfacher Gedanke, ist aber ein Paradigmenwechsel im Umweltschutz. Der auch für amerikanische Beamten eine große Umstellung ist. Und weil das ganze in Kalifornien passiert, wird es natürlich in einer Web2.0-Plattform realisiert, um möglichst viele Menschen zu beteiligen.

Wenn Gorsen ihre Initiative präsentiert, dann redet sie als erstes über den Nutzen. Da geht es nicht um gesündere Kinder oder weniger Plastikabfall, da geht es um Dollars. 670 Milliarden Dollar beträgt der Umsatz mit Chemie in den USA, Kalifornien macht davon aber nur 7 Milliarden, also ein knappes Prozent. Es ist also viel Platz für Wachstum, dafür sich ein dickeres Stück vom Kuchen abzuschneiden. „Unser Ziel ist es, Kaliforniens Spitzenposition bei der wirtschaftlichen Entwicklung durch Technologie-Innovationen wiederherzustellen“, sagt Gorsen. Und die Initiative für grüne Chemie ist der Schlüssel hierzu.
Dennoch klärt auch Gorsen über die Risiken auf, die ein Umdenken nötig machen. Die Rücklagen des Staates für Sondermülldeponien und -entsorgung reichen bei weitem nicht aus: 157 Millionen wurden gesammelt, nötig werden aber 1,2 Milliarden. Dringender aber sind die Gesundheitsschäden durch Chemikalien. In den letzten vierzig Jahren, stieg die relative Häufigkeit von Krankheiten wie Brustkrebs, während bei Männern die durchschnittliche Spermiendichte stark abnahm – Wissenschaftler halten die Belastung mit Chemikalien für den Auslöser.

Der Effekt der kalifornischen Inititative wird weltweit zu spüren sein. Nicht nur weil Hersteller ihre Produkte natürlich für diesen wichtigen Markt optimieren. Sondern weil Gorsen geschickt bestehende Projekte vernetzt. Die Chemikalien-Datenbank baut natürlich auf das europäische Chemikalienregister REACH auf. Während REACH aber von Umweltschützern stark kritisiert wird, macht Gorsen daraus ein wirksames Werkzeug für eine Cradle-to-Cradle-Wirtschaft. Zur Zeit sind die ersten internationalen Austauschpartner vor Ort: Schwedische Beamte, die die Ratspräsidentschaft 2009 vorbereiten und die kalifornischen Erfahrungen aufgreifen wollen. Kein Wunder, wie Gorsen die Zukunft sieht: „Wir stehen am Anfang einer neuen Ära von Konsumgütern: Wir erfinden, bauen und benutzen schadstofffreie, nachhaltige Produkte.“

Stand: 05.01.2009 von

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    schrieb am 07.01.2009 um 16:36
    Der Beginn neuer Ideen wird meist von Euphorie begleitet, doch der Weg der Umsetzung ist schwierig und lang.
    Oder woher kommt plötzlich das Vertrauen in die Politik?
    Ich warte erst mal ab.
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    schrieb am 06.01.2009 um 15:25
    Amerika ist endlich aufgewacht! Jetzt steht unserem "grünen" Planeten nicht mehr viel im Wege!

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    schrieb am 05.01.2009 um 22:59
    Endlich aufgewacht! Hurra, die Welt, die Welt bewegt sich doch...
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