Öko-Test
Wegen Energiesparlampe in der Kritik
"Energiesparlampen sind kein wirklicher Fortschritt und keine echte Alternative zu Glühlampen", schreibt "Öko-Test" in seiner Oktober-Ausgabe. Und Chefredakteur Jürgen Stellpflug stellt fest: "Wir sind nur für Öko, wenn das Sinn macht." Mittlerweile regt sich immer mehr Kritik an dem Vorgehen von Ökotest.
Das Testmagazin untersuchte die Leistungsfähigkeit, die Lebensdauer und Einsparpotenziale bei Energie. Aber auch gesundheitliche Wirkungen wurden getestet. Dazu kaufte „Öko-Test“ 16 unterschiedliche warm-weiße Energiesparlampen (10 bis 12 Watt). Sie ersetzten jeweils eine 60-Watt-Glühbirne – „alle mit E27 Schraubsockel, und zwar sowohl die klassische Röhren- wie auch die Birnenform“, wie Anna Mai für „Öko-Test“ schreibt. Zum Vergleich zogen die Tester eine Glühbirne mit 60 Watt heran, sowie eine Halogenlampe mit 42 Watt. Das Resümee: „Knapp ein Drittel der Energiesparlampen war bestenfalls ‚befriedigend’, der Rest schlechter, und vier Modelle sind sogar richtige Flops, weil beide Testexemplare frühzeitig ausfielen.“
In demselben Heft stellt „Öko-Test“ Wolfgang Maes als „Experten des Monats“ vor, der als „Öko-Test-Berater zum Thema Elektrosmog“ auch die Energiesparlampen geprüft hat. Mit einem Ergebnis, das bei Maes zu erwarten war: Schon in einem Beitrag für „Wohnung + Gesundheit“ listet der Baubiologe auf, welche Nachteile aus seiner Sicht Energiesparlampen haben (Heft 124, 2007):
o Starke elektromagnetische Felder
o Nervende Lichtflimmerfrequenzen
o Schlechtes Lichtspektrum
o Herstellung ökologisch kritisch
o Giftiges Quecksilber, deshalb Entsorgung auf Sondermüll
o Lichtleistung lässt im Laufe der Gebrauchszeit nach
o Lebensdauer lässt mit der Zahl der Ein-/Ausschaltungen nach
o Die Energiesparlampe ist teuer
Maes Fazit: „Alle diese Negativmerkmale zeigt die Glühlampe nicht.“ Ein Jahr später zitiert ihn „Öko-Test“, wenn es um Elektrosmog bei Energiesparlampen geht: „Diese intensiveren, härteren und Oberwellen- wie störreichen Felder über ein so weites Frequenzspektrum machen die Energiesparlampen zu einer erheblich schlechteren, verzerrten, schmutzigen Lichtquelle und zur Elektrosmogbelastung.“ Bleibt die Frage: Warum lässt „Öko-Test“ Energiesparlampen von einem Experten testen, dessen Meinung vorher schon feststeht?
Stichwort Elektrosmog: Laut „Öko-Test“ sind die elektrischen Wechselfelder „bei Energiesparlampen viel stärker als bei Glühbirnen“. In einem Abstand von 30 Zentimetern werden deutlich höhere Werte gemessen, als die TCO-Zertifizierung für strahlungsarme Bildschirme festlegt: „Damit ist die Energiesparlampe etwa am Arbeitsplatz überhaupt nicht geeignet.“ Eine Argumentation, die Christoph Seidel vom Energiesparlampen-Hersteller „Megaman“ nicht nachvollziehen kann. „Bei den Bildschirmen wurden die Abschirmungsmaßnahmen extrem ausgebaut“, sagt Seidel. Die Werte der TCO seien kein geeigneter „Vergleichsmaßstab“, weil sie nur für Bildschirme gültig sind.
Stichwort Energieeinsparung: Bis zu 80 Prozent sollen Energiesparlampen gegenüber einer Glühbirne Energie sparen – „Öko-Test“ hat eine spezielle Versuchsanordnung gewählt, um diese Behauptung zu prüfen. Der Grund: Übliche Berechnungen berücksichtigen nicht, „dass die Sparlampen meist weniger hell sind als die Glühbirnen und während der Lebensdauer auch noch an Helligkeit nachlassen.“ Diese Faktoren wurden einbezogen – mit dem Ergebnis: „Die Mehrheit bringt es nur auf 50 bis 70 Prozent Energieeinsparung.“ Christoph Seidel von „Megaman“ sieht das anders: „Diese Versuchsanordnung ist nur für die gewählte Situation tauglich und nicht generalisierbar.“ Eine andere Beleuchtungssituation würde zu „völlig anderen Ergebnissen führen“, zumal „Öko-Test“ sich nicht an Normen gehalten habe. So kritisiert auch der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) die Auswahl der Messmethoden: Es habe keine Normprüfung mit einer Messkugel gegeben, wie sie sonst üblich ist.
Kritisch steht auch Dr. Dietlinde Quack vom Öko-Institut den „Öko-Test“-Ergebnissen gegenüber: Sie sieht „kein objektives Urteil“, die Untersuchung habe methodische Mängel. „Es waren einige sehr billige Lampen dabei“, sagt die Wissenschaftlerin, „im Text wird nur auf die Schlechten abgehoben.“ Dabei habe es auch sehr gute Testergebnisse gegeben. Dr. Quack: „Eine seriöse Verbraucherinformation zeigt die gesamte Bandbreite von guten und schlechten Produkten auf.“ Vor allem braucht ein Leser Hinweise, „wie man gute Energiesparlampen kaufen kann“. Natürlich ließen sich diese Lampen nicht überall nutzen. „Aber es gibt auch sinnvolle Anwendungen“, so Dr. Quack. Damit bleibt das Öko-Institut bei seiner Position: Energiesparlampen seien immer noch eine ökologisch sinnvolle Alternative, die auch preiswerter ist als klassische Glühbirnen. Selbst wenn „Öko-Test“ jetzt das „Ende einer Erfolgsgeschichte“ einläutet …
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Kommentare (30)
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Patrick Junker
schrieb am 31.05.2010 um 00:28 ¶Patrick Junker
schrieb am 02.12.2009 um 01:31 ¶Kommentar schreiben
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